Restaurantpächter insolvent „Zu den Linden“ in Osnabrück überraschend geschlossen

Von Ullrich Schellhaas


Osnabrück. Aktuell brennt kein Licht in der Gaststätte „Zu den Linden“ an der Windthorststraße im Osnabrücker Stadtteil Schinkel-Ost. Für die meisten Schinkelaner völlig überraschend hat der Pächter Mariusz Tarapacki das Lokal zum Ende des vergangenen Jahres geschlossen. Was sind die Hintergründe? Und wie wird es weitergehen?

Für Walter Leineweber bedeutet die überraschende Schließung der Gaststätte „Zu den Linden“ jede Menge Arbeit. Er ist Vorsitzender des Bürgervereins Schinkel-Ost und in dieser Funktion auch der Organisator des jährlichen Grünkohlessens der Gemeinschaft. Dieses sollte auch in diesem Jahr stattfinden, und zwar am Samstag, 30. Januar, und wie in der Vergangenheit meist üblich in den Räumen des Traditions-Restaurants.

„Bis vor Weihnachten hatte ich auch noch guten Kontakt mit dem Wirt“, berichtet Walter Leineweber, „zuletzt haben wir die Frage besprochen, ob wir wie sonst auch wieder an runden Tischen sitzen möchten“. Doch dann brach der Kontakt überraschend ab, Nachbarn der Gaststätte fiel auf, dass dort schon „zwischen den Jahren“ immer öfter das Licht ausgeschaltet blieb – zu Zeiten, an denen das Restaurant sonst üblicherweise geöffnet war. Für Walter Leineweber war der Wirt ab etwa diesem Zeitpunkt nicht mehr zu erreichen.

Schon damals hätten im Stadtteil laut Leineweber Gerüchte die Runde gemacht, dass Pächter Tarapacki „auf und davon“ sei, sich also „aus dem Staub gemacht“ habe. Anfang des Jahres erreichte den Vorsitzenden des Bürgervereins Schinkel-Ost dann schließlich durch die Verpächter der Gaststätte die Nachricht, dass die Wirtschaft tatsächlich geschlossen sei. Für ihn war es der Anfang der Suche nach einem neuen Veranstaltungsort für das Grünkohlessen.

Insolvenzverfahren

Für den Wirt wiederum wird es eher das Ende eines langen Leidenswegs gewesen sein, denn laut Insolvenzregister hat er Ende vergangenen Jahres Insolvenz anmelden müssen – das entsprechende Verfahren wurde am 30. Dezember um 15.35 Uhr vom Amtsgericht Osnabrück eröffnet. Mögliche Ursachen dafür könnten gewesen sein, dass er „ein besserer Koch als ein Wirt“ gewesen sei, wie aus dem Umfeld der Gaststätte verlautete, oder „dass der Service verbesserungsfähig war: Den ganzen Abend lang haben wir nur ein einziges Getränk bekommen“, wie ein Gast unserer Redaktion berichtete.

Insolvenzverwalter Michael Selker teilte auf Nachfrage mit, dass „Herr Tarapacki mir mitgeteilt hat, dass er den Gastronomiebetrieb nicht fortführen möchte. Insoweit ist der Betrieb Ende 2015 eingestellt worden“. Michael Selker erklärt außerdem, dass das Geschäftslokal an die Verpächter zurückgegeben wurde, da er als Insolvenzverwalter ohne die Mithilfe des Schuldners die Gastronomie nicht alleine fortführen kann.

Zukunftsplanungen

Für die Verpächterfamilie sagte Elke Trienen: „Wir wollen das Haus wieder verpachten und suchen aktuell nach einem neuen Wirt.“ Aus verschiedenen Ecken gebe es Interesse, aktuell könne sie aber noch nichts Konkretes äußern, so Elke Trienen weiter. Die Familie wolle die Angebote prüfen, sei aber für unterschiedliche Richtungen offen. Sie verwies etwa darauf, dass es ihres Wissens nach ja aktuell zum Beispiel kein italienisches Restaurant im Stadtteil Schinkel gebe. Zum Termin einer möglichen Neueröffnung konnte sie derzeit keine Aussagen machen.

Für Walter Leineweber und das Grünkohlessen seines Vereins wurde jedenfalls kurzfristig alles wieder gut: Es kann ausnahmsweise im Pfarrsaal der Heilig-Kreuz-Gemeinde stattfinden. Ein Caterer ist organisiert, und die Bewirtung übernehmen dann Mitglieder des Vereins. Und so schließt sich der Kreis, denn im Jahr 1945 fanden Gottesdienste der Gemeinde in den Räumen der Gaststätte statt. Und vielleicht kann der Bürgerverein ja sein nächstes Grünkohlessen schon wieder wie gehabt in der Gaststätte feiern. (Weiterlesen: Die Geschichte der Wirtschaft „Zu den Linden“ .)


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