Hasefriedhof und Johannisfriedhof Historische Friedhöfe in Osnabrück sind ab 2016 Parks

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Osnabrück. Mit dem Fahrrad über den Friedhof fahren? Was in Osnabrück bislang verboten war, ist ab 2016 erlaubt. Dann gelten auf Hasefriedhof und Johannisfriedhof gelockerte Regeln, die aus den historischen Gräberfeldern städtische Parks machen. Ein Freibrief zum Toben, Grillen und Sonnenbaden ist das allerdings nicht.

Angelegt unter Napoleon im Jahr 1808, stehen die beiden historischen Friedhöfe seit 1983 unter Denkmalschutz. Große Persönlichkeiten der Osnabrücker Stadtgeschichte ruhen dort: auf dem Hasefriedhof (Sonnenhügel) etwa der Künstler Vordemberge-Gildewart, auf dem Johannisfriedhof (Schölerberg) der Maler Hecker. Die jüngsten Gräber sind aber auch schon Jahrzehnte alt. Nach 1995 fanden auf beiden Friedhöfen keine Beisetzungen mehr statt. Die letzten Grabnutzungsrechte liefen Ende 2015 aus.

Entwidmung unnötig

Anstatt die historischen Friedhöfe dann zu entwidmen und künftig als Grünflächen zu betrachten, wie es ursprünglich geplant war, hat der Osnabrücker Rat noch im Dezember eine Änderung der Friedhofssatzung beschlossen. Hasefriedhof und Johannisfriedhof bleiben damit formal Friedhöfe. Gleichzeitig werden sie der Öffentlichkeit in einem bestimmten Rahmen zur freien Verfügung gestellt. Beispiel: Fahrradfahren ist fortan gestattet, wenngleich in Schrittgeschwindigkeit. Und Hunde sind weiterhin an der Leine zu führen.

„Wir wollen den Osnabrückern immer mehr Möglichkeiten aufzeigen, diese wunderschönen historischen Orte in ihr tägliches Leben einzubauen. Hier kann man sich – ab vom Autoverkehr – fortbewegen, in Ruhe entspannen und wohnortnahe Erholung im Grünen genießen“, sagt Eva Güse vom zuständigen Osnabrücker Servicebetrieb (OSB). Als Liegewiesen zum Grillen möchte die Friedhofschefin den Hasefriedhof und den Johannisfriedhof jedoch nicht verstanden wissen, lieber als „denkmalgeschützte Parks mit Friedhofscharakter“. Unter Schutz stehen zum Beispiel alle Mauern und Mauergräber, die Kapellen, viele Einzelgräber, die Hauptwege und eine Reihe alter Großbäume.

Steinernes Geschichtsbuch

Mithin gelten beide historischen Osnabrücker Friedhöfe laut Güse als ein in Norddeutschland beispielloses Dokument für den Wandel der Bestattungskultur von 1808 bis 1995. Um dieses „dreidimensionale, in Stein gehauene Geschichtsbuch“ für die Besucher lesbar zu machen, sei die Pflege der Privatgräber weiterhin willkommen – auch ohne bestehende Grabnutzungsrechte.

„Die Stadt ruft alle Familien, die sich Gräbern auf dem Hasefriedhof und dem Johannisfriedhof verbunden fühlen, dazu auf, sich zu melden“, so die Abteilungsleiterin. Interessierte werden gebeten, sich per E-Mail an Eva Güse zu wenden und ihre Kontaktdaten zu übermitteln. Gerne sei die Friedhofsverwaltung auch dabei behilflich, historische Informationen über Gräber zu finden.

Blühendes Leben

Schon heute würden sich viele Bürger ehrenamtlich um die Friedhöfe kümmern, indem sie beispielsweise Unkraut jäten und Grabmale säubern, erklärt Güse. Ganz neu habe 2015 das sogenannte Urban Gardening auf Hasefriedhof und Johannisfriedhof Einzug gehalten, sprich: das Gärtnern in Städten ohne eigenen Garten.

„Eine Kindergruppe der Kita Sonnenblume hat auf dem Hasefriedhof eine bunte Blumenwiese auf einem Mauergrab eingesät und so für heiteren Blütenschmuck gesorgt“, berichtet die Friedhofschefin. Der Osnabrücker Verein Tomatos habe in der dritten Abteilung ein Kräuterbeet angelegt – zur freien Bedienung für alle. Und seit dem Freiwilligentag im September gebe es Heilpflanzenbeete auch auf dem Johannisfriedhof (Nähe Johannislabyrinth, fünfte Abteilung).

Spenden willkommen

Unterstützung aus der Bürgerschaft braucht die Stadt aber auch beim Erhalt der Denkmäler. Sei es die Sanierung verfallender Grabsteine oder Wege und Friedhofskapellen: Das nötige Geld dafür könne die öffentliche Hand nicht alleine aufbringen, bedauert Eva Güse. Private Mittel und Spenden sammelt deshalb seit Februar 2013 die Treuhandstiftung „Historisches Bewahren“ ein.

Besonders dringlich sei gegenwärtig die Sanierung der Hasefriedhof-Kapelle. Dort hätten sich zahlreiche Stein- und Mörtelstücke an Konsolen und Zierteilen gelöst. Reparaturkosten pro Konsolstein: ab 235 Euro. (Weiterlesen: Auf dem Friedhof in Osnabrück-Eversburg entstehen 120 Wohnungen)


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