Was Bestatter als Trends ausmachen Osnabrücker Bestatter: Der Tod verliert sein Tabu

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Osnabrück. Die Themen Sterben und Tod verlieren zurzeit ihre gesellschaftliche Tabuisierung – es wird wieder mehr zuhause gestorben und immer mehr Menschen öffnen sich auch für diese Aspekte des Lebens. Das jedenfalls haben mehrere Bestatter aus der Region so beobachtet, wie sie im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung sagten. Wer wissen möchte, wie es um die Stellung des Todes in der Gesellschaft bestellt ist, findet in den Bestattern die Gradmesser für Trends und Entwicklungen. Wir haben nachgefragt.

„Ja, das stimmt: Das Sterben wird wieder mehr ins häusliche Umfeld geholt“, betont Andrea Brand, die Chefin des Bestattungshauses Baumgarte und Peistrup. „ In den vergangenen zehn Jahren hat das stark zugenommen“. Während Brand in dieser Entwicklung ein Verdienst der Hospiz- und Palliativbewegungen sieht, sehen die Bestatter Guido Frankenberg und Andreas Pietsch auch die Pflegedienste als Mit-Verursacher. Weil die Menschen heute viel länger in Ihrer vertrauten Umgebung bleiben können, dürfen sie oft auch dort sterben. „Das wünscht sich auch jeder“, betont Guido Frankenberg.

Die aktuellen Trends im Bestattungswesen im Überblick:

1.) Viele Bestatter verfügen inzwischen über eine eigene Trauerhalle, in der die Abschiedsfeier stattfinden kann – übrigens sowohl als christliche wie auch als weltliche Trauerfeier, wie Andreas Pietsch betont. In der Gestaltung der Hallen versucht jede Firma ihre eigenen Akzente zu setzen. Im Bestattungshaus Frankenberg gibt es sogar einen Orgelboden. Bei Baumgarte und Peistrup in Sutthausen ist die Trauerhalle mit zahlreichen Engelsdarstellungen des des Osnabrücker Künstlers Björn Räther geschmückt. Im Bestattungshaus Pietsch nahe der Hannoverschen Straße wurde die Trauerhalle dereinst von einem Geistlichen geweiht, das Kreuz – für weltliche Feiern auch abnehmbar – hing früher im hinteren Teil der inzwischen verkleinerten St.-Joseph-Kirche. Das Bestattungshaus Wilhelm Schulte verfügt neben einer Trauerhalle auch über ein eigenes Café, das gleich nebenan gelegen ist und in dem das Beerdigungscafé stattfinden kann – zum Angebot gehört unter anderem selbstgebackener Kuchen.

2.) Weil die meisten Trauerhallen auch vielerlei technische Möglichkeiten bieten – beginnend bei Leinwänden und Beamern für Vorträge oder Bild- und Filmeinspielungen über Musikinstrumente wie Keyboards oder I-Pod-Einsteckmöglichkeiten in der Musikanlage – kommen die Bestatter damit einem anderen Trend entgegen: Bei den Trauerfeiern steht heute Persönliches im Vordergrund. „Vor allem, was die Musikauswahl angeht , sind Trauerfeiern heute total individuell“, betont Andrea Schulte vom Bestattungshaus Wilhelm Schulte. Dieser Hang zur Individualität ist allerdings nicht immer gut, hat Andreas Pietsch beobachtet: „Manche Angehörige fühlen sich damit überfordert“, hat er beobachte. Dann hilft es, einen gesunden Mittelweg zwischen einer „ganz normane“ und einer individualisierten Trauerfeier zu finden. „Es muss sich keiner Druck machen“. „Immer mehr Menschen verfügen tatsächlich vorher, was sie wollen“, hat Guido Frankenberg beobachtet.

3.) Vielen Bestattern, vor allem aus kleineren Firmen, fehlt der Nachwuchs. Aber weil in dieser Branche der Name Tradition hat, werden die sonst aussterbenen Kleinbetriebe zwar von Berufskollegen übernommen, aber meistens unter eigenem Namen weitergeführt. So laufen die Firmen Nottbusch und Gerwe aus Georgsmarienhütte unter Verantwortung vom Bestattungshaus Pietsch. Der Betrieb Kampmeyer gegenüber des Heger Friedhofes wird von Andrea Schulte geführt, die auch das Bestattungshaus Wilhelm Schulte leitet. Das Betattungsinstitut Franz Tepe wird von der Familie Frankenberg geführt, die auch die Firmen Wessendarp in Hilter und Volker in Bissendorf betreibt. Es gibt auch den anderen Weg: Als die Betreiberin der Bestatterfirma Niemann und Hartke diese aus Altersgründen aufgab, sollte Baumgarte und Peistrup es in ihrem Sinne weiterführen.

4.) Die Urnenbestattung ist weiterhin ein Trendsetter, jedenfalls im städtischen Gebiet. Rund 75 Prozent Feuerbestattungen zu 25 Prozent Erdbestatttungen ist das Verhältnis. Im ländlichen Raum ist diese Relation allerdings umgekehrt, sagt Guido Frankenberg.

5.) Dadurch, dass immer mehr Menschen zuhause sterben, bleiben die Verstorbenen auch länger daheim. War es noch vor zehn Jahren üblich, dass die Leichen sofort abgeholt werden sollten (bzw. dass im Krankenhaus gestorben wurde), kann es durchaus vorkommen, dass ein Toter mal noch eine Nacht daheimbleibt. Oder auch länger, sofern die Bedingungen dort das zulassen (genug Luft, nicht zu warmes Zimmer, etc.). Wer mag, kann bei vielen Bestattern einen separaten Aufbahrungsraum dazubuchen, in dem Abschied genommen werden kann .

Kein Trend, sondern ein Dauerläufer, sind die Weihnachtstage als Hauptarbeitszeit für Bestatter , da wird tatsächlich am meisten gestorben. Und natürlich kann auch nachts das Handy klingeln. Überhaupt ist das Gewerbe keines, das viel Freizeit möglich macht – „Wir haben nur Familienbetriebe in der Region, keine Discountbestatter wie in einigen Großstädten“, betont Andreas Pietsch. Was zum Service eines solchen Hauses gehören muss, ist das, was Pietsch als „25-Stunden-Erreichbarkeit“ bezeichnet. „An 365 Tagen im Jahr“, sagt Guido Frankenberg.

Wenn die Trauerfeier gelaufen ist, endet zumeist auch das Verhältnis zum Bestatter. Allerdings geht bei den meisten Angehörigen auch erst dann die Gefühlsspirale los. „Den Mut haben Hilfe auch anzunehmen“, empfiehlt Andrea Brand, die sich auch zur Trauerbegleiterin hat ausbilden lassen. Und: „Sich auf jeden Fall die Zeit für Trauer nehmen.“ Denn wenn des einen Arbeit endet, beginnt die Arbeit für andere .


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