Depression mit Humor begegnet Tobi Katze amüsiert mit ernstem Thema in der Lagerhalle

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Gewährte Einblick in die Leere: Tobi Katze. Foto: OsterfeldGewährte Einblick in die Leere: Tobi Katze. Foto: Osterfeld

Osnabrück. Es ist nicht lustig, wenn Depression diagnostiziert wird. Für den Dortmunder Poetry Slammer und Autor Tobi Katze war es allerdings eine Befreiung, weil er nun Klarheit darüber hatte, „endlich offiziell verrückt“ zu sein. Und trotzdem oder gerade deshalb Witze über seine Krankheit nicht nur machen kann, sondern muss, um es auszuhalten.

„Morgen ist leider auch noch ein Tag“ heißt sein Buch, aus dem er im gut besuchten Spitzboden der Lagerhalle las. Und dabei dem Publikum schnell und augenzwinkernd die „Illusion“ nahm, dass „Depressionen nur positive Seiten haben“. Überaus selbstreflektiert und stets fein pointiert gewährte er Einblicke in das Leben mit dem „Trostpreis der Behinderung“, der oftmals missverstanden wird. Nicht der Ruf nach Aufmerksamkeit und auch nicht Traurigsein ist der Grund für eine Depression, sondern das Gefühl der bleiernen Leere, die einen antriebslos und gleichgültig werden lässt und eine „Sehnsucht nach Normalität“ nährt - mit Zielen und Plänen, die zum Aufstehen bewegen. „Manchmal wäre ich froh, einfach nur traurig zu sein“, bringt Tobi Katze diesen Zustand auf den Punkt.

 Immer wieder findet er auch treffende Analogien, die auf unterhaltsame Weise aufklären. Etwa die, dass man einen Beinbruch ja auch nicht selbst behandelt und sich professionelle Hilfe holt. Oder dass der gelähmte Rollstuhlfahrer auch nicht aufstehen kann und dass es dafür eben auch psychische Gründe geben kann. Als eine Zuschauerin moniert, dass er zu schnell liest, findet Tobi Katze es nicht gut, ausgebremst zu werden, wenn er sich doch schon einmal mitreißen lassen und für etwas begeistern kann - bei seiner Diagnose! Seine Biografie sei schon immer dadurch geprägt gewesen, „über das Schreiben einen Sinn zu finden“, erklärt er sich selbst. Eine Strategie, die ihm nun umso mehr hilft. Der Depression mit Humor zu begegnen, Texte darüber zu schreiben und mit ihnen auf Lesereise zu gehen, scheint jedenfalls nicht die schlechteste Variante zu sein, sich mit der Krankheit zu arrangieren. Aber sicher auch eine, die nicht vielen vergönnt ist, die darunter leiden.


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