Maximal 70 Plätze in Bad Essen Burg Wittlage wird Zwischen-Unterkunft für Flüchtlinge


Bad Essen. Die Burg Wittlage in der Gemeinde Bad Essen steht als Flüchtlingsunterkunft für den Notfall zur Verfügung. Dies erklärte Landkreissprecher Burkhard Riepenhoff auf Anfrage der Redaktion. Als eine Art „Überlaufventil“ dient die Einrichtung als Zwischen-Unterkunft, wenn eine Kommune ihre Zuweisungsquote kurzfristig nicht erfüllen kann.

Die Heilpädagogische Hilfe Osnabrück (HHO) als Eigentümer der Burg habe dem Landkreis angeboten, in der als Wohnheim ausgebauten historischen Burg Wittlage bis zu 70 Asylbewerber für den Fall unterbringen zu können, „dass eine der Städte oder Gemeinden im Kreisgebiet mit der Erfüllung ihrer vom Land Niedersachsen zugewiesenen Flüchtlingsquote kurzfristig überfordert sein sollte.

Info-Veranstaltung

Details für den Fall einer Unterbringung werden derzeit zwischen Landkreis und HHO besprochen, die Bevölkerung in Bad Essen soll während einer öffentlichen Informationsveranstaltung Mitte November ihre Fragen zu den Plänen ausführlich mit Fachleuten diskutieren können.

„Wir sind noch in einem frühen Zeitpunkt der Pläne und wollen das Angebot der HHO so transparent wie möglich behandeln sowie die zahlreichen offenen Fragen zu Unterkunft und Betreuung jetzt schnell klären“, so der verantwortliche Kreisrat Winfried Wilkens, der die drei verschiedenen Wege erläutert, auf denen Flüchtlinge derzeit in das Osnabrücker Land kommen: „Wir haben zum einen Erstaufnahmeeinrichtungen wie die in Bramsche-Hesepe als erste Anlaufstation in der Verantwortung des Landes Niedersachsen. Von dort werden die Flüchtlinge dann zum anderen vom Land Niedersachsen auf die Städte und Gemeinden verteilt, wobei die Quote für jede Kommune sich immer wieder ändern kann. Und für genau den Fall, dass eine unserer Städte oder Gemeinden diese Zuweisungsquote kurzfristig nicht erfüllen kann, soll die Burg Wittlage als vorübergehende Zwischen-Unterkunft dienen.“ Darüber hinaus hätten die Bürgermeister im Landkreis vereinbart, sich auch untereinander solidarisch zu zeigen und gegenseitig bei Bedarf mit Unterkünften auszuhelfen.

Unterkünfte gesucht

Als dritten Weg habe das Land Niedersachsen schließlich dann noch die Landkreise im Wege der Amtshilfe aufgefordert, Flüchtlinge direkt unterzubringen, so Wilkens weiter: „Das trifft uns derzeit noch nicht, weil schon so viele Flüchtlinge in Hesepe und damit im Landkreis untergebracht sind. Wir können aber nicht ausschließen, dass auch wir in Zukunft Flüchtlinge direkt unterbringen müssen und dafür suchen wir rein vorsorglich bereits geeignete Unterkünfte, allerdings dann für deutlich größere Gruppen.“

Eine Unterbringung zum Beispiel in Turnhallen soll so vermieden werden. Die geplante Bereitstellung der 70 Plätze in der Burg Wittlage als Zwischen-Unterkunft habe damit also nichts zu tun und sei ausdrücklich nur als eine Art „Überlaufventil“ für die Städte und Gemeinden gedacht, so Wilkens, der außerdem betonte, dass die Höchstzahl von 70 Plätzen in Wittlage nicht überschritten werde.

„Für den Winter“

Zu der voraussichtlich für die zweite Novemberwoche geplanten öffentlichen Informationsveranstaltung werden Landkreis Osnabrück und Gemeinde Bad Essen rechtzeitig einladen, zumal laut Wilkens „auch die Zustimmung der Landkreis-Politik noch eingeholt“ werden müsse.

Bad Essens Bürgermeister Timo Natemeyer betont in einer Stellungnahme: „Wichtig ist aus Sicht der Gemeinde Bad Essen, dass eine mögliche Nutzung der Burg Wittlage im gesundheitswirtschaftlichen Bereich nicht konterkariert wird, für die es bereits in einigen Monaten eine konkrete Perspektive geben könnte. Dieses hat der Landkreis Osnabrück gegenüber der Gemeinde und der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück zugesagt. Es entspricht aber auch dem Gedanken der Solidarität innerhalb des Osnabrücker Landes, dass die in Rede stehenden bis zu 70 Plätze als Reserve über den Winter zur Verfügung stehen können.“


Burg Wittlage 1309 erbaut

Die Burg Wittlage, 1309 durch den Osnabrücker Bischof Engelbert II. als Grenzfestung gegen Diepholz und Minden erbaut, ist ein steinerner Zeuge der Regionalgeschichte und das Symbol der Wittlager Identität.

Im Verlauf des 30-jährigen Krieges mehrfach geplündert, wurde das historische Gebäude ab 1716 Sitz des Amtsvogtes und verschiedener Verwaltungen.

Nach der Gebietsreform von 1972 und der Auflösung des Landkreises Wittlage wurde die geschichtsträchtige Burganlage mit ihrem siebengeschossigen Turm über viele Jahre hinweg als Tagungs- und Bildungsstätte des neuen Landkreises Osnabrück genutzt. Später übernahm die Heilpädagogische Hilfe Osnabrück (HHO), die auch heute noch Besitzerin der Immobilie Burg ist, die Räumlichkeiten. 2013 stellte die HHO ihre Arbeit auf der Burg ein, wo es Wohngruppen und eine Tagespflege für behinderte Menschen sowie ein Tagungs- und Gästehaus gab.

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