Umstrittene Entscheidung Just Another Foundry gewinnt Jungen Jazzpreis


Osnabrück. Drei Bands traten im Blue Note zum Finale des 3. Jungen Deutschen Jazzpreis an. Als die Jury ihre Entscheidung verkündete, das Trio Just Another Foundry zum Gewinner des mit 2500 Euro dotierten Preises zu küren, sah man im Saal so manches Stirnrunzeln.

Sicherlich, es war eine schwere Entscheidung. Aus den zahlreichen Bewerbungen hatte die dreiköpfige Jury Finalisten ausgesucht, die die unterschiedlichsten Jazzgenres bedienen und auch in anderen Stilgefilden wildern. Da spielte das Osnabrücker Trio Malstrom ausgesprochen dynamisch und abwechslungsreich um die Gunst der Juroren. Da trat das Pascal Bartoszak Quartett das Erbe der Swing-Ära in den 40er und 50er Jahren an. Und da kontrastierte das Saxophontrio Just Another Foundry exaltierte Toneruptionen mit poetischen Passagen.

„Alle Bands, die hier heute aufgetreten sind, waren toll und haben einen Preis verdient, doch nur eine Band kann gewinnen“, hatten die Juroren betont, als es gegen Mitternacht zur Preisverleihung kam. Birnen mit Äpfeln hätten sie verglichen, obwohl bei allen Bands das Altsaxophon den Ton angab, sagten Volker Dueck vom Jazzlabel Doublemoon Records, Jazzmusiker Henning Sieverts und Frank Wingold, Professor für Jazzgitarre am Institut für Musik (IfM) der Hochschule Osnabrück. Mit Authentizität und Ehrlichkeit habe die Gewinnerband überzeugt, außerdem sei sie die musikalisch reifste, so die Juroren.

Dagegen waren viele Zuschauer gerade von der unkonventionellen Mixtur des Trios Malstrom begeistert gewesen, das in ungewöhnlicher Besetzung auftrat: Saxophonist Zalim Javaid, Gitarrist Axel Zajac und Schlagzeuger Jo Beyer mischten melodischen Jazz mit experimentell-assoziativem Ausbrüchen und fügten der lebendigen Melange auch mal eine Prise Metal, Punk, spukige Surfmusik oder gar Drum´n´Bass hinzu.

Nicht weniger experimentierfreudig gab sich Gewinnerband Just Another Foundry. Sie bettete ihren modernen Jazz in eine Rahmenhandlung, eine leicht abstruse Liebesgeschichte in der Toskana, die sich in Titeln wie „Ricciomania“, also „Igelwahn“, oder „Rheinfahrt“ niederschlug. Jaulender Kontrabass und lautmalerische, atonale Saxophontöne führten in balladeske Gefilde oder rasanten Speedswing.

Entspannt-melodiös hatte das Pascal Bartoszak Quartett den Finalabend beendet, bevor sich die Juroren zur Beratung zurückzogen. Die Eigenkompositionen des Altsaxophonisten Bartoszak, Tribute an die swingende Jazztradition, wurden äußerst versiert gespielt und mit den üblichen Soloeinlagen garniert. Da zeigten nicht nur Frontmann Bartoszak, Kontrabassistin Caris Hermes und Schlagzeuger Niklas Walter virtuos ihre Qualitäten, besonders Pianist Jakob Lüffe entpuppte sich als spielfreudiger Tastenmeister. Aber auch diese Performance genügte der Jury nicht für den ersten Preis.

So durften letztendlich Saxophonist Jonas Engel, Drummer Anthony Greminger und Bassist Florian Herzog von Just Another Foundry den Scheck über 2500 Euro entgegennehmen. Die Band aus Köln ist neben The Ropesh (2013) und Tamara Lukasheva (2014) das dritte Ensemble, das mit dem Jungen Deutschen Jazzpreis ausgezeichnet wurde. Der Preis war von IfM initiiert worden, um die Jazzszenen deutscher Hochschulen stärker miteinander zu vernetzen und junge kreative Bands auf ihrem Weg in die Professionalität voran zu bringen.


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