Manifest gegen den Schönklang Moellhusen füllt Kunstquartier mit Klangskulptur

Uwe Moellhusen hatte zu einer „Living Sound Sculpture“ im Kunstquartier eingeladen. Foto: Hermann PentermannUwe Moellhusen hatte zu einer „Living Sound Sculpture“ im Kunstquartier eingeladen. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Zur zweiten Darbietung im Rahmen der Ausstellung „Broken Performance“ hatte Uwe Moellhusen Gäste aus Düsseldorf und London eingeladen. Das BBK-Kunstquartier wurde zum Hörplatz archaischer Industrieklänge.

Ohrenbetäubendes Getöse erfüllt das BBK-Kunstquartier . Vibrierende Maschinen versetzen Eisentrichter, Plexiglasscheiben und Munitionshülsen in Schwingung. Das Geräuschinferno steigert sich zu einem wilden Höhepunkt, bricht plötzlich ab, um tiefgründigem Ächzen und Klagen Platz zu machen. Dazwischen gibt eine Zither klimpernde Töne von sich, ein durch den Raum gezogenes Klebeband stöhnt und jammert lustvoll.

Spontane Deformation

„Fragen an die Zukunft, Antworten aus der Vergangenheit“ sollte der Titel der Performance lauten, die Uwe Moellhusen im BBK-Kunstquartier realisierte. Im Rahmen der Ausstellung „Broken Performance“ hatte der in Berlin ansässige Künstler Kollegen aus Düsseldorf und London zur „Living Sound Sculpture“ eingeladen. „Den ursprünglich vorgesehenen Titel haben wir verworfen. Wir starten jetzt einfach…“, begrüßt Moellhusen mit seinem Hang zu spontaner Deformation die Besucher. Eine industriell-archaische Klangcollage nimmt ihren Lauf. Der Brite Stephen Oldfield bearbeitet die Hülsen von Haubitzenmunition aus dem Zweiten Weltkrieg und zeigt in Zeiten von globalem Terror und kriegerischen Auseinandersetzungen, dass sich Kriegsmaterial auch zu künstlerischen Zwecken einsetzen lässt.

Manifest gegen den Schönklang

Kehlkopfmikrofone der Bundeswehr, die normalerweise der Kommunikation von Panzerfahrern dienen, schicken Klänge an Computer, die sie moduliert an einen Verstärker weiterleiten. Ob herkömmliches, klangmodifiziertes Instrument oder einfach nur Kiesel, die über eine Schieferplatte schrubben, Anja Lautermann, Peter Issig und Thilo Schoelpen aus Düsseldorf generieren zusammen mit Oldfield und Moellhusen an diesem Abend zwei elektroakustische Soundskulpturen als Manifest gegen den Schönklang.


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