Kampf gegen Plastiktüten Hier im Video: EU lobt Osnabrücker Schüler auf Youtube

EU-Umweltkommissar Karmenu Vella zeigt sich in einer Videobotschaft an die Bürger Osnabrück begeistert von der Idee, die Stadt von Plastiktüten zu befreien. Screenshot: Sebastian StrickerEU-Umweltkommissar Karmenu Vella zeigt sich in einer Videobotschaft an die Bürger Osnabrück begeistert von der Idee, die Stadt von Plastiktüten zu befreien. Screenshot: Sebastian Stricker

Osnabrück. Bis Ende 2017 will eine Schülerinitiative die Stadt Osnabrück von Plastiktüten befreien. Für dieses Vorhaben gibt es nun Lob von höchster politischer Stelle: In einer Youtube-Videobotschaft an alle Osnabrücker ruft EU-Umweltkommissar Karmenu Vella zur Unterstützung der Aktion auf.

„Liebe Osnabrückerinnen und Osnabrücker“, beginnt der EU-Kommissar seine knapp dreiminütige Ansprache, die am Dienstag auf Youtube veröffentlicht wurde. „Ich war wirklich beeindruckt, als ich von der Initiative einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern aus Ihrer Stadt hörte, die bis Ende 2017 ein plastiktütenfreies Osnabrück erreichen wollen.“ Plastiktüten seien ein Symbol unserer Wegwerfgesellschaft, so der Politiker aus Malta weiter.

Plastikmüll im Essen

Jedes Jahr würden in der Europäischen Union schätzungsweise 99 Milliarden Plastiktüten verbraucht. Damit komme auf jeden Haushalt eine Tüte am Tag, oder umgerechnet 200 Tüten pro Jahr auf jeden Bürger. Dabei sei es leicht, auf Plastiktüten zu verzichten und stattdessen Papiertüten oder besser noch Stoffbeutel zu verwenden.

„Die Produktion von Plastiktüten verschlingt eine Menge wertvoller Ressourcen, und ihre Entsorgung verursacht große Umweltschäden“, erklärt Karmenu Vella. Allein in den Ozeanen würden ungefähr 200.000 Tonnen Plastikmüll schwimmen und stellenweise ganze „Plastikinseln“ bilden. Dies schade nicht nur den Tieren, die im und vom Meer leben, sondern letztlich auch uns Menschen, weil der Müll so in die Nahrungskette gelangt.

Appell zum Verzicht

Die Europäische Union habe deshalb kürzlich ein Gesetz beschlossen, dass die Verwendung von Plastiktüten eindämmen werde, so der EU-Kommissar – um anschließend auch die Menschen in die Pflicht zu nehmen. „Zusätzlich brauchen wir die Unterstützung von Städten und Gemeinden, Geschäften und Bürgern!“

Er begrüße deshalb ausdrücklich das Engagement der wachsenden Osnabrücker Schülerinitiative, die sich mittlerweile um die Klimabotschafter-AG der Ursulaschule herum gebildet hat. Karmenu Vella: „Ich möchte jeden in Osnabrück ermutigen, daran teilzunehmen.“ Und an alle beteiligten Schüler gerichtet, sagte er: „Das habt Ihr toll gemacht, viel Erfolg!“

Ausgefallene Aktionen

Eingefädelt wurde die Videobotschaft von Europaparlamentarier Matthias Groote (SPD) aus Leer. Er hatte die Klimabotschafter der Ursulaschule im Sommer 2012 besucht. Seitdem halten beide Seiten Kontakt. Groote ist unter anderem Sprecher seiner Fraktion im Umweltausschuss.

Das Schülerprojekt „Plastiktütenfreies Osnabrück“ selbst steht unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. Die Leitung hat der Lehrer Tobias Romberg. Offiziell gestartet wurde es im Oktober 2014. Die Osnabrücker Klimabotschafter werben aber bereits seit 2011 unter dem Dach des Berliner Vereins „Youthinkgreen – Jugend denkt um.welt“ vor Ort für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur.

10.000 Stoffbeutel für Osnabrück

Bei ihrem Kampf gegen Plastiktüten machen die Schüler von Beginn an mit ausgefallenen Aktionen Schlagzeilen: Mal knöpfen sie Einkaufsbummlern in der Fußgängerzone ihre Plastiktüten ab und verschenken dafür Baumwolltaschen, mal stellen sie bunte Mülltonnen als Sammelbehälter auf. Eine zunehmende Zahl von Osnabrücker Läden trägt inzwischen das offizielle Siegel „Plastiktütenfreies Geschäft“.

Erst im Juni wickelten die Schüler eine Kette aus 8000 alten Plastiktüten um die Bischöfliche Kanzlei. Aus dem Müll sollen übrigens neue, haltbare Plastiktaschen hergestellt werden. Für den 28. November ist bereits die nächste spektakuläre Aktion geplant: Dann sollen nach Auskunft von Lehrer Romberg vormittags am Nikolaiort „10.000 Stoffbeutel für Osnabrück“ präsentiert werden.


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