„Latinale 2015“ in Osnabrück Poesiefestival der Vielfalt im Ledenhof

Lesung mit Judith Santopietro und Luis Chaves. Rechts Rike Bolte von der Uni Osnabrück. Foto: Michael GründelLesung mit Judith Santopietro und Luis Chaves. Rechts Rike Bolte von der Uni Osnabrück. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Als Kooperations-Veranstaltung des Literaturbüros Westniedersachsen und des Fachbereichs Romanistik/Latinistik der Universität Osnabrück machte das mobile Poesiefestival mit lateinamerikanischer Lyrik am Dienstag zum Auftakt der „Latinale 2015“ zum vierten Mal in der Hasestadt Station.

„Weil auf dem Gipfel dieses Berges niemand weint/ sind da nur von Traurigkeit starre Flüsse“. Mit diesen Zeilen beginnt das Gedicht „Chakaltaya“ der mexikanischen Dichterin Judith Santopietro. Poetisch und mystisch zugleich mutet diese Lyrik an, die von Santopietro in spanischer Sprache vorgetragen wird und parallel dazu in deutscher Übertragung auf einer Leinwand im Osnabrücker Ledenhof erscheint. Lateinamerikanische Dichterinnen und Dichter mit ihren Werken live erleben, darum geht es beim „Latinale“-Festival, das 2006 von der Literaturwissenschaftlerin und Übersetzerin Rike Bolte in Berlin gestartet wurde.

Als Kooperations-Veranstaltung des Literaturbüros Westniedersachsen und des Fachbereichs Romanistik/Latinistik der Universität Osnabrück machte das mobile Poesiefestival am Dienstag zum Auftakt der „Latinale 2015“ zum vierten Mal in der Hasestadt Station. Moderiert wurde die bilinguale Lesung mit anschließendem Gespräch von den Osnabrücker Studierenden Katja Brama und André Beyer-Lindenschmidt vom Universitätsprojekt „latinale. academia“.

Im Zentrum stand die Lyrik von drei jungen Poetik-Talenten aus Mexiko, Costa Rica und Ecuador, die einmal mehr die Vielfalt lateinamerikanischer Poesie zeigten. Den Auftakt machte die 1983 geborene Dichterin, Radiomoderatorin und Kartonbuch-Verlegerin Judith Santopietro, die zuvor am Institut für Romanistik einen Workshop über Kartonbücher sowie indigene und spanischsprachige Lyrik in Mexiko angeboten hatte. Auch in ihrer Dichtung setzt sie sich ein für die Rückbesinnung auf die aztekische Nawatl-Sprache sowie die anderen der über 60 indigenen Sprachen Mexikos.

Ironisch aufgebrochene Lyrik gehört wiederum zum Stilmittel des 1969 in Costa Rica geborenen Luis Chaves. So schreibt er in „Synthese“ einerseits über einen Peruaner, der die „Version eines angesagten Hits“ auf „Andeninstrumenten“ spielt und sieht andererseits den Nationalvogel als „frittiertes Hähnchen“.

Eine eigenwillige Wortperformance bot schließlich die 1979 in Ecuador geborene Elsye Suquilanda vom internationalen „Kollektiv Dunckerstraße“ in Berlin. Mit ihrer „experimental techno poetry“ betrachtete sie in „Dona Berlin“ die Spree-Metropole wie durch eine Schneekugel oder vermengte ihre gesprochene und gesungene Lyrik mit typisch deutschen Wörtern wie „Organspenderausweis“.


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