Tierische Geschichten Osnabrücker Esel Andy geht es wieder besser

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Während Gerhard (rechts) sich frech heranwagt, hält Andy lieber ein wenig Abstand. Foto: Carolin HlawatschWährend Gerhard (rechts) sich frech heranwagt, hält Andy lieber ein wenig Abstand. Foto: Carolin Hlawatsch

Osnabrück. Eigentlich wollte die Osnabrückerin Dagmar Feiler schon immer ein eigenes Pferd oder Pony haben. Doch dann traf sie im Sommer 2011 auf Andy. Seitdem besitzt sie ein Huftier – wenn auch kein Pferd, sondern einen Esel.

Der graue Zwergesel Andy brauchte neue Besitzer. Eine Bekannte erzählte Dagmar Feiler, dass seine Vermittlungschancen nicht gut seien. Es hieß, er habe eine unheilbare, in Erblindung endende Augenerkrankung. Zudem war er aufgrund von nicht so schönen Erfahrungen sehr menschenscheu. Als Dagmar Feiler den ängstlichen dicken Esel mit den tränenden Augen sah, beschloss sie, ihm zu helfen, und schloss ihn sogleich in ihr Herz.

Weil Esel soziale Tiere sind, die sich nur im Herdenverband sicher fühlen, organisierte Dagmar Feiler einen Gefährten für den 13-jährigen Andy: Den sieben Jahre jüngeren, fröhlich-frechen, braunen Zwergesel Gerhard. Für Esel gibt es nichts Besseres als die Gesellschaft von Artgenossen. Oft werden Esel aber auch mit Pferden, Ziegen oder Schafen gehalten. Diese Tiere sind für die Langohren aber kein Ersatz für einen anderen Esel, denn sie sprechen eine andere Sprache. Esel kommunizieren miteinander mittels Stimme, Mimik und Körpersprache und olfaktorisch durch Absetzen von Kot und Harn. Sie sind fähig, sehr schnell auf ihr Gegenüber zu reagieren. Besonders beeindruckend ist ihr weit hörbarer Ruf. In der Natur kommunizieren Esel so über das ganze Revier. Andy und Gerhard erstaunen damit so manch einen Spaziergänger in der Dodesheide und werden bei ihrer Fangemeinde schon als die „Osnabrücker Stadtmusikanten“ gehandelt.

Beim Spaziergang frontal gegen Laterne geprallt

Jedes Mal begrüßen sie Dagmar Feiler lautstark, die zweimal am Tag zum Füttern, Spielen und Spazierengehen kommt. „Als Andy beim Spaziergang dann frontal gegen eine Laterne prallte, wurde mir noch mehr bewusst, auf was für schwierige Zeiten ich mit ihm zuging, wenn seine Sehkraft im Laufe der Jahre immer mehr nachlassen würde“, erinnert sie sich. In der Hoffnung, dass auch etwas anderes hinter den schmerzenden Augen des Esels stecken könnte, ließ sie ihn tierärztlich untersuchen. Erst die Vorstellung bei Eberhard Mettenleiter in Hagen brachte das eigentliche Problem zutage: Nach innen gedrehte Augenlider, die dem Tier wie Bürsten auf der Hornhaut scheuerten. Glücklicherweise war diese Fehlstellung operabel. Inzwischen geht es dem kleinen Esel besser, doch durch das jahrelange Scheuern der Wimpern behält er Narben auf der Hornhaut zurück, was sein Sehvermögen einschränkt. „Auch das gelegentliche Tränen der Augen wird bleiben, da seine Tränennasenkanäle nicht ausgebildet sind“, weiß Dagmar Feiler.

Esel musste abspecken

Zur Besserung von Andys körperlichem Zustand gehört auch, dass er inzwischen ordentlich abgespeckt hat. Die ursprüngliche Heimat von Eseln ist das steinige Ödland am Rand der Wüsten. Esel sind dieser Landschaft angepasst und entsprechende Nahrungsspezialisten. Ihr Verdauungstrakt ist daran gewöhnt, auch karge Nahrung zu verarbeiten. Dies gilt es bei der Fütterung heutiger Hausesel zu beachten. „Na klar bekommen Andy und Gerhard auch mal Äpfel oder Möhren als Leckerei, aber eben nur kontrolliert“, erklärt die Eselbesitzerin, die oft vor dem Problem steht, das Spaziergänger ihre Esel füttern. „Die meinen es zwar gut, aber tun den Tieren damit wirklich keinen Gefallen. Die Esel bekommen von der Zufütterei Bauchschmerzen und Blähungen.“

„Es geht ihm jetzt viel besser“

In der Obhut von Dagmar Feiler und der Gesellschaft von Esel Gerhard lernt der scheue Esel Andy, wieder zu vertrauen, und zeigt Lebensfreude, auch wenn er manchmal durch seine tränenden Augen etwas traurig wirkt. „Es geht ihm jetzt viel besser“, freut sich Dagmar Feiler, deren Wunsch es ist, mit ihren beiden tierischen Freunden Tür an Tür zu wohnen. Sie sind zwar komfortabel in der Dodesheide untergebracht, doch ihre Halterin wohnt in Hellern. Da wird die zweimalige Versorgung pro Tag zum großen Aufwand.

„Irgendwo im Raum Osnabrück muss es doch ein Plätzchen für uns drei zusammen geben“, hofft sie und ergänzt lächelnd: „Schließlich wollen wir gemeinsam alt werden“. Und da liegt noch viel Zeit vor ihnen, denn Esel können weit über 30 Jahre alt werden. Wer ein Platzangebot im Raum Hellern für Andy und Gerhard hat, kann sich bei Dagmar Feiler melden unter Telefon 0176/21892754.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN