Sorge um die gemeinsame Linie Droht Wildwuchs im Osnabrücker Baugebiet Rosengärten?

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die gemeinsame Linie in der Gestaltung ist auf den ersten Blick sichtbar. Bewohner der Siedlung Rosengärten fürchten aber, dass sich im zweiten Bauabschnitt Wildwuchs ausbreiten könnte. Foto: Jörn MartensDie gemeinsame Linie in der Gestaltung ist auf den ersten Blick sichtbar. Bewohner der Siedlung Rosengärten fürchten aber, dass sich im zweiten Bauabschnitt Wildwuchs ausbreiten könnte. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Das kräftige Rot sticht sofort ins Auge. Wie aus einem Guss erscheint die kleine Siedlung „Rosengärten“ mit ihren 28 Häusern am Deisterweg auf einem ehemaligen Gärtnereigelände. Jetzt sorgen sich Bewohner des Quartiers, dass diese Einheitlichkeit im zweiten Bauabschnitt verloren gehen könnte. Am Montag ist die Gestaltungsfrage Thema einer Podiumsdiskussion.

Die Siedlung Rosengärten ist ein Kind des Sanierungsprogramms Rosenplatzviertel. Mit dem Ziel, im Blockinnenbereich zwischen Iburger Straße und Meller Straße attraktive Wohnungen zu bezahlbaren Preisen zu schaffen, brachte die Stadt 2003 gemeinsam mit dem Sanierungsbüro einen Gestaltungswettbewerb auf den Weg, der sich an Planer, Investoren und Bauträger richtete. Das Hamburger Büro PPL setzte sich dabei mit seinem städtebaulichen Konzept durch, das zweigeschossige Einfamilienhäuser unterschiedlicher Bauweise vorsieht. Drei Typen standen dabei zur Auswahl – mit Flachdach, Pultdach und als Doppelhaus.

Dachneigung und Farben vorgeschrieben

Um eine homogene Siedlung zu schaffen, übernahm die Stadt die Kernelemente in den Bebauungsplan. Zu den Vorgaben gehören neben Dachneigung, First- und Traufhöhe auch die Farben für Dächer und Fassaden. Individualität, das stand in diesem Quartier von Anfang an fest, sollte sich vor allem im Innern der Häuser entfalten.

Fast alle Bauherren der 28 Häuser haben sich an die Regeln gehalten, wie der Architekt Ralf Krapohl anerkennend vermerkt. Er war zwar nicht an der Planung beteiligt, als Bewohner des Viertels liegt ihm aber daran, die Homogenität zu bewahren. Anlass zur Beunruhigung sehen Bewohner der Rosengärten in einem Neubau, der sich zwar dem Farbschema beugt, mit seinem Satteldach und seinen Formen aber die gemeinsame Linie verlassen hat.

Gelten Vorschriften auch für neue Häuser?

Das sei noch nicht dramatisch, beschwichtigt Architekt Krapohl. Er sorgt sich aber, dass sich auf dem zweiten Bauabschnitt ein gestalterischer Wildwuchs entwickeln könnte. Auf einer bisher als Garagenhof genutzten Fläche sollen demnächst weitere Häuser entstehen. Die Vorgabe aus dem Bebauungsplan ist zwar unverändert. Im Quartier wird aber schon die Frage diskutiert, ob sich die Stadt einer schleichenden Abkehr von den geltenden Regeln in den Weg stellt. Deshalb haben die Veranstalter der Podiumsdiskussion auch Stadtbaurat Frank Otte eingeladen.

Neben ihm wird auch der Hamburger Architekt Lutz Siebertz, der als Mitarbeiter von PPL maßgeblich das Gesicht der Siedlung geprägt hat. Er war schon seit zehn Jahren nicht mehr in Osnabrück und ist gespannt, wie sich die Rosengärten entwickelt haben. Aus Telefonaten mit Bewohnern der Häuser schließt er, dass es bei den Nutzern eine starke Identifikation mit dem Quartier gibt.

Siebertz glaubt nicht, dass sich eine einheitliche Gestaltung allein mit strengen Vorgaben der Stadtherbeiführen lässt. Wichtig sei es, die Bauherren zu überzeugen, „dass es sinnvoll ist, in dem Kontext mitzumachen“, sagt der Architekt.


„Das Rosengartenquartier – eine Idee sucht ihre Abrundung“, heißt das Thema einer Podiumsdiskussion, die am Montag, 18. Januar um 19 Uhr im Lounge Projekt 36 an der Johannisstraße 133 - 135 stattfindet. Im Podium sitzen Stadtbaurat Frank Otte, der Architekt Lutz Siebertz aus Hamburg, der Stadtplaner Hartmut Welters aus Dortmund und ein Anwohner. Als Moderator tritt Dirk Manzke auf, der als Professor für Landschaftsarchitektur an der Hochschule Osnabrück zugleich Mitveranstalter ist, gemeinsam mit dem Forum für Architektur und Design Martini 50.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN