Große Show mit Handlung Inklusical „Grand Hotel Vegas“ in Osnabrück


Osnabrück. Schade eigentlich, dass es heutzutage immer noch etwas so Besonderes ist, wenn behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen Theater spielen, tanzen und singen. Oder auch nicht, denn ohne diese besondere Voraussetzung wäre „Grand Hotel Vegas“ wohl nicht entstanden und Tausende Menschen wären um eine unterhaltsame Show ärmer.

Eigentlich ist es ja verblüffend, dass das Inklusical – die Kreuzung von Inklusion und Musical – nicht schon deutlich früher entstanden ist. Schließlich gibt es genug Menschen mit Handicap, die gerne tanzen, singen und auf der Bühne stehen. Sie zu fördern und zu zeigen, dass sie auch unmöglich scheinende Dinge tun können, ist Aufgabe der „Patsy und Michael Hull-Foundation“, die mit „Grand Hotel Vegas“ ihr fünftes Inklusical auf die Bühne bringt.

Mehrere Handlungsebenen

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Das aktuelle Stück spielt in dem titelgebenden Übernachtungs- und Unterhaltungs-Etablissement und verknüpft mehrere Geschichten. Zum einen ist da eine mysteriöse Diebstahlserie, die vor allem das Management des Hauses in Angst und Schrecken versetzt. Neben dem alkoholkranken Hausdetektiv Watson wird deshalb ein Damen-Detektiv-Trio engagiert, das undercover ermitteln soll.

Des weiteren ist da die Popdiva Char, die im Hotel ihre neue Show probt sowie der Modedesigner Giaccomo Marone, der ebenda seine neue Kollektion vorstellen und an die Frau bringen will. Wechselseitige Animositäten und Verwechslungen sorgen bis zum – arg aufgesetzten – Finale für kurzweilige zweieinhalb Stunden Unterhaltung.  

Atemberaubende Tanzszenen

 

Wenig überraschend für jeden Besucher, der die Namen von Patsy und Michael Hull auch schon einmal im Zusammenhang mit Tanzweltmeisterschaften gehört hat, ist die Tatsache, dass die in Osnabrück von 220 Tänzern dargebrachten Choreografien von Patsy Hull-Krogull und Guido Niermann den eigentlichen Schwerpunkt des Abends bilden. Sie reichen von vergleichsweise einfach, aber effektiv und sehenswert, bis hin zu absolut atemberaubend. Wenn man dabei insbesondere sieht, wie gut alle Menschen mit unterschiedlichsten körperlichen Voraussetzungen harmonieren, fragt man sich mal wieder, wieso eigentlich vorher noch niemand auf die Idee gekommen ist.

Durch geschickte Kombination mit Profis – oder zumindest doch sehr professionellen Laien und Menschen, die einfach nur aus Spaß an der Freude tanzen, – überzeugt im „Grand Hotel Vegas“ nahezu jede Choreografie. Das gilt mit Abstrichen auch für die Sänger, die die zumeist zur Handlung passenden Hits der neueren Popgeschichte, zu denen auch einige originäre Musicalmelodien gehören, mindestens solide, meistens aber doch recht stimmgewaltig und mit einigen Gänsehautmomenten interpretieren.  

Musical oder Revue?

 

Leider passen im Libretto von Guido Niermann nicht immer alle Spiel- und Tanzszenen zusammen. An einigen Stellen ist die Frage naheliegend, ob man sich gerade in einem Musical befindet, wo die Choreografie die Handlung weitertransportiert, oder man gerade eine Revue anschaut, wo einzelne Szenen zusammenhanglos nebeneinander stehen.

Schauspielerisch hat die Regie (ebenfalls Niermann) solide gearbeitet. Zwar ist der Osnabrücker Akzent in der einen oder anderen Szene doch recht deutlich herauszuhören, aber insgesamt agieren die Darsteller adäquat und rollendeckend. Und eine oscarreife Vorstellung erwartet wohl auch keiner der Besucher.  

Zusatzvorstellung

 

So sind die Aufführungen – am Morgen gab es noch eine Schulvorstellung – in Osnabrück ebenso wie an den anderen Stationen der Tournee letztlich ein voller Erfolg. In Essen, Stuttgart, Frankfurt, Bremen, Augsburg und Lübbecke war das Inklusical schon zu sehen, Hamburg und Berlin folgen am 13. und 26. November. Und weil die Karten für die Stadthalle so schnell vergriffen waren, haben die Organisatoren einen weiteren Termin angesetzt: Am Freitag, 4. Dezember, um 19.30 Uhr ist „Grand Hotel Vegas“ im Rahmen des Galaballs der Patsy und Michael Hull-Foundation ein weiteres Mal in der Stadthalle zu erleben.


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