Neubau am Wissenschaftspark Weg frei für weiteres Studentenwohnheim in Osnabrück

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Am Wohn- und Wissenschaftspark in Osnabrück soll ein Studentenwohnheim mit mindestens 80 Wohnungen gebaut werden. Die Stadt stellt dafür ein 3500 Quadratmeter großes Grundstück auf dem Westerberg bereit. Bis Mitte April wird nun im Bieterverfahren ein Investor gesucht.

Das Grundstück für das „Albert-Einstein-Studentenwohnheim“, wie es verwaltungsintern genannt wird, befindet sich in einem Mischgebiet auf dem Gelände der früheren Scharnhorstkaserne, genauer an der Ecke Friedrich-Janssen-Straße/Albert-Einstein-Straße. Die Stadt Osnabrück hat es im Zuge eines Tauschgeschäfts von der Wohnpark Scharnhorst GmbH erhalten, einer Tochterfirma der Münchener Beteiligungsgesellschaft Scopus Capital. Diese bekommt dafür im Gegenzug ein benachbartes Areal, das ursprünglich für den Neubau des Studentenwohnheims reserviert war.

Grundstückswert: 560.000 Euro

„Eine klassische Win-win-Situation“, nannte Osnabrücks Finanzvorstand Thomas Fillep jetzt auf Nachfrage unserer Redaktion den frisch eingefädelten Deal, dem Ende 2014 ein monatelanger politischer Streit vorausgegangen war. Das neue Grundstück sei 700 Quadratmeter größer und biete damit Platz für 20 Wohnungen mehr. Zudem liege es „in zweiter Reihe, also ruhiger“. Der private Tauschpartner hingegen, der auf seiner Fläche Gewerbe ansiedeln muss, profitiere bei der Vermarktung von einer besseren Anbindung an die Sedanstraße.

Laut Ausschreibung hat das neue Wohnheim-Grundstück einen Wert von 560.000 Euro. Zwar habe die Stadt Osnabrück wegen des Größenunterschieds zum alten einen „kleinen Ausgleich“ an den bisherigen Eigentümer zahlen müssen, sagte Kämmerer Fillep. Preisdifferenzen seien jedoch mit offenen Forderungen gegenüber der Wohnpark Scharnhorst GmbH verrechnet worden. „Wir haben wertgleich getauscht.“

Bestes Gesamtpaket gewinnt

Um einen Investor für das neue Studentenwohnheim am Osnabrücker Wohn- und Wissenschaftspark zu finden, hat die Stadt über ihre Beteiligungs- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft OBG die Albert-Einstein-Studentenwohnheim GmbH gegründet. Sie soll nun meistbietend verkauft werden – inklusive Baugrundstück und Stammkapital von 25.000 Euro. Als Käufer kommen nur Bieter infrage, die Erfahrung im Bau von Wohnanlagen nachweisen können, idealerweise sogar im Bau und Betrieb von Studentenwohnheimen. (Weiterlesen: Studentenwerk Osnabrück baut Wohnheim an Natruper Straße)

Wie schon beim Landwehrviertel, dem größten Osnabrücker Baugebiet der letzten 25 Jahre, wählt die OBG für die Vergabe das Mittel der Konzeptausschreibung. Dabei wird jenem Angebot der Zuschlag erteilt, welches den wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Anforderungen am meisten genügt. „Ein gutes Verfahren, um das beste Gesamtpaket zu ermitteln“, erklärt OBG-Geschäftsführer Fillep.

8,50 Euro Nettokaltmiete

Oberstes Ziel sei es, „bezahlbaren Wohnraum“ für Studenten von Hochschule und Universität Osnabrück zu schaffen – und dies in einer „guten städtebaulichen Qualität“, wie es in der Ausschreibung heißt. Konkret gefordert ist den Angaben zufolge ein maximal viergeschossiges, barrierefreies Gebäude (mutmaßlich im Passivhausstandard) mit mindestens 80 Wohneinheiten und einer monatlichen Kaltmiete von 8,50 Euro pro Quadratmeter. Optisch soll sich das Studentenwohnheim „harmonisch in die Umgebungsbebauung einfügen“, zugleich aber „einen eigenen Akzent setzen“. Zum Hintergrund: In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich beispielsweise die Wohnanlage Westend mit 156 noblen Mietwohnungen, außerdem eine Großkanzlei sowie das von Scopus Capital selbst errichtete Careo Westerberg, ein serviceorientiertes Wohnkonzept für alle Generationen.

Überdachte Fahrradstellplätze

Darüber hinaus stellt die OBG Bedingungen an die Gestaltung der Frei- und Stellflächen. So wird etwa pro Wohnheimplatz mindestens ein überdachter Fahrradstellplatz verlangt, pro fünf Wohnheimplätze ein Pkw-Stellplatz. Eine Tiefgarage könne die Bruttogeschossfläche auf 5250 Quadratmeter erhöhen, heißt es.

Weiterhin verpflichtet sich der Käufer der Objektgesellschaft Albert-Einstein-Studentenwohnheim GmbH, spätestens drei Monate nach Vertragsabschluss einen genehmigungsfähigen Bauantrag zu stellen. Spätestens sechs Monate nach Erteilung der Baugenehmigung ist mit dem Bau zu beginnen. Für die Fertigstellung sind anschließend 24 Monate Zeit. (Weiterlesen: Neues Wohnheim zu teuer? Osnabrücker Baumagnat Köster greift Studentenwerk an)

Bewerbungsfrist bis 18. April

Die Zweckbindung als Studentenwohnheim wird für 30 Jahre festgelegt. In den ersten 15 Jahren nach Inbetriebnahme darf die Nettokaltmiete der einzelnen Wohnung höchstens um ein Prozent im Jahr erhöht werden. Zudem sichert sich die Stadt Osnabrück langfristige Kaufrechte.

Potenzielle Bieter haben bis zum 15. Februar Gelegenheit, die Ausschreibungsunterlagen bei der Osnabrücker Wirtschaftsförderung (WFO) anzufordern. Bis zum 18. April müssen die Bewerbungen bei der Stadt eingereicht werden. Danach entscheidet die OBG-Gesellschafterversammlung über die Vergabe.


Das von der städtischen OBG in die Objektgesellschaft Albert-Einstein-Studentenwohnheim GmbH eingebrachte Grundstück ist Teil der ehemaligen Scharnhorstkaserne in Osnabrück-Westerberg.

In den Jahren 1937/1938 wurde die ehemalige Wehrmachtskaserne gebaut, bei der die prägnanten Mannschaftsunterkünfte um einen Exerzierplatz angeordnet waren. Sie wurde bis 1945 durch das Artillerieregiment 6 der Deutschen Wehrmacht genutzt. Die britischen Streitkräfte übernahmen die Anlagen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und nutzten die Fläche ebenfalls als Kaserne unter dem Namen Belfast Barracks.

Nach Abzug der britischen Streitkräfte fand die Übergabe der Kaserne am 8. Oktober 2008 statt. Im Jahr 2011 erfolgte der Abbruch aller Gebäude im östlichen Teil des Kasernenareals. Einen Großteil des Geländes erwarb die Beteiligungsgesellschaft Scopus Capital (München) über ihre Tochterfirma Wohnpark Scharnhorst GmbH, um es in einen Wohnpark mit Gewerbe umzuwandeln.

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