Künstler planen Protestaktion Debatte über Etatkürzungen: Osnabrücks Theater soll sparen

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Stadtgalerie als Ort des Experiments? Als „Artist in Residence“ arbeitete zum Beispiel Nina Lükenga. Foto: Gert WestdörpStadtgalerie als Ort des Experiments? Als „Artist in Residence“ arbeitete zum Beispiel Nina Lükenga. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Die Debatte über Kürzungen am Osnabrücker Kulturetat geht weiter. Das Theater soll auch sparen. Künstler planen Protestaktionen zum Thema Stadtgalerie.

Von Ralf Döring und Stefan Lüddemann

Die Ratsfraktion der Grünen hat auf die offenen Briefe geantwortet, mit dem die Osnabrücker Kunstszene die Kürzungen bei Stadtgalerie und Museums- und Kunstverein kritisiert hat. Der Fraktionsvorsitzende Michael Hagedorn und der kulturpolitische Sprecher Sebastian Bracke heben in einer Pressemitteilung hervor, „dass es uns gelungen ist, die Forderung der Verwaltung nach einseitiger Konsolidierung des Kulturbereichs in Höhe von 1,2 Mio. Euro bis 2020 zu verhindern“. Weiterlesen: Künstler protestieren mit einem Offenen Brief gegen die Kürzung.

Grüne trugen Beschlüsse mit

Dafür mussten sich die Grünen kompromissbereit zeigen: Den Beschluss, den Zuschuss für die Stadtgalerie um 20000 Euro zu kürzen, haben die Grünen mitgetragen. Einschnitte gibt es zudem beim Theater: Das Haus soll bereits ab 2016 50000 Euro jährlich einsparen und im Gegenzug Garderobengebühren erheben. Im Theater sorgt das für große Aufregung, sagt der kaufmännische Direktor Matthias Köhn. Denn: Die Kürzung war nicht mit der Theaterleitung abgestimmt.

Im Sommer hat der Aufsichtsrat über Garderobengebühren diskutiert. Gute Argumente hatten das Gremium bewogen, sich von der Idee zu verabschieden – ein Gremium, dem Vertreter von CDU, SPD und den Grünen angehören. Umso überraschter war Köhn, als er von dem Kürzungsbeschluss in der letzten Ratssitzung erfuhr. Weiterlesen: Die Ergebnisse der letzten Ratssitzung

„Kommunikation nicht optimal“

Wie die Kürzungen bei der Stadtgalerie waren sie nicht durch den Kulturausschuss gegangen. Eine Art Hauruck-Verfahren, um den Haushalt zu retten? Jedenfalls räumen die Grünen vorsichtig ein, „dass die Kommunikation in einigen Fragen nicht optimal gelungen ist“. Bracke möchte deshalb künftig anders verfahren: „Detailfragen – und Summen von 20000 Euro sind Detailfragen – sollten in den Fachausschüssen beantwortet werden“, sagt er. Überdies betont er mit Blick auf die Stadtgalerie, dass für 2016 die Gelder noch da seien und man ein Jahr Zeit habe, Konzepte für die regionale Künstlerförderung zu entwickeln. Und zwar gemeinsam mit der Kunstszene: Deshalb lädt die Grünen-Fraktion zum „gemeinsamen Treffen“ ein. Weiterlesen: Künstler streiten um Zukunft der Stadtgalerie.

„Laden zu Gesprächen ein“

Den Gesprächsfaden nimmt zunächst allerdings Patricia Mersinger, Leiterin des Fachbereiches Kultur, wieder auf. In der nächsten Sitzung des Kulturausschusses am 21. Januar will Mersinger sagen, wie es nun mit der Kunstförderung weitergehen könnte. Ihr Modell: 2016 soll versucht werden, mit dem Ausstellungsetat der Stadtgalerie an anderen Orten der Stadt Kunstprojekte zu verwirklichen. „Das stellen wir im Kulturausschuss vor. Danach laden wir Künstler wieder zu Gesprächen ein.“ Zugleich ist klar, dass es mit der Stadtgalerie nicht weitergeht. Die Stadt hat den Mietvertrag zum Ende 2016 gekündigt. Weiterlesen: Was zeigen Osnabrücker Ausstellungshäuser 2016?

„Modell Stadtgalerie überholt“

Den Gesprächsfaden will auch Kuratorin Elisabeth Lumme wieder aufnehmen. Gemeinsam mit anderen Künstlern hatte sie noch mit der ehemaligen Kulturdezernentin Rita Maria Rzyski über neue Formen der Künstlerförderung gesprochen. „Das Modell Stadtgalerie hat sich überholt“, sagt sie und favorisiert ein Verfahren, bei dem Künstler über die Verwendung von Fördermitteln mitbestimmen können. Einstweilen ist aber Protest angesagt. Nach den Worten von Jens Raddatz, Vorsitzender des Bundes Bildender Künstler in Osnabrück, wollen Künstlervereine über Protestformen beraten. Eine gemeinsame Facebook-Seite „49mehr“ gibt es auch schon. Eine Postkartenaktion ist im Gespräch. Adressat: Oberbürgermeister Wolfgang Griesert.


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