tpw-Projekt in Osnabrück Schüler und Flüchtlinge entwickeln Theaterstück


Osnabrück. Die Theaterpädagogische Werkstatt (tpw) in Osnabrück bringt in dem Theaterprojekt  „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ Schüler des Gymnasiums in der Wüste und junge Flüchtlinge zusammen. Sie entwickeln ein eigenes Stück.

„Wir machen die Stau-Szene“, weist tpw-Theaterpädagogin Judith Röser die Theatergruppe an. Was auf der Bühne folgt, ist, freundlich ausgedrückt, ein Tumult. Denn alle 19 Darsteller streben auf dasselbe Ziel zu. Und das gibt ein großes Durcheinander. Die Hinteren versuchen, mit Gewalt nach vorn zu kommen. Die Vorderen werden platt gemacht. Da gibt es wütende Gesichter. Boshaft lachende Gesichter. Entsetzte Gesichter.

Schüler und Flüchtlinge spielen gemeinsam

Alles nur ein Spiel. Aber eines, das Eindruck macht bei diesem ersten Einblick in ein derzeit entstehendes Theaterstück mit 17 Schülern des Gymnasiums in der Wüste – darunter zwei aus der Sprachlernklasse – und einer Gruppe von zehn Flüchtlingen aus Syrien, Eritrea, Somalia, Kenia und dem Südsudan, die mit Unterstützung des Vereins Outlaw in der tpw zusammengefunden haben.

Kommunikation in drei Sprachen

Mengstaeb Redae kommt aus Eritrea, dem Land, aus dem derzeit nach Syrern und Afghanen die drittgrößte Gruppe Zuflucht in Europa sucht. Die Menschen fliehen vor lebenslangem Militärdienst, vor Terror und Verfolgung. Redae war zunächst sechs Jahre nach Äthiopien geflohen, bevor er den gefährlichen Weg über das Mittelmeer nach Europa nahm. Seit knapp einem Jahr ist der 21-Jährige in Deutschland und wartet auf seine Papiere. Er möchte Filme machen oder Skripte schreiben.

Mengstaeb Redae hat schon drei Jahre Theater gespielt, bevor er nach Deutschland kam. Damit ist er der Erfahrenste unter den Flüchtlingen. Die meisten hätten kaum Theatererfahrung, „schon gar nicht in der europäischen Form“, so Röser. Die Gruppe hat sich nach den Sommerferien gebildet und bis zu den Herbstferien allein geprobt. Da sei es um die Grundlagen gegangen und um Körperarbeit. Kommuniziert wird auf Englisch – und dann schon auf Arabisch, Farsi und Tigrinisch, das in Eritrea gesprochen wird.

Thema: Wünsche

Die Theatergruppe des Wahlpflichtfaches Darstellendes Spiel arbeitete unter der Leitung der Studienrätin Dörthe Bloemer bis zu den Herbstferien zum Thema „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ nach dem Lied von Friedrich Hollaender. Das ist nun auch der Name des Projektes. Schüler und Flüchtlinge vereine schließlich, dass sie alle „auf dem Weg sind“, so Theaterpädagogin Liane Kirchhoff von der tpw, die das Projekt leitet. Die einen sind auf dem Weg in das Leben nach der Schule, die anderen auf dem in ein neues Leben in Deutschland.

Freundschaftliches Zusammenspiel

Seit die Schule nach den Herbstferien wieder angefangen hat, proben die Gruppen mit Bloemer und Röser gemeinsam. Alle Ideen, aus denen das Stück entsteht, stammen von den Jugendlichen. „Wir begegnen uns auf freundschaftlicher Basis“, beschreibt Elftklässlerin Lisa vom Gymnasium von der Wüste das Zusammenspiel, „man merkt so, dass das Jugendliche wie wir sind.“

Am Ende des Projektes soll ein Stück stehen, das in verschiedenen Räumen des Gymnasiums gezeigt wird. Auch die Stau-Szene wird wahrscheinlich dabei sein.


Premiere: Sonntag, 24. Januar 2016, 17 Uhr, Gymnasium in der Wüste; weitere Aufführungen am Dienstag, 26. Januar, und Freitag, 5. Februar, jeweils 19.30 Uhr.

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