Festvortrag im Friedenssaal Stadt Osnabrück würdigt Justus Möser als großen Vordenker

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Festvortrag zum Geburtstag von Justus Möser mit Prof. Dr. Alexander Dietz (vorne, Zweiter von links), daneben Bürgermeisterin Karin Jabs-Kiesler. Foto: Swaantje HehmannFestvortrag zum Geburtstag von Justus Möser mit Prof. Dr. Alexander Dietz (vorne, Zweiter von links), daneben Bürgermeisterin Karin Jabs-Kiesler. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Der Staatsmann und Schriftsteller Justus Möser ist einer der bedeutendsten Söhne der Stadt Osnabrück. Aus Anlass seines Geburtstages am 14. Dezember 1720 kam auch in diesem Jahr eine illustre Gesellschaft zum Festvortrag in den Friedenssaal des Rathauses. Eingeladen hatten die Stadt und die Justus-Möser-Gesellschaft.

Der Wirtschaftsethiker und evangelische Theologe sowie geschichtlich Interessierte Dr. Alexander Dietz promovierte über das Thema „Der homo oeconimus“ des Justus Möser. So trug er seine Anregungen zur Wirtschaftsethik im Vergleich zu Mösers Handeln und heutigen Geschehnissen spannend vor. Möser hinterließ zwar kein ökonomisches Werk, sorgte sich jedoch um die Osnabrücker Gesellschaft.

Für den Aufklärer Möser sei wirtschaftliches Handeln immer in mehrere Prozesse eingebunden gewesen: ökonomisch, ökologisch, historisch und gesellschaftlich. Man könne nicht alle Lebensbereiche ökonomisch sehen, das wusste und lehrte bereits Justus Möser. Damit sei er auch heute noch aktuell. Er dachte sehr fortschrittlich, so zum Beispiel, dass die Wirtschaft für den Menschen da sei und nicht umgekehrt.

Gesundheit ebenso wichtig wie stabile Wirtschaft

„Arbeiten während Feierstunden sollte verboten werden, da es doch nur der Geldschneiderei dient,“ so äußerte sich Justus Möser in einem seiner Werke. Der Erhalt der Gesundheit, der Kraft seiner Arbeit und der Familie gerecht zu werden, sei ebenso wichtig wie die Wirtschaft stabil zu halten. So hatte Möser auch die Charakterbildung der Kaufleute im Kopf. Denn der Handel war um 1791 in Osnabrück auf einem historischen Tiefstand und er wollte ihm hochhelfen.

Unter anderem dadurch, dass er die Zünfte wieder einführen wollte. Zünfte hatten im Mittelalter den Vorteil sich unredlich verhaltende Mitglieder ausschließen zu können. Das diente zur Existenzsicherung des Gemeinwesens. Mitglieder der Zünfte stellten damals auch Schöffen und andere Ehrenämter.

Es sei Justus Möser immer darum gegangen, die Ethik der Wirtschaft in Bezug zu historischen Strukturen und modernem Denken zu vereinen. Dies sei eine Haltung, die heute weitgehend verloren scheine, so Dietz. Er brachte klare Beispiele, die in direkter Beziehung zur heutigen Situation stünden: Das wirtschaftliche Denken nehme auch heute überhand ohne Rücksicht auf historische Gegebenheiten und jahrhundertealte Strukturen.

Das Kammerorchester der städtischen Musik- und Kunstschule eröffnete und beendete die diesjährige Festrede mit zwei anspruchsvollen Stücken für Streicher mit Bravour.


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