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1,96 Prozent Anteil Stadtwerke Osnabrück steigen aus Kohlekraftwerk aus – Millionenverlust?

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Grundsteinlegung des RWE-Kraftwerks in Hamm 2008. Von links der damalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, Bundeskanzlerin Angela Merkel, RWE-Vorstandsvorsitzender Jürgen Großmann und der Vorstandsvorsitzende RWE-Power AG, Johannes Lambers. Foto: Bernd Thissen/ dpaGrundsteinlegung des RWE-Kraftwerks in Hamm 2008. Von links der damalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, Bundeskanzlerin Angela Merkel, RWE-Vorstandsvorsitzender Jürgen Großmann und der Vorstandsvorsitzende RWE-Power AG, Johannes Lambers. Foto: Bernd Thissen/ dpa

Osnabrück. Die Stadtwerke Osnabrück steigen aus dem Kohlekraftwerk Hamm-Uentrop aus. Es droht ein Millionenverlust.

Das Gekko-Kohlekraftwerk in Hamm-Uentrop steht unter keinem guten Segen. Baufehler und die Auswirkungen der Energiewende machen das nagelneue Kraftwerk zum Millionengrab. Die Baukosten stiegen von zwei auf über drei Milliarden Euro. Der zweite der beiden neuen Blöcke wird wohl wegen schwerer Probleme mit der Kesseltechnik nie in Betrieb gehen. Zwischen den Gesellschaftern und dem Kesselhersteller tobt ein teurer Rechtsstreit.

Gesellschafter sind die RWE Power AG und 23 Stadtwerke, darunter die Stadtwerke Osnabrück mit einem Anteil von 1,96 Prozent. Neun Millionen Euro Eigenkapital und 40 Millionen Euro Fremdkapital hat das Osnabrücker Versorgungsunternehmen in das Skandalkraftwerk gesteckt. Die 23 Stadtwerke investierten insgesamt 500 Millionen Euro in das Mega-Projekt. Wahrscheinlich ist das Geld weg, verbrannt in einer Kraftwerksinvestition, die bei der Grundsteinlegung 2008 im Beisein von Kanzlerin Merkel noch in höchsten Tönen gelobt worden war.

Zwischen RWE und den 23 Stadtwerken ist ein Ausstiegsmodell vereinbart worden, über das die kommunalen Versorgungsunternehmen bis Ende November entscheiden müssen. Der Aufsichtsrat der Stadtwerke Osnabrück wird sich am Mittwoch, 4. November, mit den Ausstiegsmodalitäten befassen, wie Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer am Donnerstag bestätigte.

RWE ist grundsätzlich bereit, die Stadtwerke aus den Verträgen zu entlassen und die Anteile komplett zu übernehmen. Wie der „Westfälische Anzeiger“ aus Hamm berichtet, haben die Stadtwerke die Möglichkeit, ihre Anteile vollständig zurückzugeben. RWE sei in diesem Fall bereit, 10 bis 15 Prozent der Einlage zurückzuerstatten. Das wären für Osnabrück grob gerechnet eine Million Euro. RWE handelt den Betrag mit jedem einzelnen Anteilsgeber aus. Das andere Ausstiegsmodell sieht vor, dass ein 50-prozentiger Anteil in einen langfristigen Stromliefervertrag umgewandelt wird.

Ende des vergangenen Jahres hatte RWE den Gesellschaftern noch angeboten, deren Anteil für einen Euro zu übernehmen. Dieser Vorschlag ist vom Tisch.

Egal, für welches Modell sich der Aufsichtsrat in Osnabrück entscheidet: Es wird Geld kosten. Die Fehlinvestition belastet die Bilanz der Stadtwerke spürbar. Es wurde eine Risikorücklage von 30 Millionen Euro gebildet. Umweltschützer, die Grünen und die Osnabrücker Klimaallianz standen von Anfang an der Kohlestrom-Beteiligung kritisch gegenüber.


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