Orgie der Zerstörung Moellhusen beendet Performancereihe im BBK Osnabrück

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Osnabrück. Der Berliner Performancekünstler Uwe Moellhusen hinterlässt nach vierteiliger Performancereihe im BBK-Kunstquartier eine Spur der Verwüstung.

Nebel im BBK-Kunstquartier? Nein, es ist Gips- und Farbstaub, der die Sicht im Galerieraum beeinträchtigt und einige Besucher gereizt husten lässt. Hervorgerufen wird der Feinstaub in der Luft durch einen brutalen Akt der Zerstörung: Leinwände werden zerrissen und zerschnitten, Skulptur-Artiges zertreten, Bilderrahmen durchgebrochen, Draht zerschnitten. Und es ist nicht nur der Künstler, der hier sein eigenes Werk schreddert: „Lasst uns das Ende eines künstlerischen Prozesses zu einem gemeinsamen Happening machen“, hatte Uwe Moellhusen seine Gäste im Kunstquartier begrüßt.

Was nimmt hier ein Ende? „Ich will als Künstler nichts hinterlassen“, sagt Moellhusen, bevor er ein weiteres großformatiges Werk aus seiner Vergangenheit zur Demontage freigibt. Das Statement bedeutet nicht das Ende seiner Karriere als Künstler: „Ich werde in Zukunft nur noch in Echtzeit künstlerisch aktiv sein“, sagt er. Das bedeutet, dass er nur noch performativ agieren wird, so, wie er es in den vergangenen Wochen im Kunstquartier demonstriert hat. Mit Klängen. Mit Bewegung. Mit Statements.

„broken performance“ hatte Moellhusen das vierteilige Performanceprogramm genannt, das jetzt mit der Zerlegung der Kunstwerke aus den 80er Jahren zu Ende geht. Mit Kollegen aus Berlin, Düsseldorf und London hatte er zu „Living Sound Sculptures“ eingeladen. Gemeinsam generierten die Performer eine industriell-archaische Klangcollage als Manifest gegen den Schönklang. Die Performances wurden immer mehr Teil seiner Ausstellung, die Ausstellung Teil der Performances.

Ganz zu Anfang der Reihe hatte er die in Packpapier eingepackten Bilder enthüllt und zum Teil schon zerschnitten, um seinem erklärten Ziel Nachdruck zu verleihen: Die Arbeiten, die damals als politisches Statement gegen Machtstrukturen, gegen Krieg und Gewalt, gegen Faschismus sowie gegen den etablierten Kunstbetrieb zu interpretieren waren, sollen nicht zum physischen, künstlerischen Erbe des Uwe Moellhusen werden.

Obwohl: Dadurch, dass die Teilnehmer des Happenings dazu aufgefordert werden, Relikte der Kunstwerke mit nach Hause zu nehmen, quasi als Trophäen des Zerstörungsprozesses, werden die Bilder zumindest als Fragmente in dem einen oder anderen Wohnzimmer weiterexistieren. Offenbar haben einige Gäste sich bereits bestimmte Segmente der großformatigen Bilder ausgesucht, die sie jetzt vor der vollkommenen Zerstörung retten wollen. Also schneidet Moellhusen zunächst selbst die Filetstücke heraus, verteilt sie, bevor er den der Rest gemeinsam mit seinen Gästen verschrottet, bis die Luft staubgeschwängert ist.

Beim letzten Bild gibt Moellhusen sogar Informationen zum Entstehungsprozess preis. Knochen hat er darin verarbeitet, einen selbst geformten Schädel und eine Uniformmütze. Dann liest er die Poeme, verfasst in eigener Fantasiesprache, vor, die das Skelett flankieren, und gibt das Werk schließlich zur Zerstückelung frei.


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