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Chor- und Orchesterkonzert „Viermal Bach“ in St. Katharinen

Von Thomas Hitzemann

Arne Hatje Archivfoto: Egmont SeilerArne Hatje Archivfoto: Egmont Seiler

Osnabrück. „Viermal Bach“ lautete das Motto des Konzerts mit dem Bach-Chor und der Capella Sophie von der Pfalz in der Osnabrücker St. Katharinenkirche, das Arne Hatje dirigierte. Am Ende der Aufführung waren sich alle einig: Es hätte sogar noch mehr sein können.

Wie zur Einstimmung auf Johann Sebastian Bach erklingt zunächst dessen Ouvertüre D-Dur BWV 1068. In den folgenden zwei Kantaten und einem Magnificat gibt es vielfältige Zusammenführungen von vokalen und instrumentalen Elementen. Da braucht es nicht nur fähige Solisten und einen bestens präparierten Chor, auch das Orchester muss Klasse haben. Und tatsächlich, all das kommt zusammen.

Historische Instrumente

Durch Christian Joppich an der Truhenorgel unterstützt, spielt die Capella Sophie von der Pfalz. Es ist ein loser Zusammenschluss von Spezialisten für historische Aufführungspraxis aus vier verschiedenen Ländern. Dieses Orchester musiziert so sauber artikuliert, dass der beträchtliche Hall der Kirche ausgeschaltet zu sein scheint. In der ersten Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ BWV 140 entwickelt der Bach-Chor schon während des Eingangschorals nach und nach sein ganzes Volumen. Volle Präsenz vom ersten Ton an, zeigt Tenor Michael Connaire, wogegen Sopranistin Eva Maria Zumsande und Bassist Sebastian Bluth erst ein paar Schwelltöne brauchen, um stimmlich anzukommen. Ausdrucksvoll gelingt es den Streichern, bei „Zion hört die Wächter singen“ ihr prägnantes Thema gegen die Männerstimmen vom Chor durchzusetzen.

Höhenflüge und Glanzpunkt

In der zweiten Kantate „Unser Mund sei voll Lachens“ BWV 110 gibt es für Cello, Trompete, Oboe und Traversflöten vielfach Gelegenheit, die Solosänger mit ebenbürtigen musikalischen Passagen regelrecht zu inspirieren. Obwohl noch Höhenflüge folgen, erlebt man bereits in dieser Kantate den unbestrittenen Glanzpunkt des Abends. Ein chorischer Jubel ohne Gleichen bricht aus bei dem Choral „Unser Mund sei voll Lachens“. Gestisch wild aufgepeitscht von Arne Hatje, singt der Chor den Satz, hingerissen zu überschäumender Freude.

Hörgenuss durch Kontraste

Genussreiche Abwechslung bietet schließlich das Magnificat BWV 243. Meist stehen sich in allen Teilen unterschiedliche Affekte gegenüber. Hatje gelingt es, diese hervorzuheben, ohne den Bogen zu überspannen. Bei der Arie „Et exultavit“ zeigt Altistin Eva Maria Summerer auch heitere Facetten ihrer Stimme. Vokal, wie instrumental gleichwertiges Musizieren gelingt voller Dichte beim Schlusschoral „Gloria Patri, Filio et Spirtu Sancto“.