Mangelnde Wirtschaftlichkeit os1.tv stellt Ende 2015 Sendebetrieb ein

Der vor sechs Jahren gegründete lokale Fernsehsender os1.tv stellt Ende des Jahres 2015 wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit den Sendebetrieb ein. Foto: Jörn MartensDer vor sechs Jahren gegründete lokale Fernsehsender os1.tv stellt Ende des Jahres 2015 wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit den Sendebetrieb ein. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Der vor sechs Jahren gegründete lokale Fernsehsender os1.tv stellt den Sendebetrieb Ende des Jahres wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit ein. Das teilte der Hauptgesellschafter NOZ Medien am Mittwochabend mit.

Der Geschäftsführer des größten Gesellschafters NOZ Medien, Laurence Mehl, begründete: „Ich bedauere sehr, dass es uns trotz größter Anstrengungen und eines sehr engagierten Teams nicht gelungen ist, in der Nähe einer wirtschaftlichen Tragfähigkeit zu arbeiten.“

Landesmediengesetz setzte enge Grenzen

Mehl kritisierte, dass die engen Grenzen des Landesmediengesetzes eine echte Integration von os1.tv in das Medienhaus verhindert hätten. Das niedersächsische Landesmediengesetz verhindert, dass NOZ Medien mehr als die bislang gehaltenen 49,9 Prozent der Anteile an os1.tv übernehmen konnte. Damit wurde eine engere Zusammenarbeit der Redaktionen von os1.tv und der Neuen Osnabrücker Zeitung unterbunden.

Investitionen in Bewegtbild künftig unabhängig von engen Grenzen

Mehl betonte: „Unsere Investitionen in das Bewegtbildangebot werden künftig unabhängig von den engen Grenzen sein, die uns das Landesmediengesetz gesetzt hat. Vor diesem Hintergrund werden wir das Internet-Bewegtbildangebot innerhalb der Redaktion, losgelöst von Kabel-TV und der von der Landesmedienanstalt vergebenen Kabel-TV-Lizenz, ausbauen.“

Lokales Internet-Bewegtbildangebot ausbauen und besser aufbereiten

Damit soll die heutige Reichweite von fast sechs Millionen monatlichen Besuchen (Visits) auf noz.de noch weiter ausgebaut werden. Auch das lokale Bewegtbildangebot für die rund 30000 digitalen Abonnenten soll künftig noch besser aufbereitet werden.

Mehl fügte hinzu: „Alle in Ausbildung befindlichen Mitarbeiter werden die Möglichkeit bekommen, ihre Ausbildung erfolgreich zu beenden.“ Für die übrigen Kollegen von os1.tv würden individuelle Unterstützungsmöglichkeiten geprüft.

„Schmuckstück für die Region“

Os1.tv-Chefredakteurin Claudia Puzik sagte: „Ich bedauere die Entscheidung für die Stadt und den Landkreis Osnabrück sowie für das Team. Wir haben mehr als 3000 Beiträge pro Jahr erstellt. Damit waren wir ein wirkliches Schmuckstück für unsere Region.“

„Rahmenbedingungen extrem schwierig“

Der os1.tv-Geschäftsführer Reinhard Werbeck konstatierte: „Lokalfernsehen funktioniert außer in Bayern in kaum einem Bundesland.“ Das liege daran, dass die Landesregierung in Bayern das Lokalfernsehen über die Landesmedienanstalt massiv unterstütze. In Niedersachsen sei das leider nicht der Fall. „Die Rahmenbedingungen, um sich über reine Vermarktung zu finanzieren, sind extrem schwierig.“

Bedauern bei den Stadtwerken

Der Aufsichtsrat der Stadtwerke Osnabrück stimmte am Mittwochabend dem Verkauf der Geschäftsanteile an os1.tv zu. Die Stadtwerke halten als Minderheitsgesellschafter 12,45 Prozent der Anteile. „Unser Aufsichtsrat und wir bedauern die Einstellung des Sendebetriebs sehr“, betonte der Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke, Manfred Hülsmann.

ev1.tv nicht betroffen

Wegen anderer Rahmenbedingungen ist ev1.tv von der aktuellen Maßnahme nicht betroffen. Gesellschafter des lokalen Fernsehsenders im Emsland, ev1.tv, sind NOZ Medien, das Verlagshaus Grafschafter Nachrichten, eine Tochtergesellschaft des Landkreises Emsland und der Medienunternehmer Alex Backers.

os1.tv im September 2009 als Web-TV gestartet

os1.tv ist im September 2009 gestartet, zunächst nur im Internet als Web-TV. Seit September 2011 ist der Kanal auch im Kabelfernsehen zu empfangen. Gesellschafter sind die NOZ Medien (49,9 Prozent), Nordwestzeitung (25,2 Prozent), Stadtwerke Osnabrück (12,45 Prozent) und die New Content Media Group als Tochtergesellschaft des Energie- und Telekommunikationsversorgers EWE (12,45 Prozent).


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