Unterirdischer Steinbruch Was wird aus der Gertrudenberger Höhle in Osnabrück?

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Horst Grebing erforscht seit Jahren die Höhlen am Gertrudenberg. Foto: Robert SchäferHorst Grebing erforscht seit Jahren die Höhlen am Gertrudenberg. Foto: Robert Schäfer

Osnabrück. Wie ist die Gertrudenberger Höhle entstanden? Und was wird aus ihr? Diesen Fragen widmete sich am Freitagabend Horst Grebing im Museum „Natur und Umwelt“ am Schölerberg.

Heimat-, Geschichts- und Geointeressierten waren gekommen, um zu hören, was Sage und was Wirklichkeit ist. Dabei gibt es seit jeher verschiedene Theorien zur Entstehung des Höhlensystems am Gertrudenberg. Wahrheit und Dichtung liegen dabei weit auseinander.

In den Bereich Dichtung fallen die zahlreichen Sagen. Drachenhöhle, altgermanische Wohn- und Kultstätten oder auch ein über 3000 Jahre altes astronomisches Heiligtum wurden schon als Erklärung bemüht. Sogar der Goldschatz des Arminius, den man mit dem Schatz des Nibelungen gleichsetzen kann, wurde schon dort verortet.

Unterirdischer Steinbruch

Wissenschaftlich belegt ist die Theorie, dass es sich bei der Höhle um einen unterirdischen Steinbruch handelt. Diese Meinung vertritt auch Grebing. Der gut 238 Millionen Jahre alte Muschelkalk wurde schon früh abgebaut. 1333 ist die erste urkundliche Erwähnung des Steinbruchs belegt. Begonnen hatte der Abbau wohl im Bereich der heutigen Tennisplätze. „Man folgte dann der Trochitenkalkschicht unter die Erde“, ist sich Grebing sicher. Der Stein wurde zum Kalkbrennen und als Baustein gebraucht. Das Kloster Gertrudenberg oder die Stadtbefestigung sind nur zwei Bauwerke, in denen der Stein verarbeitet wurde. Später wurden die Höhlen als Bierkeller und im zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker genutzt.

Probleme beim Erhalt der Höhle

Gerade aus dieser letzten Nutzung erwachsen Probleme für den Erhalt und die weitere Erforschung der Höhle. Der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) obliegt die Sicherung aller alter Bunkeranlagen. Sie muss eventuelle Gefahren beseitigen und für die Sicherheit in den Anlagen sorgen. In einem Gutachten stellte die BIMA vor Jahren fest, dass die Höhle akut einsturzgefährdet und die Sauerstoffkonzentration unter Tage lebensgefährlich gering sei. Daher ist das Betreten 2011 verboten.

Dem widersprechen die Freunde der Höhle, die auch in einem Verein organisiert sind. Nach dem Gutachten ließen sie die Höhle von der Grubenwehr der RAG Anthrazit Ibbenbüren überprüfen – in voller Schutzkleidung. Die Fachleute kamen zu dem Ergebnis, dass „die Höhle in Bezug auf die Luftqualität gefahrlos betreten werden kann“. Auch die vermeintliche Einsturzgefahr wurde in verschiedenen Überprüfungen widerlegt. Trotzdem wollte die BIMA die Höhle mit Zement verfüllen.

Stadt lehnt Verfüllung der Höhle ab

Das lehnte die Stadt als Besitzer eines Viertels der Höhle jedoch ab – unter anderem weil die Höhle neben ihrer stadtgeschichtlichen Bedeutung Kulturdenkmal und in Kürze auch Naturdenkmal ist. Verantwortlich dafür ist der Phantomkarst, eine extrem seltene geologische Struktur. Gegen das BIMA-Gutachten hat die Stadt in diesem Jahr ein eigenes in Auftrag gegeben. Die Firma Taberg aus Lünen hat das Höhlensystem erneut überprüft. In wenigen Wochen wird nun das Ergebnis vorliegen.

Grebing geht davon aus, dass das Gutachten positiv für die Höhle ausfällt. Mit einem Blick in die Zukunft erhofft er sich eine Öffnung der Höhle und vielleicht sogar ein Besucherzentrum, in dem die geologischen und stadtgeschichtlichen Besonderheiten der Höhlen vorgestellt werden können.

Einflugsloch für Fledermäuse

Bis dahin lassen sich im Bürgerpark auch oberflächlich einige Hinweise auf die Gertrudenberger Höhle finden. Das Lüftungsrohr am ehemaligen Notausstieg, der ehemalige Zugang zu Heilmanns Bierkeller mit dem Einflugsloch für Fledermäuse oder der Schacht III / Richters Bierkeller auf dem Gelände der Ameos-Klinik, der heute den offiziellen Eingang bildet, sind nur einige Beispiele. Der ganze Gertrudenberg ist laut Grebing von Höhlen und unterirdischen Bauten durchzogen. Bekannt sind beispielsweise der Gang zwischen dem ehemaligen Kloster und den Höhlen, die „Meesenburger Höhlen“ oder der Eiskeller.


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