21 Ziele in der Stadt ausgespäht Auch Osnabrück war im Fadenkreuz der NSU-Terroristen

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Osnabrück. Die Mitglieder der Terrorzelle NSU haben offenbar Anschläge in Osnabrück geplant – als mögliche Ziele dienten Politiker und religiöse Einrichtungen. Das belegen ein Stadtplan und eine Adressliste, die im Münchner NSU-Prozess untersucht wurden.

Die Terroristen mochten es farbenfroh. Auf einem Stadtplan von Osnabrück markierten rote Sternchen die Anschriften von Abgeordneten- und Parteibüros. Gelbe Sterne klebten da, wo türkische und islamische Vereine ihren Sitz hatten. Am auffälligsten war das gelbe Smiley mit der Sonnenbrille – es pappte an der Adresse der jüdischen Gemeinde.

Fünf Kartenausschnitte, ausgedruckt am Computer, hatten Ermittler Anfang November 2011 aus der Brandruine im sächsischen Zwickau geborgen, in der die rechtsextreme Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) ihr letztes Versteck hatte. Die Gruppe hat nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge in ganz Deutschland verübt. Die Pläne des Trios reichten aber offenbar weiter: In Adresslisten notierten die Rechtsextremisten Ziele in etwa einem Dutzend deutscher Großstädte – darunter auch in Osnabrück.

Selbst CDU-Abgeordnete im Visier

Die Beweismittel erläuterte am Mittwoch eine Ermittlerin des Bundeskriminalamts im Münchner NSU-Prozess. Das Material liegt unserer Redaktion vor. Insgesamt sammelten die Terroristen 21 Einträge für Osnabrück.

Fünf der Punkte enthalten konkrete Namen. Es handelt sich um die früheren Bundestagsmitglieder Carl-Ludwig Thiele (FDP), Reinhard von Schorlemer (CDU) und Martin Schwanholz (SPD), zudem um die Landtagsabgeordneten Alice Graschtat und Ulla Groskurt (beide SPD).

Zu den weiteren Zielen gehören das Osnabrücker Bistum, der Sitz des Landkreises und das 2007 abgezogene Verbindungskommando der Bundeswehr. Ebenfalls in Erwägung gezogen hatte der NSU der Liste zufolge den Verein „Exil – Osnabrücker Zentrum für Flüchtlinge“. Bei den anderen Einträgen handelt es sich um Kulturvereine türkischer oder islamischer Ausrichtung, eine Moschee in der Innenstadt sowie die Synagoge.

Mord in Dortmund

Wann genau der NSU sein Verzeichnis erstellte, ist nicht gesichert. Ausgedruckt wurden Liste und Karten laut aufgedrucktem Datum am 2. April 2006. Zwei Tage später erschossen Mundlos und Böhnhardt in Dortmund einen Kioskbesitzer. Dabei handelt es sich wohl kaum um einen Zufall. Auf zeitliche Zusammenhänge, gestanden die Ermittler ein, habe man die Aufstellung jedoch nicht abgeklopft.

Mundlos und Böhnhardt haben sich 2011 wohl selbst erschossen. Zu einem Anschlag in Osnabrück kam es letztlich nicht – wie knapp die Stadt davon entfernt war, zur Zielscheibe von Rechtsterroristen zu werden, weiß vermutlich nur die Hauptangeklagte Beate Zschäpe. Sie soll ab dem 8. Dezember im Prozess aussagen.


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