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300. Littera-Abend von zur Heide Buchhändler Lennart Neuffer: Daniel Glattauer hat mich überrascht


Osnabrück. Die Osnabrücker Buchhandlung zur Heide feiert am Montag, 15. Februar, die 300. „Littera“-Lesung mit Hanser-Verlegerlegende Michael Krüger. Wie sich die literarische Lesungsreihe entwickelte und ihn Bestsellerautor Daniel Glattauer überraschte, verrät Inhaber Lennart Neuffer im Interview.

Herr Neuffer, zur 300. „Littera“-Lesung haben Sie den ehemaligen langjährigen Hanser-Verleger und mehrfach ausgezeichneten Schriftsteller Michael Krüger eingeladen. Was bedeutet das Ihnen und Ihrem Team?

Für uns war es ganz wichtig, dass wir jemanden ausgesucht haben, der umfassend über den Buchmarkt Bescheid weiß. Wir haben gute Verbindungen zum Hanser-Verlag. Wir mögen das, was Michael Krüger dort die ganzen Jahre über geleistet hat. Sein literarisches Schaffen kommt dazu für eine Jubiläumsveranstaltung, wie man sich das wünscht.

1998 haben Sie Ihr erstes „Littera“-Programm gestartet, Ihr erster Gast war Hans-Ulrich Treichel. Haben Sie damals geglaubt, dass die Reihe auch 2016 noch läuft?

Nein, daran haben wir gar nicht gedacht. Die Reihe hat sich im Laufe der Zeit immer weiter entwickelt. Erst haben wir die Lesungen in der Buchhandlung gemacht. Es ging gleich mit bekannten Schriftstellern los: Neben Hans-Ulrich Treichel kamen Raul Schrott und Arnold Stadler. Wir hatten in den Anfangsjahren auch Veranstaltungen mit nur acht Zuhörern, aber auch welche, wo die Buchhandlung voll besetzt war und wie beispielsweise bei Jessica Durlacher Zuhörer auf der Treppe ins Obergeschoss saßen. Dann hatten wir auch Ausweichstandorte wie den Zimeliensaal der Universitätsbibliothek. Und wir haben immer versucht, für bestimmte Veranstaltung am thematisch passenden Ort zu sein, dazu zählten der Botanische Garten, der Zoo oder der Friedenssaal im Rathaus.

Seit 2004 ist die „Littera“-Reihe im Blue Note.

Seitdem uns die Betreiber vom Cinema-Arthouse gefragt haben, ob wir das Blue Note für die Reihe nutzen wollen, sind wir auch meistens da. Das hat sich so entwickelt und beflügelt auch das Programm. Es ist ein idealer Ort. Ich merke immer wieder, dass sich auch die Autoren dort schnell wohlfühlen.

Welcher Schriftsteller hat Sie als Gast bisher besonders überrascht?

Daniel Glattauer . Das ist ein Gast, der unser Team nach der Lesung einlädt. Das lässt er sich nicht nehmen. Das überrascht mich. Es gibt nicht so viele Autoren, die das machen. Er war dreimal unser „Littera“-Gast, und das Blue Note war immer ausverkauft. Einer anderen Autorin gefiel es so gut bei uns, dass sie auf das Honorar verzichten wollte. Wir haben es ihr aber trotzdem gegeben. Natürlich bleiben die großen Veranstaltungen mit Günter Grass schon sehr intensiv im Gedächtnis. Oder die mit Herta Müller, die gerade den Literaturnobelpreis erhalten hatte. Das war unser größter Publikumserfolg mit 1800 Zuhörern in der Osnabrück-Halle.

Wie erklären Sie sich, dass das klassische Lesungskonzept Autor, Buch, Tisch und Wasserglas unverwüstlich ist hier und anderswo, obgleich es immer mal wieder als verstaubt kritisiert wird?

Es gibt bei uns ein bisschen mehr: Die Zuschauer können, wenn sie mögen, Fragen stellen. Wir ziehen das aber nicht unnötig in die Länge. Es ist uns aber wichtig, dass es mit dem Autor ins Gespräch kommen kann, dass ein Austausch zwischen Gast, Publikum und Buchhändler möglich ist. Wir glauben, dass so eine noch engere Verbindung zur Literatur entsteht. Wir wollen die literarischen Themen besetzen. Wir sind zwar in der Lage, einen Zusatznutzen beispielsweise durch Musik herzustellen, aber wir wollen nicht, dass wir 21 Euro Eintritt für eine Lesung mit einem Autor nehmen müssen, weil er gerade irgendwie stark in den Medien präsent ist. Ich glaube, unser Publikum will nicht nur einen angenehmen Abend haben, sondern darüber hinaus neue geistige Anregungen mitnehmen.

Welcher Gast hat sich nicht nur als guter Schriftsteller, sondern auch als talentierter Vorleser erwiesen?

Ich liebe Ulla Lachauer als „Littera“-Gast, weil sie nicht nur tolle Bücher schreibt, sondern sie auch wunderbar vorträgt, genauso wie Barbara Beuys. Sensationell hat auch Bodo Kirchhoff gelesen, ebenso Raul Schrott und Günter Grass. Michael Köhlmeier! Unglaublich gut, der könnte auch das Telefonbuch vorlesen, das wäre immer noch toll.


So feiert die Buchhandlung zur Heide die 300. „Littera“-Lesung:

Der Schriftsteller Michael Krüger, Jahrgang 1943, der über 20 Jahre lang den Hanser Literaturverlag in München verlegerisch prägte, ist Gast der 300. „Littera“-Lesung am Montag, 15. Februar, um 20 Uhr, im Blue Note. Er wird u. a. aus seinen neuen Erzählungen „Der Gott hinter dem Fenster“ lesen und aktuelle Gedichte vortragen.

Die Buchhandlung zur Heide feiert das Jubiläum zudem mit einem Preisausschreiben, das bis zum 31. Januar läuft. Die Fragebogen gibt es in der Buchhandlung. Zu gewinnen gibt es u.a. Büchergutscheine und persönliche und signierte Buchempfehlungen von „Littera“-Gästen wieRolf Lappert und Feridun Zaimoglu. Weitere Infos und auch Kartenreservierung unter Tel. 0541/3508810.

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