Sammelband zum 60. Geburtstag Thomas Vogtherr ist Osnabrück dienstältester Historiker

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Osnabrück. Der Osnabrücker Universitätsprofessor Thomas Vogtherr ist 60 Jahre alt geworden – Grund genug, zu Ehren des Historikers einen Sammelband herauszugeben, der auch für Nicht-Wissenschaftler interessant ist.

Nein, als „ehrwürdigen Greis“ mag man Thomas Vogtherr nun doch nicht titulieren. Uni-Vizepräsidentin Martina Blasberg-Kuhnke probierte in einer launigen Laudatio auf ihren 60 Jahre alt gewordenen Kollegen mehrere Anreden aus und geriet dabei fast zwangsläufig auch an die Adressierung, die Kant sich angeblich schon zu seinem 50. Geburtstag vom Rektor der Universität Königsberg gefallen lassen musste. Der Professor für die Geschichte des Mittelalters befindet sich in jedem Fall noch in demselben, zumindest bezogen auf die menschliche Lebensspanne – so verdeutlichte sie es den Anwesenden während der akademischen Feierstunde im Zimeliensaal der Uni-Bibliothek.

Vogtherr bekleidete von 2005 bis 2009 selbst das Amt des Vizepräsidenten für Studium und Lehre. Dabei habe er das „tiefe, finstere Mittelalter“ häufig verlassen müssen, um sich mit Problemen hier und jetzt zu befassen. „Da ist man automatisch dicht dran an Stadt und Region, man ist außerhalb der Universität in ungezählten Beiräten und Gremien unterwegs“, weiß Blasberg-Kuhnke als Vogtherrs Nachfolgerin nur zu gut.

Da sei es eine treffliche Idee gewesen, Vogtherrs Verdienste als akademischer Lehrer auch für geschichtsbezogene Lernorte außerhalb der Universität durch einen Aufsatzband zu würdigen. Die Idee habe Vogtherrs enge Mitarbeiterin Gudrun Gleba, außerplanmäßige Professorin am Historischen Seminar, gehabt und auch umgesetzt.

Herausgekommen ist das Buch „Osnabrück. Stadt – Land – Lernort“. Auf 291 Seiten hat Gleba als Herausgeberin mit ihren Assistentinnen Tanja Kalmlage und Anne Südbeck die Lernorte der Region versammelt und sie – zumeist von ihren wissenschaftlichen Leitern – beschreiben lassen.

Das aber keineswegs todernst, sondern „in essayistischer Annäherung“ und für jedermann verständlich. Einige Beispiele: Stadtarchäologe Bodo Zehm schreibt über das „Grüne Klassenzimmer“ am Großsteingrab, Tanja Kalmlage über Klöster und ihre teils unkonventionelle Nutzung, Susanne Tauss über Lernpotenziale der Iburg. Achim Rost und Salvatore Ortisi beleuchten die Schlachtfeldarchäologie am Beispiel Kalkriese, Klaus Niehr betrachtet den „Lernwert“ der Marienkirche und Siegrid Westphal den des Friedenssaals im Rathaus, während Domschatzkurator und VfL-Präsident Hermann Queckenstedt eine Brücke vom Diözesanmuseum zum Fußball schlägt und Thomas Schneider die Arbeit des Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrums darstellt.

Als Dank für die vielen Impulse, die Vogtherr dem inner- und außeruniversitären Lernen „in Osnabrück und umzu“ gegeben habe, sei dieser Band ihm zugeeignet, erklärte Gleba.

Vogtherrs langjähriger Mitarbeiter Volker Scior, inzwischen selbst habilitiert und an der Ruhr-Universität Bochum lehrend, würdigte Vogtherrs Verdienste als Landeshistoriker, der unter anderem in seiner Funktion als Vorsitzender der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen unsere heutige Sicht auf das Land deutlich mitgeprägt habe.

Wenn die Universität Osnabrück heute bestens in Stadt und Region verankert sei, dann liege das auch daran, dass Lehrende wie Vogtherr sich nicht im Elfenbeinturm verschanzten, sondern außerhalb der Universität präsent und ansprechbar seien.

Vogtherr selbst ging humorvoll auf die vielen schönen Worte ein. Mit Bezug auf den „ehrwürdigen Greis“ räumte er ein, nicht nur den 60. Geburtstag gefeiert zu haben, sondern auch bereits im 60. Semester zu lehren und mittlerweile dienstältester Historiker in Osnabrück zu sein.

Gudrun Gleba (Herausgeberin): „Osnabrück. Stadt – Land – Lernort“, Verlag für Regionalgeschichte, 292 Seiten, 19 Euro.


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