Ausstellung im BBK-Kunstquartier Selbstkonfrontative Bilder von Raymond Unger

In den Werken Raymond Ungers werden die Kirche, Tod und Teufel zum Spottobjekt. Foto: David EbenerIn den Werken Raymond Ungers werden die Kirche, Tod und Teufel zum Spottobjekt. Foto: David Ebener

Osnabrück. Bis zum 14. November sind im BBK-Kunstquartier Ölbilder zu sehen, mit denen Raymond Unger seine problematische Kindheit verarbeitet: Er wuchs in einer streng religiösen Familie mit orthodoxen Moralvorstellungen auf.

Er wirkt wie ein Getriebener. Einer, der seine Geschichten an den Mann bringen muss. Oder an die Frau. Und was das für Geschichten sind, die einem da förmlich ins Auge stechen: Sie sind voll von aggressiver Sexualität, Märchen- und Sagenwelt werden gruselig zitiert, die Kirche wird ebenso zum Spott-Objekt wie Tod und Teufel.

Selbstkonfrontativ nennt Raymond Unger seine Kunst. Damit meint er, dass er sich beim Malen mit den Problemen herumschlägt, die ihm seine Kindheit und Jugend verdorben haben. Denn Tabuisierung von Sexualität eliminiert diese nicht aus den Gedanken eines Teenagers. Sie führt eher zu verhängnisvollen Stauungen, die sich in Fantasien entladen können, wie Unger sie malt. Zum Beispiel „Snapshot“, ein Porträt von zwei jungen, leicht bekleideten Frauen, die sich gegenseitig die Zunge in den Mund stecken. Oder das assoziationsreiche Bild „Fathers´s Death“ mit der Ziege im Frauenkörper, die einem Wolf den Bauch aufschlitzt, aus dem ein Baby hervorkommt. Gehenkte Gartenzwerge, Pinocchio, der auf einem schwarzen Hengst an einem nackten Gekreuzigten vorbeireitet, oder Gevatter Tod, der seinem Skelett-Junior Tipps fürs Leben gibt – Ungers Bilder sind provokativ, hemmungslos, ehrlich.

Um die direkte Wirkung der Bilder zu unterstützen, greift der Künstler seit 2004 nicht mehr zum Pinsel, sondern trägt seine Ölfarbe ausschließlich mit dem Malerspachtel auf. Dadurch entstehen spontane, alles andere als durchdacht-konstruierte Werke, deren grob-pastose Farbschichten faszinieren. Die sich allerdings nicht mehr bearbeiten lassen, wenn die Spachtelspuren erst einmal angetrocknet sind. Daher gehört eine gewisse Meisterschaft dazu, solche Farbmischungen zu generieren, wie Unger sie hinbekommt.

Unger, der 2011 mit dem Internationalen Lucas Cranach Sonderpreis für Malerei ausgezeichnet wurde, gründete das Deutsche Forum für Remodernismus, eine Stilrichtung, die an die Ideale von Romantik und Moderne anknüpft und subjektive Elemente in der Kunst durchaus akzeptiert.


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