Heiße Quellen, selbstbewusste Pferde Osnabrückerin arbeitete fünf Monate in Island


Osnabrück. Ihr Herz schlägt seit der Kindheit für Islandpferde und seit einiger Zeit auch für die nordische Vulkaninsel, von der diese robuste Pferderasse stammt. Eine Urlaubsreise nach Island im August 2014 weckte bei der 22-jährigen Osnabrücker Studentin Andrea Disqué die Lust auf mehr. Sie entschied sich dafür, fünf Monate auf einer isländischen Farm mitzuarbeiten.

Helluland heißt ein Bauernhof ganz im Norden Islands nahe dem Meer und dem Polarkreis, 120 Kilometer entfernt von Akureyri, der viertgrößten Stadt des Inselstaats. Auf Helluland lebt die Kölnerin Luka mit ihrem isländischen Mann Andrés und der kleinen Tochter Emily Ósk. Zu ihrem Hof gehören fast 30 Schweine plus Ferkel, fast 70 Schafe und ihre Lämmer sowie rund 40 Islandpferde. So viele Tiere machen eine Menge Arbeit. Deswegen suchte Luka via Internet-Inserat nach Verstärkung. Und in Osnabrück suchte Andrea nach Arbeit auf Island, am liebsten mit Islandpferden. Eine perfekte Kombination also. Die Osnabrückerin flog in den hohen Norden.

„Die Menschen in Island sind unglaublich witzig, sehr hilfsbereit, sie besuchen sich oft, nehmen sich Zeit füreinander, auch wenn sie eigentlich keine Zeit haben, und vor allem sehen sie das Positive in einem und trauen einem viel zu“, sagt Andrea im Rückblick.

Viel Verantwortung übernommen

Kaum in Island angekommen, übernahm sie neben der Tierfütterung und Stallsäuberung eigenständig die Hilfestellung bei den Ferkel- und Lamm-Geburten im Frühjahr und unterstützte Luka und Andrés auch beim Kastrieren der Ferkel. „Natürlich wurde mir alles erklärt, und Andrés legte mir einen Zeitungsartikel hin, in dem beschrieben war, wie Schafgeburten ablaufen und wann man eingreifen muss. Aber in Deutschland hätte man mir sicher nicht direkt so eine verantwortungsvolle Aufgabe übertragen“, berichtet Andrea. Angespornt durch das ihr entgegengebrachte Vertrauen, sei sie schnell in die neuen Aufgaben hineingewachsen. Für ihre Hilfe bekam die Studentin Kost und Logis auf Helluland, sie durfte in einem Zimmer mit Meerblick wohnen.

Das Schönste für Andrea war aber natürlich die Arbeit mit den Islandpferden. Touristen können auf den Pferden der Helluland-Farm Stundenritte oder mehrtägige Reisen unternehmen. Diese Touren durch die wilde Schönheit der isländischen Natur, zum Strand mit schwarzem Lavasand, entlang von Fjorden und in die Berge leitete Andrea. Dafür bekam sie für ihren Aufenthalt zwei eigene Reitpferde gestellt und ließ weitere Rösser, sogenannte Handpferde, am Zügel bei den Ausritten mitlaufen.

„Pferde ruhen in sich selbst“

„Islandpferde in Island sind anders als die in Deutschland“, weiß sie nun. Die Tiere seien weniger sozialisiert, hätten mehr ursprüngliche Triebe, würden in Island das ganze Jahr über draußen gehalten, und da sie für Arbeiten eingesetzt würden, merke man, wie sie mitdächten. „Die Pferde ruhen in sich selbst. Auch wenn sie sich ablegen, schrecken sie nicht hoch“, hat Andrea beobachtet, als sie mit ihrem Pferd Bylur im September beim Schafabtrieb half. Dazu waren Bylur und sie um 4 Uhr morgens in die schneebedeckten Berge geritten.

Eine Besonderheit am Islandpferd sind seine angeborenen Gangarten Tölt und Pass, die es zusätzlich zu Schritt, Trab und Galopp beherrscht. „Tölt ist bequem für den Reiter, und die Pferde können in diesem Gang sehr lange laufen“, erzählt die Pferdefreundin. In Island habe fast jeder, der auf dem Land lebt, ein eigenes Pferd – natürlich ein Islandpferd, denn das sei die einzige auf der Insel vertretene Rasse. Um die Reinrassigkeit zu wahren und Krankheiten zu vermeiden, gilt seit gut 100 Jahren ein generelles Importverbot für Pferde. Auf die circa 320000 Menschen, die in Island leben, kommen 80000 Islandpferde.

Heiße Quellen

In ihrer Freizeit zog es Andrea einmal im Monat zum „Hot Pot“, einem 35 bis 40 Grad warmem Wasserloch in der Nähe der nächstgelegenen Stadt Sauðárkrókur . Solche heißen Quellen, entstanden durch vulkanische Aktivität, sind ein fester Bestandteil der isländischen Badekultur. Gefroren hat Andrea aber auch ohne das heiße Thermalwasser nicht, denn im Sommer herrschen in Island milde Temperaturen zwischen 12 und 20 Grad. „Durch den vielen Wind wechselt das Wetter häufig“, stellte sie fest.

Seit Oktober ist Andrea zurück in Osnabrück, um weiter Erziehungswissenschaften und Soziologie zu studieren. Doch ihre Sehnsucht nach Island ist stark. Und so steht der Rückkehr-Plan bereits: „Ende März schließe ich mein Studium mit der Bachelorarbeit ab. Im Mai geht’s dann zurück nach Helluland“, freut sie sich. Wie lange sie diesmal dort bleibe, wisse sie noch nicht so genau: „Es wäre sicher toll, auch mal einen isländischen Winter zu erleben.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN