Nachfolge für Osnabrücker Museen Felix-Nussbaum-Haus: Inge Jaehner gibt Leitung ab

Langjährige Leiterin des Felix-Nussbaum-Hauses: Inge Jaehner vor Nussbaums Selbstbildnis mit Judenpass. Foto: Jörn MartensLangjährige Leiterin des Felix-Nussbaum-Hauses: Inge Jaehner vor Nussbaums Selbstbildnis mit Judenpass. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Inge Jaehner scheidet aus der Leitung des Felix-Nussbaum-Hauses aus. Die Kunsthistorikerin stand dem Osnabrücker Museum seit dessen Eröffnung 1998 vor.

Inge Jaehner hatte ihre Funktion wegen einer schweren Erkrankung seit zwei Jahren nicht mehr ausüben können. Jetzt sei sie aufgrund der Erkrankung verrentet, bestätigten Inge Jaehner und Patricia Mersinger, Leiterin des Fachbereiches Kultur der Stadt Osnabrück, auf Anfrage. „Ich hatte gehofft, an das Haus zurückkehren zu können. Leider geht das nicht“, sagte Jaehner weiter. Die Kunsthistorikerin hatte das Museum seit dessen Eröffnung im Juli 1998 geleitet. (Hier weiterlesen: „Selbstbildnis mit Judenpaß“ - Inge Jaehner über das wichtigste Bild ihres Hauses).

Das Felix-Nussbaum-Haus beherbergt das rund 200 Bilder umfassende Werk des Osnabrücker Malers Felix Nussbaum, der 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde. Nussbaum hatte in seinen Bildern die Themen Verfolgung, Gewalt und Terror maßstäblich behandelt. Sein inzwischen weltberühmtes „Selbstbildnis mit Judenpaß“ (1943) gilt als Ikone der dem Andenken an den Holocaust gewidmeten Erinnerungskultur. (Hier weiterlesen: Kunst und Holocaust - Konzepte der Erinnerung) .

Die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger für Inge Jaehner hat nach den Worten von Patricia Mersinger bereits begonnen. „Wir wollen eine neue Leitung für beide Häuser“, sagte Mersinger im Hinblick auf den Wechsel, der auch für das Kulturgeschichtliche Museum ansteht. Dessen Direktorin Eva Berger wird im August 2016 in Ruhestand gehen. Das Felix-Nussbaum-Haus war von seinem Architekten Daniel Libeskind als Anbau an das stadtgeschichtliche Museum konzipiert worden. Zu dem Museumskomplex gehören als weitere Standorte in der Osnabrücker City auch die Villa Schlikker und das Akzisehaus. Wie Mersinger weiter sagte, werde Inge Jaehner in die weiteren Planungen mit einbezogen. „Ich möchte sie gern als Kuratorin weiter an dem Haus sehen“, so Mersinger. (Hier weiterlesen: Das Felix-Nussbaum-Haus - bereits ein Architekturklassiker) .

Inge Jaehner hatte ihre Tätigkeit 1982 zunächst für den Museums- und Kunstverein begonnen und zeitweise das Ausstellungsprogramm der Osnabrücker Kunsthalle bestritten. Zu ihren Präsentationen gehörten Ausstellungen mit Werken von Wilhelm Lehmbruck und Jürgen Brodwolf. 1984 wechselte die Kunsthistorikerin in den Osnabrücker Museumsdienst. Als Gründungsdirektorin des Felix-Nussbaum-Hauses beleuchtete sie das Werk dieses Malers in vielfältigen Blickrichtungen. Mit den großen Überblicksausstellungen „Zeit im Blick“ (2004/2005) und „Verborgene Spur“ (2008/2009) verortete Inge Jaehner das Werk Felix Nussbaums in den Kontexten der Klassischen Moderne und der zeitgenössischen Kunst. (Hier weiterlesen: Wie lange hat Felix Nussbaum in Auschwitz noch gelebt? Das sagt Inge Jaehner).


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