Das Jahr 2016 begrüßt Neujahrskonzert der Osnabrücker Symphoniker ohne „Sträuße“


Osnabrück. In der Osnabrückhalle begrüßen Andreas Hotz und das Osnabrücker Symphonieorchester das neue Jahr mit einem etwas anderen Neujahrskonzert. Bewährt sind die Moderationen von Conferencier Klaus Wallendorf.

Zu Neujahr wird marschiert, galoppiert und gewalzt – so will es die Tradition. Zumindest in Wien, wo man dem Publikum die sogenannte leichte Muse vorsetzt, deren Originalität sich zuweilen bereits im Titel der für diesen Zweck ebenfalls geschätzten Polkas erschöpft. Das Osnabrücker Publikum ließ sich in den vergangenen Jahren diese leichte Kost zwar auch gerne schmecken, vertrug aber immer auch bereits am Neujahrstag ein deftigeres Menü als die Wiener. 2016 jedoch wird die bewährte Mischung aufgegeben, denn die Osnabrücker Symphoniker und Dirigent Andreas Hotz verzichten, abgesehen vom obligatorischen „Radetzky“ in der Zugabe, gleich ganz auf alle Sträuße.

Geschöpfen des Prometheus

Stattdessen wird das Jahr schwungvoll mit Beethovens „Geschöpfen des Prometheus“ begrüßt, und mit Griegs Klavierkonzert steht dann sogar gleich eine große Portion Moll auf dem Programm. Das führt sogar dazu, dass Möchtegern-Kabarettist (Bezeichnung aus seiner Vita) und Conférencier Klaus Wallendorf vor der Pause nur einen einzigen Einsatz hat. Solist Denys Proshayev hingegen hat natürlich alle Hände voll zu tun. Der Pianist arbeitet als Studienleiter und Assistent des GMD am Theater, präsentiert sich hier aber trotz bescheidenem Auftretens als Virtuose. Er betont, bei aller Wucht, die er in die große Kadenz des ersten Satzes legt, nicht nur die rauschend gewaltigen Stellen, sondern kostet auch zart-lyrische Passagen aus und glänzt – vielleicht gar vorrangig – auch im Pianissimo.

Nach der Pause vergrößert sich das Orchester: Celesta, Harfe, Bassklarinette, Englischhorn, Piccoloflöte, Kontrafagott, Tuba und Röhrenglocken kommen zum Einsatz – und Kastagnetten, denn mit Isaac Albéniz geht es nach Spanien. Auch das Orchester zaubert ein wunderbares Pianissimo, besonders bei den Soli der Holzbläser.

Rimskij-Korsakow, Khatschaturjan und Tschaikowskij

Keine Frage, die weitaus temperamentvollste Musik ist die der Russen, obwohl die doch eigentlich mit dem Stempel „Schwermut“ versehen ist. Die Osnabrücker Symphoniker aber zeigen die lebhafte Seite der Komponisten Rimskij-Korsakow, Khatschaturjan und Tschaikowskij. Im Programm sind das quasi die Ersatzmänner für die fehlenden Sträuße, denn Walzer Marsch und Polonaise fehlen keineswegs völlig, sie erscheinen nur eben in russischer Färbung. Es sind zündende Effektstücke, deren größtes Tschaikowskijs „Slawischer Marsch“ ist. Bevor die Musiker dem Publikum nun ein kräftiges Fortissimo um die Ohren schmettern und zu großer Form auflaufen, tut dies bereits Klaus Wallendorf, der mit seiner Idee, den russischen Wodkakonsum unter medizinischen Gesichtspunkten als „vorbeugende Vollnarkose“ zu betrachten und weiteren Abwegigkeiten einen herrlichen Unsinn verzapft und die Stimmung lockert. In einer ersten Zugabe singt er schließlich, und das sogar auf japanisch – oder vielleicht auch auf kauderwelsch, wer weiß das schon so genau?