Baubeginn im Februar Osnabrücker Modehaus L+T baut Sporthaus mit Wellen-Arena


Osnabrück. Das Modehaus L+T reitet die ganz große Welle: Herzstück des neuen Sporthauses wird eine „stehende Welle“ sein. Wellenreiten beim Einkaufen – das gibt es in Deutschland bisher nicht.

Der Plan, das alte Wilhelmstift an der Hase abzureißen und auf fünf Etagen ein einzigartiges Sporthaus zu bauen , sind über Jahre gereift und lange bekannt. Doch was diesen Sporttempel tatsächlich einmalig macht, haben die Geschäftsführer Mark Rauschen und Alexander Berger erst jetzt verraten: Den Mittelpunkt des 5000 Quadratmeter großen Ladens wird eine Arena mit zweihundert Sitzplätzen und ein Wasserbecken mit einer sogenannten stehenden Welle bilden. Wellenreiten im Sportgeschäft –für jedermann und kleines Geld. „Das ist eine absolute Neuheit“, sagt Mark Rauschen.

Auch für den Sportunterricht

Geplant ist, die stehende Welle stundenweise in Betrieb zu setzen. Wer will, kann sich unter Anleitung eines erfahrenen Wellenreiters aufs Surfbrett wagen. Stammkunden sollen das Angebot kostenlos nutzen können, andere Besucher gegen ein kleines Entgelt, über dessen Höhe die L+T-Führung noch nachdenkt. Das Modehaus will die Anlage auf Wunsch auch Schulen und den Hochschulen zur Verfügung stellen. Das Ziel ist nicht, Osnabrück zum Surf-Hotspot zu machen, sondern: „Wir wollen damit Frequenz ins Haus holen“, sagt Mark Rauschen.

Die Arena ist flexibel nutzbar. Das 7,50 mal 16 Meter große Wellenbecken lässt sich abdecken und die Fläche für Basketball, Badminton, Fußball und viele andere Sportarten nutzen. Auch Public Viewing zu Welt- und Europameisterschaften kommt in Frage, wie der L+T-Chef erklärt.

Erlebniswelt

Das ganze Haus ist darauf ausgerichtet, den Einkauf zum Erlebnis zu machen. Rauschen nennt das Konzept „das Gegenteil von Internet“. Kunden sollen die Sportkleidung, Schuhe und Geräte ausprobieren und vor Ort „erleben“ können. Im Obergeschoss ist ein Fitness-Club geplant, den L+T unter eigenem Namen betreiben will. Rauschen: „Das Sporthaus soll in die Region strahlen und damit die Attraktivität Osnabrücks als Einkaufsstadt insgesamt betonten. Davon profitieren alle.“

Abriss beginnt im Februar

Das italienische Restaurant „L‘ Italiano“ zieht zum Ende des Monats aus. In diesen Tagen beginnen die Vorbereitungen für den Abriss des ehemaligen Wilhelmstifts. „Das äußere Erscheinungsbild soll zeigen, welche Dynamik in den fünf Etagen zu finden ist. Deshalb haben wir uns für eine progressive, moderne Fassadengestaltung entschieden“, sagt Alexander Berger, der für die Immobilienentwicklung bei L+T zuständig ist. Die silber glänzende Fassade wird von scharfkantigen Schaufenstern durchzuckt. Der Haupteingang öffnet sich zur Herrenteichsstraße hin (gegenüber Vapiano und Parkhaus) und erlaubt direkte Zugänge zum klassischen Modehaus, zur Markthalle und ins Sporthaus. Die Markthalle wird verschwenkt, bleibt in ihrer Größe aber erhalten. Die Entwürfe stammen vom Hamburger Büro Prof. Moths Architekten .

Das künftige Sporthaus nimmt sich im Vergleich zur heutigen Baulinie etwas zurück, sodass am Herrenteich und an der Hase Freiräume entstehen. Auf dem Platz an der Hase schwebt den Strategen aus der L+T-Führung eine grüne Oase mit Gastronomie am Wasser vor – und kleinen Gimmicks am Rande: Über die Hase könnten so genannte Slacklines gespannt werden, das sind Gurtbänder zum Balancieren. Außerdem wäre Raum für eine Leinwand und sommerliches Open-Air-Kino an der Hase.

Neue Hase-Brücke?

Einziges Problem ist der Anlieferungsverkehr, der diese gastronomische Grünzone passieren muss. Drei Mal täglich bringen Lastwagen Ware aus dem L+T-Zentrallager im Fledder ins Haupthaus, hinzu kommen die Lieferungen für die Gastronomie und die Müllentsorgung. Stadtbaurat Frank Otte favorisiert die Idee, anstelle der heutigen Fußgängerbrücke (am Haarmannsbrunnen) eine neue, Lkw-taugliche Brücke über die Hase zu schlagen , um den Lieferverkehr ohne Umweg zur L+T-Rampe zu führen. Auch mit Blick auf die geplante Öffnung der Hase in der Georgstraße wäre es sinnvoll, die Uferzone autofrei zu halten, so Ottes Argument.

Die L+T-Führung ist von dieser Lösung nicht überzeugt, zumal das Modehaus die finanzielle Hauptlast des Brückenschlages tragen müsste. „Wir stehen für jede vernünftige Lösung zur Verfügung“, sagt Mark Rauschen. Vernünftig heißt für ihn, zunächst den Praxistest abzuwarten und dann zu entscheiden, ob eine Brücke nötig ist. Über diesen Vorschlag wird der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt demnächst beraten.

Masterplan

Das Modehaus ist in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten Schritt für Schritt gewachsen. Nach der letzten großen Erweiterung des Modehauses 2006 folge jetzt mit dem Sporthaus der nächste strategische Schritt in der Entwicklung des Unternehmens, sagte Rauschen. „Wir setzen damit unseren Masterplan um, der seit zwölf Jahren existiert.“ Vor zwölf Jahren kaufte L+T das Grundstück an der Hase mit dem Ziel, das Haupthaus zu erweitern. Die Expansion ist auch eine Reaktion auf die Investitionen am Neumarkt , wo in diesem Jahr mit dem Bau eines Einkaufszentrums begonnen werden soll.




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