Die kleine Kneipe... Osnabrücker Gasthaus Görtemöller feiert bald 40-Jähriges


Osnabrück. Am Dammer Hof 22 in Osnabrück befindet sich seit fast 40 Jahren das Gasthaus Görtemöller. Es ist ein Treffpunkt nicht nur für die Bewohner des Stadtteils Dodesheide. Ein Besuch in einem Lokal, das größer ist als man zuerst denkt.

Im nächsten Jahr sind es 40 Jahre. Vier Jahrzehnte haben Sylvia und Holger Görtemöller dann in der Gastronomie gearbeitet, aber vor allem auch gelebt. Im Laufe der langen Zeit hat das Ehepaar Kinder bekommen, die mittlerweile ebenfalls im Gasthaus Görtemöller am Dammer Hof arbeiten. Aber es wurden auch mehrere Familienmitglieder „adoptiert“.

1986 übernahmen die Görtemöllers die Wallstube am Heger-Tor-Wall. Das war ihr Einstieg in die Gastronomie. Fünf Jahre später zog die Familie dann in den Stadtteil Dodesheide um. Kurz vorher stand noch ein wichtiges Familienereignis an: Sohn Sven wurde geboren. „Ich bin mit der Gastronomie groß geworden. Also wusste ich, was auf mich zu kommt“, sagt der Filius der Görtemöllers augenzwinkernd. Drei Jahre später kam seine Schwester Jana auf die Welt.

Eigentlich habe er vorgehabt, etwas mit Computern zu machen, erzählt Sven Görtemöller. Nach seiner Kochausbildung im Hotel Walhalla wollte er studieren. Aber weil er ein Wartesemester hätte absolvieren müssen, ging er lieber in die Küche seiner Eltern. „Das fand ich gut“, sagt seine Mutter. Sven habe frischen Wind in das Unternehmen gebracht. Außerdem sichert er dem Gasthaus die Zukunft.

Das frühere „Ellerstübchen“

Die Geschichte des Gastronomiestandorts Dammer Hof 22 beginnt 1961. Auch damals ist der Betrieb in der Hand einer Familie: Das damalige „Ellerstübchen“ wird von den Keupings betrieben. „Wir haben den Namen geändert, weil das Haus zu groß ist“, sagt Sylvia Görtemöller. Deutlich größer als ein „Stübchen“ ist es tatsächlich – das nimmt man allerdings erst wahr, wenn man drinnen ist. Wer draußen auf dem Dammer Hof steht und sich die Gaststätte ansieht, kommt kaum darauf, dass sich im Inneren mehrere Säle und zwei Bundeskegelbahnen befinden.

Die Räume werden oft von Vereinen genutzt. Tauben-, Katzen- und Kanarienvögelfreunde, Kleingärtner, Tanz- und Gesangsvereine treffen sich bei den Görtemöllers – teilweise seit 1991. Das Gasthaus ist ein Treff für die Menschen, die in der Dodesheide leben, aber durchaus auch für Besucher von außerhalb, die die Küche schätzen. Vor allem kommen sie wegen der Schnitzel. Das ist die Spezialität von Sven und Holger Görtemöller. „Wir können aber auch Rumpsteak oder Forelle“, betont Sven. Jeden Dienstag und jeden zweiten Donnerstag im Monat gibt es zudem frische Frikadellen – die Ur-Mahlzeit aller Kneipengänger.

Manuela ist „hängen geblieben“

Manuela Lambert ist zwar nicht mit Sven Görtemöller verwandt, aber irgendwie ist sie seine Schwester. „Sie gehört zur Familie mit dazu“, sagt Sylvia Görtemöller. Seit 13 Jahren arbeitet die 32-Jährige in dem Gasthaus. Mit ihrem damaligen Freund kam sie zuerst gerne als Gast. Irgendwann begann sie dann damit, den Görtemöllers zu helfen. „Ich bin hier hängen geblieben“, sagt sie lapidar. Im wirklichen Leben ist Lambert Altenpflegerin. Aber, so sagt sie, sie kann nicht allein sein. „Ich brauche den Austausch mit anderen Menschen.“ Stressig sei der Job im Lokal nicht – im Gegenteil. „Das ist ein Ausgleich zu meinem Beruf.“ Sie schätzt die ordentliche Atmosphäre in dem Gasthaus. Eine Spelunke sei dieses nämlich ganz sicher nicht. Zwar trinke auch hier mal jemand einen über den Durst, aber Ärger gebe es nur sehr selten. „Wir haben gesittete Gäste.“

Wasser für Krümel

Nicht nur Manuela gehört praktisch zum Inventar, auch die 47-jährige Kerstin Janning, ihr drei Jahre jüngerer Mann Sven und der Hund Krümel zählen quasi zur Familie. Seit 15 Jahren fahren sie jedes Jahr zusammen mit den Inhabern in den Urlaub an die Ostsee. Dann sind auch andere Gäste aus dem Dodesheider Gasthaus mit dabei. In den Ferien gelten aber nicht die gleichen Regeln wie zu Hause. „Dann servieren die Görtemöllers nicht das Bier“, sagt Sven und lacht. Im Gasthaus ist das natürlich anders. Dann bekommt Sven Janning sein Pils gereicht und Krümel schlabbert eine Portion Wasser. Zusammen mit Rainer Landmeier (65) und Peter Klumpe (59) sitzt Janning am Brett. Das Trio ist sich einig: „Kneipe muss sein.“

„Hier ist es gemütlich“, bestätigt Rainer. „Man kennt sich“, meint Sven. „Das Essen ist gut“, fügt Peter an. Die drei Männer wohnen in der Dodesheide und gehen seit vielen Jahren zu den Görtemöllers. „Es gibt nicht mehr viel in der Gegend“, stimmen die drei Männer das inzwischen allgegenwärtige Klagelied der Kneipengänger an. Auch sie beklagen das Ende der goldenen Ära der gemütlichen Ecklokale. Auch in der Dodesheide gibt es nicht viele Überlebende unter den Lokalen. Das Gasthaus Görtemöller aber hat es bislang geschafft. Im Juni 2016 wird der Familienbetrieb seit 40 Jahren bestehen. Das soll natürlich gefeiert werden – mit Manuela, Kerstin, Sven, Krümel und all den anderen.


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