Teilzeitarbeit in Region Osnabrück IHK stellt Studie über „atypische Beschäftigung“ vor

Die IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim hat eine Studie über „atypische Beschäftigung“ in der Region Osnabrück vorgestellt. Symbolfoto: dpa/Franziska KraufmannDie IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim hat eine Studie über „atypische Beschäftigung“ in der Region Osnabrück vorgestellt. Symbolfoto: dpa/Franziska Kraufmann

Osnabrück. Die sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnisse werden in der öffentlichen Diskussion häufig zu Unrecht negativ bewertet und gar in die Nähe existenzbedrohender Ausbeutung gerückt. Das stellte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim (IHK), Marco Graf, bei der Vorstellung einer Studie aus seinem Haus fest.

So seien 85 Prozent aller Teilzeitarbeitenden mit dem zeitlichen Umfang ihrer Arbeit zufrieden. 15 Prozent würden mehr arbeiten, wenn es mehr und bessere Angebote der Kinderbetreuung gäbe.

„Hier liegt ein noch ungehobenes Potenzial: Könnten die genannten 15 Prozent die gewünschte Mehrarbeit leisten, könnten nach unseren Berechnungen rund 9600 zusätzliche Vollzeitstellen in unserem Kammerbezirk entstehen. Das wäre ein substanzieller Beitrag zur Linderung des Fachkräftemangels “, sagte Graf. Davon abgesehen, sei die große Mehrheit der Teilzeitarbeitenden mit ihrer frei gewählten Arbeitszeit zufrieden. Davon profitierten beide Seiten, merkte Graf an: „Arbeitnehmer können dadurch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf herstellen, während Unternehmen flexibel auf den schwankenden Arbeitsanfall reagieren können.“ So hätten etwa die verlängerten Ladenöffnungszeiten im Einzelhandel vielen Frauen den (Wieder-)Einstieg ins Arbeitsleben ermöglicht. „Sie können samstags an der Kasse sitzen, weil dann ihre Männer zuhause auf die Kinder aufpassen“, sagte Graf.

Amtliche Statistiken ausgewertet

Zur atypischen Beschäftigung zählen Zeit- oder Leiharbeit, geringfügige Beschäftigung (nicht sozialversicherungspflichtige „Mini-Jobs“ bis 450 Euro/Monat) und Teilzeitarbeit, wie Frank Hesse als IHK-Geschäftsführer für Wirtschaftspolitik und Autor der Studie erläuterte. Die Studie beruhe auf der Auswertung amtlicher Statistiken der Bundesagentur für Arbeit und eigenen Berechnungen. Nicht eigens erfasst sind befristete Arbeitsverhältnisse, weil die Statistiken darüber keine Auskunft geben, und Werkvertragsarbeiter, weil sie nicht zu den weisungsgebundenen Arbeitnehmern zählen. (Weiterlesen: Ausländer gegen Fachkräftemangel im Landkreis Osnabrück)

Diskussion versachlichen

Der Anteil der atypischen an allen Arbeitsverhältnissen liegt im Kammerbezirk mit 42 Prozent leicht höher als im Land (41 Prozent) und im Bund (39 Prozent). Wegen der absoluten Höhe verbietet es sich fast, von „atypisch“ zu sprechen, wo die „typischen“ Arbeitsverhältnisse kaum mehr ausmachen. Umso wichtiger sei es, die Diskussion um die „atypischen“ zu versachlichen, meinte Hesse.

Leiharbeit regional nur mit geringem Anteil

Die oft besonders kritisch gesehene Leiharbeit hat mit 3,3 Prozent im Kammerbezirk nur einen geringen Anteil. Zudem zeigt sich ein Abwärtstrend, was mit dem zunehmenden Fachkräftemangel und zunehmender Reglementierung zusammenhängen dürfte. Geringfügige Beschäftigung (Kammer: 18, Land: 16, Bund 14 Prozent) ist ebenfalls auf dem Rückzug, der mit der Einführung des Mindestlohns zu tun hat. Nur die Teilzeitarbeit nimmt in den letzten Jahren zu, weil vermehrt Frauen ins Berufsleben eintreten – und das auf eigenen Wunsch zumeist nicht in Vollzeit. Die IHK-Analyse hat den Vorzug, nicht nur die Kammer-Zahlen in den größeren Zusammenhang zu stellen, sondern auch in der Mikrobetrachtung die Landkreise im IHK-Bezirk untereinander zu vergleichen.


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