Ziel: Schnelle Integration Arbeitsamt berät im Osnabrücker Flüchtlingshaus

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Die Ärztin Fida Ajojo im Gespräch mit der Integrationsfachkraft Alev Ayman von der Osnabrücker Arbeitsagentur. Sprachmittler Basem Salah hilft bei der Übersetzung in die arabische Sprache. Foto: Egmont SeilerDie Ärztin Fida Ajojo im Gespräch mit der Integrationsfachkraft Alev Ayman von der Osnabrücker Arbeitsagentur. Sprachmittler Basem Salah hilft bei der Übersetzung in die arabische Sprache. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Fida Ajojo ist Allgemeinmedizinerin. Mit ihren sieben und acht Jahre alten Kindern ist sie aus Syrien vor dem Bürgerkrieg geflohen. Damit sie möglichst schnell auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen kann, führt die Agentur für Arbeit schon in der Erstaufnahme Perspektivgespräche.

Der Mann der 39-Jährigen, ein Dermatologe, ist noch in Syrien. 13 Tage war Fida Ajojo mit den Kindern unterwegs, ehe sie von Damaskus über den Libanon Griechenland erreichte. Seit Anfang November leben die Drei im Flüchtlingshaus Osnabrück. Die Medizinerin weiß nicht, in welcher Kommune Niedersachsens sie schließlich landen wird. Sie weiß aber sehr genau, dass sie in Deutschland ein neues Leben für die Familie aufbauen will.

„Gut ankommen in Niedersachsen“

Die Medizinerin hat im Libanon studiert und dort ebenso wie später in Syrien praktiziert. Nun aber muss sie erst lernen, was eine Agentur für Arbeit und die deutsche Ärztekammer ist. Bein der ersten Orientierung hilft Alev Ayman. Die Integrationsfachkraft der Osnabrücker Arbeitsagentur führt seit einigen Wochen im Osnabrücker Flüchtlingshaus Perspektivgespräche mit den Bewohnern. Eine Kollegin berät Flüchtlinge in der Bramscher Erstaufnahme.

„Kompetenzen erkennen – Gut ankommen in Niedersachsen“ heißt das Kooperationsprojekt des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums und der regionalen Agentur für Arbeit. Mit dem in Deutschland einzigartigen Projekt werden Eignung und Qualifikation der Flüchtlinge so früh wie möglich festgestellt, um ihre Integration in den Arbeitsmarkt zu beschleunigen.

Wichtige Dokumente auf dem Handy

Themenschwerpunkte der Gespräche sind Berufsabschlüsse, berufliche Erfahrungen und sprachliche Qualifikationen. Die Ergebnisse werden in ein Programm eingetragen, auf das landesweit alle Arbeitsagenturen Zugriff haben. Das heißt, alle Daten, die Alev Ayman mit Fida Ajojo zusammenträgt, können in der Arbeitsagentur ihres künftigen Wohnortes abgerufen werden, um schnell ein Konzept für die Eingliederung zu erarbeiten. „Der Datenschutz wird selbstverständlich eingehalten“, betont Ayman.

Vor ihrer Flucht aus Syrien hat die Ärztin ihre wichtigsten Dokumente mit dem Handy fotografiert, Zeugnisse, Studienabschlüsse, Arbeitsverträge mit Kliniken und Praxen. Für viele Flüchtlinge sei das Handy eine etwas andere Form der Dokumentenmappe, berichtet Ayman. Manche Flüchtlinge hätten sich an ihrem früheren Arbeitsplatz filmen lassen, um ohne Sprache zu zeigen, in welcher Branche sie tätig waren und was können.

Online Deutsch lernen

Anhand der Dokumente und der Aussagen der Ärztin rekonstruiert Ayman den beruflichen Lebenslauf. Manchmal gibt es dabei Überraschungen. Während einer Anstellung im Krankenhaus bekam Fida Ajojo ihr erstes Kind. „Wie lange haben sie ausgesetzt?“, fragt Aymann. Ihre Gesprächspartnerin schaut sie etwas verwundert an: „Eine Woche“. Nun staunt die Integrationsfachkraft und klärt auf: „Wenn Sie in Deutschland ein Kind bekommen, dürfen Sie drei Monate nicht arbeiten.“

Über ein persönliches Passwort kann sich die Syrerin nach dem Gespräch selbst in das Programm einloggen und bei Bedarf Änderungen und Ergänzungen vornehmen. Sie kommt mit dem Kennwort in die Lernbörse und kann online an Programmen wie „interkulturelle Kompetenz“ und „Ich will Deutsch lernen“ teilnehmen. „Ich bin sicher, Sie schaffen das schnell“, zeigt sich Ayman zuversichtlich: „Bei Ihrer Sprachbegabung.“ Die Ärztin spricht außer ihrer Muttersprache fließend englisch und französisch.

Sprachmittler hilft übersetzen

Da es bei den Perspektivgesprächen um Genauigkeit geht, erhält Alev Ayman Unterstützung vom Sprachmittler Basem Salah. Der frühere Reiseleiter aus Ägypten kam der Liebe wegen nach Osnabrück. Der Familienvater arbeitet inzwischen in einer Bäckerei und hilft als Übersetzer bei Gesprächen mit Flüchtlingen. „Wir sind ein richtig gutes Team“, lächelt Ayman. Inzwischen kennt sie schon manche Standardsätze auf Arabisch, und Basem Salah weiß, welche Fragen kommen und stellt sie manchmal von sich aus.

Fida Ajojo ist vorbereitet auf ihren Transit. In ihrer neuen Heimatstadt wird sie sich umgehend bei der Agentur für Arbeit melden, um Integrations- und Sprachkurse zu absolvieren , ihr Studium anerkennen zu lassen und sich um eine Zulassung als Ärztin bemühen.

Alev Ayman empfängt nach anderthalb Stunden ihren nächsten Gesprächspartner, einen Erdölingenieur aus dem Iran.


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