Puppe schafft Zugang zu Dementen Märchenerzählerin im Osnabrücker Seniorenhaus

Mithilfe der Puppe Julchen gelingt es Sabine Meyer, Zugang zu Bewohnerinnen des Hauses Dorette, die an Demenz erkrankt sind, herzustellen. Foto: Max Ciolek/Puppe: Living PuppetsMithilfe der Puppe Julchen gelingt es Sabine Meyer, Zugang zu Bewohnerinnen des Hauses Dorette, die an Demenz erkrankt sind, herzustellen. Foto: Max Ciolek/Puppe: Living Puppets

Osnabrück. Mit Julchen kann man sprechen, singen oder spielen. Julchen hat auch immer einen flotten Spruch auf Lager und sorgt so für gute Laune. Tatsächlich handelt es sich aber nicht um eine neue Bewohnerin im Haus Dorette, sondern um eine Puppe. Sabine Meyer vom Erzähltheater Osnabrück hat sie mitgebracht.

Mithilfe von Julchen gelingt es, einen Zugang zu demenziell erkrankten Bewohnerinnen herzustellen. Dies war der Hintergrund eines gemeinsamen Projektes der Senioreneinrichtung und der Märchenerzählerin.

„Julchen – Aktivierung mit Therapiepuppen in der Altenpflege“ heißt das Projekt mit vollem Namen. Diesmal sind Julchen und ihr Bruder Timmi im Haus Dorette. Sie erzählen und hören zu, bei den Bewohnerinnen zaubern sie schnell ein Lächeln auf das Gesicht. „Hat es Ihnen gefallen?“, erkundigt sich Sabine Meyer bei einer Bewohnerin. „Aber wie!“, lautet die sofortige Antwort der 86-Jährigen.

In der Vergangenheit hatte Sabine Meyer schon mehrfach das Haus Dorette besucht und dort Märchen vorgelesen. Vor zwei Jahren fing sie an, mit Therapiepuppen zu arbeiten.

Davon berichtete sie wiederum Monika Meintrup, Leiterin des sogenannten Begleitenden Dienstes in der Senioreneinrichtung – und rannte offene Türen ein: In der Vergangenheit hatten die Mitarbeiter bereits Puppen eingesetzt, wenn der Zugang insbesondere zu Menschen, die an Demenz erkrankt sind, schwierig war.

„Viele Bewohnerinnen haben darauf gut reagiert“, berichtet Monika Meintrup. Durch das Projekt, so der Gedanke im Haus Dorette, könnten Puppen noch gezielter eingesetzt werden.

Im Oktober startete der Workshop, an dem sieben Mitarbeiter vom Haus Dorette teilnahmen. Zu ihnen gehörte Jürgen Blaue.

Zunächst wurden sie eingewiesen, wie die Puppe geführt und eingesetzt wird. Dann folgten erste Spieleinheiten innerhalb des Teams, bevor die Workshopteilnehmer das Gelernte im Arbeitsalltag anwendeten.

Jürgen Blaue stellte schnell fest, dass über die Puppe Vertrauen zu den Bewohnerinnen aufgebaut werden kann. Die gewohnte Rolle zwischen Betreuungskraft und Bewohnerin werde aufgebrochen, ohne dass die Wertschätzung verloren gehe, berichtet die Betreuungsfachkraft.

Hergestellt werden die Puppen vom Unternehmen Living Puppets. Mit dem Draiflessen-Museum in Mettingen fanden Sabine Meyer und das Haus Dorette auch einen Sponsor für das Projekt. Mit den Schulungen und dem Einsatz der Puppe im Alltag ist es aber nicht getan: Regelmäßig war die Arbeit per Kamera aufgezeichnet worden. Sabine Meyer möchte die Aufnahmen für einen Lehrfilm verwenden.

Das Haus Dorette plant wiederum, die Fortschritte im Umgang mit den an Demenz erkrankten Bewohnerinnen über einen längeren Zeitraum zu dokumentieren.

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