„Indie-Wunderkinder“ Razz rockten in der Kleinen Freiheit in Osnabrück

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Osnabrück. Der Plan geht auf: Nachdem sie im Sommer bereits auf renommierten Festivals als „Indie-Wunderkinder“ allseits gefeiert wurden, stellen die vier Jungs von Razz nun ihr lang erwartetes Debüt-Album auf einer nahezu allerorts bereits ausverkauften Club-Tour vor.

In der Kleinen Freiheit hatten sie dabei fast ein Heimspiel.

Denn die jungen Hoffnungsträger der deutschen Indie-Szene kommen aus Twist-Schöninghsdorf im Emsland. Dass ihre Vorbilder allerdings aus England stammen, hört man mit jedem Ton. Fein dosierte, knackige Gitarrenriffs, perlende Bassläufe und die erstaunlich reife, tief abgeklärte, mitunter auch rauchig-rockige bis wütende Stimme von Sänger und Rhythmus-Gitarrist Niklas Keiser, der sich für das ein oder andere atmosphärische Intro auch ans Keyboard stellte: Es ist diese selbstbewusste, sehr professionell und mit großer Substanz vorgetragene Mischung aus britischem Achtzigerjahre-Post- und Nullerjahre-Retro-Wave, die den stets tanzbaren Sound der „Razzer“-Bande nicht nur an Editors oder Interpol erinnern lässt.

Durchstarter-Quartett

Wenngleich die Einflüsse unüberhörbar sind, macht das wohl nicht ohne Grund nach einem Kings Of Leon-Song benannte, clevere Durchstarter-Quartett daraus aber durchaus sein ganz eigenes Ding. Das wird am Vorabend von Silvester besonders deutlich bei neuen, noch unveröffentlichten Stücken wie „If There Was A Light“ oder dem unablässig treibenden und am Ende krachenden „Trapdoor“. Songs wie das melodiebetonte „Turning Shadows“ oder ihr als letzte von zwei Zugaben gespielter, erster Hit „Youth & Enjoyment“ von 2013 haben indes schon fast Klassiker-Status mit entsprechend hohem Mitsing- und Mitklatschfaktor. „Postlude“ davor glänzte mit einem extrem eingängigen Gitarrenriff, „I ́ll Be Your Ghost“ wurde live mit der klirrenden Lead-Gitarre von Christian Knippe zu einem dynamisch-dramatischem Stück Post-Rock und „Blink Of An Eye“ wirkte mit seinen verzerrten Gitarren fast schon psychedelisch. Die aktuelle Single „Black Feathers“ ist dagegen stadiontauglicher Indierock-Standard, der gleich zu Beginn dem Publikum in die Beine fuhr, nachdem Razz mit dem elektrolastig sphärischen Album-Abschluss „The Blood Engine“ ihren Gig mutig ruhig eröffnet hatten.

Luft nach oben

Selbst- und Treffsicherheit bewies das Indie-Phänomen aus dem Emsland bis hin zur Wahl seines hochklassigen Supports: Das Hammer Quintett Giant Rooks lieferte vorab so spannenden wie entspannten Art-Rock vom Feinsten und legte die Messlatte schon einmal hoch. So wie Razz selbst mit ihrem erfrischenden und gleichzeitig abgezockten Debüt, das zumindest in einem Punkt noch Luft nach oben lässt: Die in nahezu jedem Song präsenten, doch recht simplen Disco-Beats folgen einem derart redundantem Muster, dass musikalische Abwechslung und klangliche Vielfalt leider Mangelware bleiben. Nichtsdestotrotz hat sich die ehemalige Schülerband quasi aus dem Stand heraus schon einmal bärenstark positioniert im Indie-Mainstream. Man darf gespannt sein, wohin sie die Strömung von dort aus noch treiben wird.


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