Streitschlichtung mit Güterichter Landgericht Osnabrück: Zehn Jahre Mediation

Die Güterichter des Landgerichts Osnabrück sind (Foto von links): Susanne Kirchhoff, Claus Pirnay, Bert Karrasch, Antonius Fahnemann, Christian Rikken, Ingrid Scheer. Foto: Landgericht Osnabrück/Uwe LewandowskiDie Güterichter des Landgerichts Osnabrück sind (Foto von links): Susanne Kirchhoff, Claus Pirnay, Bert Karrasch, Antonius Fahnemann, Christian Rikken, Ingrid Scheer. Foto: Landgericht Osnabrück/Uwe Lewandowski

pm/jcf Osnabrück. Das Landgericht Osnabrück feiert das zehnjährige Jubiläum der gerichtlichen Mediation. Der Präsident des Landgerichts Antonius Fahnemann freut sich: „Wir konnten das Gericht so erheblich entlasten, weil wir dadurch viel kürzere Verfahren haben, die oft schon im ersten Termin erledigt werden.“

Seit Oktober 2005 bietet das Landgericht den Beteiligten von zivilrechtlichen Streitigkeiten die Möglichkeit, im Rahmen dieser Verfahrensart nach einer gemeinsamen Lösung für ihren Konflikt zu suchen. Aus einem Pilotprojekt in Niedersachsen hat sich zwischenzeitlich ein festes Standbein der hiesigen Zivilrechtspflege entwickelt. Mittlerweile sind sechs erfahrene und besonders ausgebildete Richter am Landgericht Osnabrück als Güterichter tätig. (Weiterlesen: Streit um Kleinigkeiten hält Osnabrücker Justiz auf)

In 80 Prozent aller Mediationsverfahren eine gütliche Lösung

Fahnemann weist darauf hin: „Wir haben etwa 4000 Zivilprozesse pro Jahr. In mehr als 50 Prozent der Fälle wird ein Mediationsverfahren abgelehnt. Wenn diesem aber zugestimmt wird, dann wird aus unserer Erfahrung in 80 Prozent aller Verfahren eine gütliche Lösung gefunden.“ Bei denjenigen, die einer Mediation zustimmen, sei die Bereitschaft zu einem Kompromiss ohnehin schon gegeben, erläuterte Fahnemann. Das Mediationsverfahren habe den Vorteil, dass der speziell dafür ausgebildete Güterichter nicht-öffentlich und getrennt mit beiden Parteien reden könne. Das ist im normalen Zivilprozess nicht der Fall. Es könne dabei zu einem Urteil wie bei einem Vergleich in einem Gerichtsverfahren kommen.

„Die Mediation lässt keine Verlierer zurück“

Der Unterschied sei aber: „Die Mediation lässt keine Verlierer zurück“, betont Fahnemann. Deshalb will Fahnemann die gerichtliche Mediation unbedingt weiter fortsetzen und noch ausbauen.

Weiterlesen: 1000. Mediation am Landgericht Osnabrück

Zur Durchführung einer Mediation wird das bereits anhängige Verfahren zum Ruhen gebracht. Mit Zustimmung der Parteien wird der Rechtsstreit dann für die Güteverhandlung an einen speziell geschulten Güterichter verwiesen, der alle Methoden der Streitschlichtung einsetzen kann. Dieser neutrale Richtermediator unterstützt die Parteien zusammen mit ihren Rechtsanwälten bei der Klärung der Problempunkte und der Suche nach gemeinsamen Lösungen. Der Güterichter sorgt in einem vertraulichen Rahmen dafür, dass alle aus Sicht der Parteien wesentlichen Interessen und Aspekte zur Sprache kommen und berücksichtigt werden.

155 Güterichtertermine im Jahr 2015

Der Präsident des Landgerichts Antonius Fahnemann dankte den Kollegen im Rahmen einer Feierstunde für Ihren Einsatz und verwies auf die beachtliche Erfolgsquote der Mediation, wie das Landgericht mitteilte. Die Bereitschaft zu einer Mediation steige fortlaufend an. Im Jahr 2015 wurden bis Oktober bereits 155 Güterichtertermine durchgeführt.

Schon 33 mehr Mediationsverfahren in diesem Jahr

Damit ist der Vorjahreswert schon jetzt um 33 durchgeführte Mediationen übertroffen. Die Mediation vereint viele Vorteile: In kaum einer anderen Verfahrensart können die Parteien mit ihren ganz individuellen Sorgen, Vorstellungen und Bedürfnissen laut Landgericht Osnabrück so intensiv Gehör finden. Dadurch könne manch festgefahrene Situation überwunden werden.

Höhere Akzeptanz

Da die Lösung des Konfliktes letztlich selbstbestimmt durch die Parteien erfolge, genieße die gefundene Lösung eine deutlich höhere Akzeptanz als eine streitige Entscheidung. Zugleich sind Mediationsverfahren für alle Beteiligten in hohem Maße effizient und wirtschaftlich. In einem Großteil der Fälle wird bei sehr kurzen Verfahrenslaufzeiten eine allseits zufriedenstellende Lösung erzielt; oftmals können die Konflikte zwischen den Parteien sogar über den anhängigen Rechtsstreit hinaus „an der Wurzel“ entschärft werden.

Der Präsident des Landgerichts Fahnemann verwies darauf, dass im Rahmen von Mediationsverfahren schon komplizierte Streitigkeiten mit mehreren Beteiligten und Streitwerten von mehreren Millionen Euro gelöst werden konnten. Fahnemann resümierte: „Ich freue mich sehr, dass die Mediation am Landgericht Osnabrück zu einem Erfolgsmodell geworden ist und ein hohes Ansehen genießt.“ Die Mediation sei eine große Bereicherung für die Rechts- und Streitkultur. Gerade die hohe Zufriedenheit der direkt betroffenen Parteien zeige ihm, dass an einem modernen Gericht alle verfügbaren Möglichkeiten zur einvernehmlichen Beilegung von Konflikten genutzt werden sollten.


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