Neuordnung der Schülerbeförderung Stadtelternrat Osnabrück fordert: Weiter Gratis-Buskarten für alle

Dürfen Osnabrücker Schüler die Stadtbusse künftig noch gratis nutzen? Das Blanko-Ticket steht auf der Kippe. Foto: Archiv/Michael GründelDürfen Osnabrücker Schüler die Stadtbusse künftig noch gratis nutzen? Das Blanko-Ticket steht auf der Kippe. Foto: Archiv/Michael Gründel

Osnabrück. Ist bald Schluss mit den kostenlosen Buskarten für die Osnabrücker Schüler? Die Verwaltung hat dazu einen Vorschlag ausgearbeitet, mit dem sich bis zu 600.000 Euro jährlich einsparen lassen. Doch diese Rechnung ist mit dem Osnabrücker Stadtelternrat nicht zu machen.

Einstimmig fiel das Votum der Mitglieder bei der Abstimmung über die Neuordnung der Schülerbeförderung aus. Alle stimmberechtigten Elternvertreter wollen, dass es so bleibt wie bisher: Kostenlose Netzkarten für alle Schüler, gerne auch mit einer zukünftig längeren Geltungsdauer bis 20 oder 22 Uhr je nach Alter der Schüler. Bislang nämlich dürfen Schüler die Stadtbusse nur bis 19 Uhr kostenfrei nutzen.

Grundlage der vorangegangenen Diskussion waren die Ergebnisse einer Elternumfrage, in der das neue Modell vorgestellt wurde, nach dem Buskarten künftig nur noch bedarfsorientiert und gegen Gebühr ausgegeben werden sollen. Die Mehrheit der Befragten befürchtete, dass die Änderung Gefahren für die Verkehrssicherheit, eine Zunahme von „Elterntaxis“ und einen sehr hohen Verwaltungsaufwand bedeute. Die Befürchtung: Für Klassenausflüge zum Zoo oder auch ins Theater könnten viele Sonderlösungen nötig werden.

Kinder in Gefahr?

„Bei der neuen Regelung wird es sicher viele Eltern geben, die sich die Kartengebühr von zwei oder vier Euro pro Monat sparen wollen“, mutmaßte einer der Teilnehmer. „Sobald ein Kind deswegen zu Schaden kommt, sind wir dafür mitverantwortlich.“ Deshalb führe kein Weg an der kostenlosen Netzkarte für alle vorbei.

„Wer soll entscheiden, wer eine Karte bekommt und wer nicht?“, fragte eine der Teilnehmerinnen. Die Schulsekretariate seien schon jetzt an der Belastungsgrenze und hätten dafür keine Kapazitäten mehr. Tatsächlich müsste zukünftig für alle 13.600 Schüler, die bisher eine kostenlose Karte bekommen haben, jeweils eine Einzelfall-Entscheidung getroffen werden.

Andere Diskussionsteilnehmer zeigten zwar durchaus Verständnis für die Sparbemühungen der Stadt , votierten am Ende dann aber doch für die Gratiskarten-Variante.

Reizthema Inklusion

Im zweiten Teil der Sitzung ging es unter anderem um das Thema Inklusion. Der Stadtelternrat hatte beim Präsidenten des Niedersächsischen Landtags eine Petition für den Erhalt aller Förderschulen im Primar- und Sekundarbereich, eine Erhöhung der Ressourcenzuweisung und eine Verbesserung der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte eingereicht. Als Grundlage für die Petition berief sich das Gremium auf die Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung.

Die ausführliche Stellungnahme aus dem Landtag, in der die Landesregierung ihre Inklusionslösung verteidigt, wurde im Stadtelternrat mit Befremden und teilweise sogar Entrüstung kommentiert. Die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf würden ja nicht einmal die gesetzlich festgesetzten Leistungen erhalten, da vielerorts dafür qualifizierte Lehrer fehlen, monierte einer der Diskutanten. Derzeit seien die Schulen mit der Umsetzung von Inklusion hoffnungslos überfordert.


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