Häkelidyll im Kunstquartier Frische Mitglieder stellen im Osnabrücker BBK aus

Von Tom Bullmann

Ausstellung im BBK- Kunstquartier: „What’s new“ mit Werken von BBK-Neuzugängen. Foto: Jörn MartensAusstellung im BBK- Kunstquartier: „What’s new“ mit Werken von BBK-Neuzugängen. Foto: Jörn Martens

Osnabrück.  53 Mitglieder hat der Bund Bildender Künstler Osnabrück (BBK). Fünf neue sind im letzten Jahr dem Bund beigetreten: Sabine Kürzel, Inge Buschmann, Margit Rusert, Ahmed Al-Kenani und Günter Grobel. So, wie vor fünf Jahren Neumitglieder erstmals eingeladen wurden, sich mit aktuellen Arbeiten im BBK-Kunstquartier vorzustellen, sind jetzt unter dem Titel „What ́s new“ Werke der fünf Neuzugänge zu sehen.

Einige Novizen sind alte Bekannte. Zum Beispiel Sabine Kürzel. Bis vor Kurzem betrieb sie in der Schlossstraße eine Produzentengalerie für Design. Davor hatte sie Tapetenmuster, Postkartenidyllen und heimatliche Motive nicht ohne Ironie in künstlerische Statements verwandelt. Jetzt kommt sie zur Kunst zurück: „Bunte Welt der Tiere“ nennt sie eine Ansammlung runder Bilder auf Leinwand, auf denen sie ihre Serviettentechnik weiterentwickelt. Geläufige Bilderwelten katapultiert sie in einen neuen Kontext. Bären, Hunde, Elche und Kühe finden sich plötzlich in einer putzigen Häkelidylle wieder, kontrastiert mit rüden Beleidigungen: „Blöde Sau“, „Schlampe“ und „Mistbratze“ ist da in altmodischer Schrift zu lesen.

Die „tiefe Beunruhigung über die dramatisch zunehmenden, politischen Spannungen“ in dieser Welt spiegelt die Trilogie „Wer Wind sät...!“ von Günter Grobel wider. Früher arbeitete er in einem Waldatelier in Bramsche. Konkret war seine Kunst, kühl und berechnet. Doch jetzt bahnt sich seine innere Anspannung einen Weg in seine Bilder. Die globalen Konflikte nötigen ihn zur Aufgabe seiner künstlerischen Beherrschung, sagte er. Zwar sind seine Bilder immer noch abstrakt, doch jetzt setzen sie expressive, figurative Signale.

Bizarrer Blick auf die Realität

Lange Zeit lebte Weltbürgerin Inge Buschmann in Hamburg und in Byron Bay in Australien. Von dort aus unternahm sie regelmäßig Reisen in die ganze Welt und brachte zahlreiche Impressionen und Fotografien mit nach Hause, die sie zu Kunstwerken verarbeitete. Surreal sind die Motive. Ob Glasauge in einer Konfektschale oder Schubkarrengalerie, Buschmann reduziert mit bizarrem Blick auf die Realität aufs Wichtigste. Wie in den beiden Bildern, die jetzt im Kunstquartier zu sehen sind: Das Zelt ist ein „Kiosk“, die „Servicestation“ ist eine historische Tankstelle mit Flugdach. Beide Objekte stehen in einer Kulisse aus Birkenbäumen: „Birken sind für mich der Inbegriff für Heimat“, sagt die Hanseatin, die zurzeit zwischen Hamburg und Osnabrück pendelt, um hier ihre Zelte aufzuschlagen.

Aus dem Irak stammt Ahmed Al-Kenani. Seit 1998 lebt er hier – und malt. Früher waren es arabische, verschleierte Frauen, die er mit Öl auf Leinwand brachte, in leuchtenden Farben: Rot, Gelb, Orange, als schiene die nordafrikanische Sonne in seine Bilder. Jetzt ist er in Europa angekommen: Die Frauen sind nicht mehr verschleiert, doch ebenso anonym, denn sie sind expressionistisch abstrahiert, haben kein Antlitz. Und es mischen sich kühle Töne von blau und türkis in seine Farbpalette.

Leise und verhalten kommen die Frottagen von Margit Rusert daher. Motive aus den Medien sowie eigene Fotografien collagiert sie in ihrer Serie „Horizont“, bearbeitet sie mit dem Pinsel zu vielschichtigen optischen Entdeckungsreisen.

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