Musical auf dem Galaball Osnabrücker zeigen Deutschland, wie Inklusion klappt

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Osnabrück. Sie haben anstrengende Wochen und Monate hinter sich, sind erschöpft und zugleich glücklich: Patsy Krogull-Hull, Michael Hull und Guido Niermann haben ihr integratives Musical „Grand Hotel Vega$“ in zehn deutschen Städten auf die Bühne gebracht und anderen Mut gemacht, mehr Veranstaltungen und Angebote für Menschen mit und ohne Behinderung auf die Beine zu stellen.

Aus Osnabrück kam das Stammensemble , in den Aufführungsorten Essen, Stuttgart, Frankfurt, Bremen, Augsburg, Minden-Lübbecke, Magdeburg, Hamburg und Berlin wurden mithilfe dortiger Tanzschulen örtliche Teams an Schauspielern, Sängern und Tänzern zusammengestellt. Dann der gemeinsame Auftritt in immer anderen Hallen, auf immer anderen Bühnen und immer neuen Komplikationen. Nur eine Erfahrung war ähnlich, berichten Patsy und Michael Hull: Fast alle Veranstaltungshäuser sind weder vor noch hinter der Bühne komplett barrierefrei.

„Wir sind auf viel Skepsis gestoßen“

So viele Menschen und Rollstühle auf der Bühne sorgten fast überall für Sorgenfalten auf den Stirnen der Feuerwehr. Einmal, der Ort wird an dieser Stelle nicht verraten, drohte die Aufführung an Sicherheitsbedenken zu scheitern. Patsy Krogull-Hull überzeugte die Feuerwehr davon, dass das Ensemble auch bei voller Bühne auf alle Notsituationen vorbereitet sei. Am Ende stand ein Feuerwehrmann neben dem Notrufknopf, um ihn zum Schweigen zu bringen, sobald er Alarm auslösen wollte.

Die Vorbereitungen hatten schon vor zweieinhalb Jahren begonnen, als die Hallen in den Städten gebucht wurden. Dann begann die Überzeugungsarbeit in den Tanzschulen und Behinderteneinrichtungen vor Ort. „Wir sind auf viel Skepsis gestoßen“, sagt Patsy. „Wir machen schon seit Jahren erfolgreich Angebote für Menschen mit und ohne Behinderung“, ergänzt Michael. Damit konnten sie bei den Zweiflern Überzeugungsarbeit leisten.

Zögerliche Unternehmen

Regisseur Guido Niermann kam dann das Kunststück zu, das örtliche Ensemble in das Stück zu integrieren. Denn die Darsteller hatten zum Teil sehr eigene Vorstellungen, lacht der Choreograph. So musste einmal in das Musical, das in Amerika spielt, ein Flamenco eingebaut werden. Niermann hat es geschafft: „Wir sind schließlich flexibel.“

Weniger flexibel zeigten sich die Unternehmen, die von den Hulls lange vor der Musicalaufführung angeschrieben worden waren. Eigentlich sollte im Umfeld jeder Aufführung eine Jobbörse stattfinden. Die Idee dahinter: Menschen mit Behinderung, die auf der Bühne zeigen, was sie alles können, stärken ihr Selbstwertgefühl und damit ermutigt, sich Unternehmen als Auszubildender oder Mitarbeiter zu präsentieren.

Viele Firmen hätten erst gar nicht reagiert oder seien kurz vor dem Termin abgesprungen, erzählt Patsy: „Das beweist, dass in Sachen Inklusion noch viel zu tun ist“. Sie zeigt dabei keine Enttäuschung, viel mehr den Wunsch, diesen Bereich weiter hartnäckig zu beackern.

Wie nachhaltig war das Projekt?

Möglich wurde das Mammutprojekt dank einer 1,38 Millionen starken Förderung durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziale. Die Zuwendung war gekoppelt an einen Eigenanteil von 570000 Euro, den die Hull Foundation aus Spenden zusammentrug. Alle Geldgeber sind am 26. Januar zu einem Abschlusskongress in Berlin eingeladen, bei dem die Auswertung der Aktion vorgestellt wird. Derzeit wird die Nachhaltigkeit abgeklopft, zum Beispiel: Wie viele Tanzschulen machen weiterhin inklusive Angebote?

Freitag Galaball in der Osnabrückhalle

Die von den Geschwistern gegründete Hull-Foundation zur Förderung von Inklusion durch Tanz und Bewegung sammelt weiter für ihre Projekte. Dazu findet am Freitag, 4. Dezember, um 19.30 Uhr ein Galaball in der Osnabrückhalle statt. Karten ab 35 Euro sind in der Tanzschule erhältlich. Zum Auftakt wird das Musical „Grand Hotel Vega$“ gezeigt. Es soll nicht die letzte Aufführung sein: Inzwischen liegen Anfragen aus Hannover, Köln und Österreich vor. „Das Stück sollte in jeder Stadt ab 100000 Einwohner aufgeführt werden“, wünscht sich Guido Niermann.


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