Hausverbot für jungen Inder „La Vie“-Chef Bühner wirft Zara Rassismus vor

Unter falschem Verdacht: Shinas Abdul Hameed Shahida ist Patissier im „La Vie“. Dreisternekoch Thomas Bühner ist überzeugt, dass sein Mitarbeiter wegen seiner Hautfarbe ein Hausverbot von Zara bekommen hat. Foto: Gert WestdörpUnter falschem Verdacht: Shinas Abdul Hameed Shahida ist Patissier im „La Vie“. Dreisternekoch Thomas Bühner ist überzeugt, dass sein Mitarbeiter wegen seiner Hautfarbe ein Hausverbot von Zara bekommen hat. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Ein junger Mann wird vom Hausdetektiv bei Zara durchsucht, aber der Verdacht löst sich in Luft auf. Dennoch bekommt er ein Jahr Hausverbot. Vielleicht, weil er als Inder eine dunkle Hautfarbe hat? Der 26-Jährige ist Patissier im Edelrestaurant „La Vie“. Sein Chef, Dreisternekoch Thomas Bühner, spricht von „verstecktem Rassismus“. Ein Vorwurf, den eine Unternehmenssprecherin von Zara zurückweist.

Shinas Abdul Hameed Shahida ist als Mitarbeiter von Chefpatissier René Frank Spezialist für die süßen Sachen, die es im „La Vie“ zum Dessert gibt, auch für Pralinen und selbstgebackenes Brot. Am verkaufsoffenen Sonntag war er bei Zara, um sich nach einer Jacke umzuschauen. Die Bekleidungskette kenne er schon von seinen früheren Stationen in Indien, den Malediven, Dubai und Katar, sagt Shinas, den Thomas Bühner vor einem Jahr nach Osnabrück geholt hat.

Am Sonntag konnte sich der junge Mann nicht für eine Jacke von Zara entscheiden. Als er die Filiale in der Großen Straße verließ, begann die Diebstahlsicherung zu piepen – aber der Alarm sei von Hand ausgelöst worden, erklärt Shinas. Ein Hausdetektiv und ein weiterer Mitarbeiter führten ihn in einen separaten Raum, kopierten seinen Pass und durchsuchten seinen Rucksack. Aber sie entdeckten nichts, das ihren Verdacht begründet hätte. Eine Entschuldigung wurde nicht ausgesprochen. Stattdessen bekam der Kunde ein Hausverbot für ein Jahr. Seine Bitte, mit dem Manager zu reden, wurde abgelehnt.

Multikultureller Mikrokosmos

Über Facebook teilte Shinas der spanischen Textilkette noch am Sonntag seine große Enttäuschung mit. Er schrieb auch, dass er in einem angesehenen Lokal arbeite und gut verdiene. Doch er bekam nur eine automatisierte Antwort.

Sein Chef Thomas Bühner ist überzeugt, dass die Sicherheitsleute aus dem Modegeschäft Anstoß an der Hautfarbe seines Mitarbeiters genommen haben. „Was mich stört, ist dieser versteckte Rassismus!“, empört sich der Sternekoch, für den es selbstverständlich ist, dass in seiner Küche Menschen aus den verschiedensten Kontinenten kreativ zusammenarbeiten.

Auf Shinas lässt Bühner nichts kommen. Sein Patissier sei ein ehrgeiziger, absolut verlässlicher und stolzer Mann. Was er produziere, sei gleichmäßig und vollendet. Er passe perfekt in den multikulturellen Mikrokosmos des „La Vie“.

Auf ein ähnlich buntes Image beruft sich auch die Unternehmenssprecherin von Zara. Die Modekette sei in über 80 Ländern vertreten und habe Mitarbeiter aus 180 Nationen. „Eine Vielfalt, auf die wir stolz sind“, erklärte die PR-Frau aus der Hamburger Zentrale, die ihren Namen nicht nennen wollte. Schon deshalb sei der Vorwurf der Diskriminierung absurd.

In ihrer Stellungnahme zum Vorfall in Osnabrück berief sie sich auf das Hausrecht der hiesigen Filiale. Es habe einen Verdacht gegeben, und die Mitarbeiter seien in letzter Zeit „sehr sensibilisiert“, weil es einige Probleme mit dem „organisierten Verbrechen“ gebe. Mit Rassismus und Diskriminierung habe das aber nichts zu tun, da gebe es „null Komma null Zusammenhang“.

Keine Entschuldigung

Warum hat sich Zara nicht bei Shinas Abdul Hameed Shahida entschuldigt? Das sei eine Entscheidung der Filiale, erklärte die Unternehmenssprecherin. Sie entscheide, wie mit einem Verdacht umgegangen werde. Darüber werde aber intern noch einmal gesprochen, kündigte sie an.

Bleibt noch die Frage, warum das Hausverbot nicht zurückgenommen wurde, nachdem sich der Verdacht nicht bestätigt hat. Auch das sei Angelegenheit der Osnabrücker Filiale, erklärte die Zara-Sprecherin. Ein Hausverbot werde schließlich nur erteilt, „wenn es konkrete Hinweise gibt“.


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