Tour zum neuen Album und Film Christian Steiffen nimmt „Ferien vom Rock´n´Roll“

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Christian Steiffen wieder mal berüscht mit Fans. Foto: Tom BullmannChristian Steiffen wieder mal berüscht mit Fans. Foto: Tom Bullmann

Osnabrück. Der Heilsbringer der schrägen Unterhaltung, Sänger Christian Steiffen, hat zurzeit viel zu tun: Sein neues Album kommt am 16. Oktober heraus, seine Tour startet mit einem Release-Konzert am selben Tag im Rosenhof und am Mittwoch, 7. Oktober, ist er in einer Rolle im brandaktuellen Film „Alki Alki“ von Regisseur Axel Ranisch zu sehen, dem Eröffnungsfilm des Unabhängigen Filmfest Osnabrück.

Lässig räkelt sich Christian Steiffen auf dem Bett. Gerade macht er eine kurze Audienz-Pause, hier im Hotel Residenz, in dem die Zeit stillzustehen scheint: Bakelit-Telefon, Mustertapete, Schleiflack-Möbel. Noch trägt der Sänger ein grellgelbes Hemd mit roten Rüschen. Doch als nächster Besucher steht „Indianer“ auf der Liste, hochdotierter Speed-Rodeo-Reiter und Steiffen-Fan der ersten Stunde. Also begibt sich der Sänger in seine „Garderobe“ im Nebenzimmer. Dort wartet seine Rüschenhemdkollektion in allen Farben des Regenbogens, denn: Jeder Gast wird in einer anderen Hemdfarbe begrüßt.

Eine Spontanaktion war das, was Steiffen mit seinem Team inszeniert hatte: „Prelistening-Session“ nennt man auf Neudeutsch die exklusive Chance für einen ausgesuchten Fankreis, brandaktuelle Lieder eines Künstlers vorab hören zu können. Per facebook hatten sich etliche Hardcore-Steiffen-Anhänger beworben, ein Dutzend bekam schließlich die frohe Botschaft: Ihr dürft vorbeikommen, um mit dem smarten Sänger bei Puffbrause oder Nostalgie-Fanta die Songs vom Album zu hören, das erst Mitte Oktober käuflich zu erwerben ist. Und da saßen sie dann mit dem schlacksigen Star auf dem Bett und lauschten ehrfürchtig den neuen Songs: die Feuerwehrleute aus der Region Osnabrück, die Fans aus Trier oder eben der Indianer mit der derangierten Perücke auf dem Kopf.

Erfolg hat er, der krasse Christian. Seit seiner Kandidatur zum Oberbürgermeister von Osnabrück ist er in aller Munde. Teenager finden ihn witzig, wenn er von „Sexualverkehr“ träumt und weil er seine Rolle als Schlagerheld jenseits von Musikantenstadel und ZDF-Fernsehgarten so überzeugend spielt. Erwachsene können beim Steiffen froh und munter sein, klatschen, mitsingen und auf der Straße Polonaise tanzen, ohne piefig zu wirken.

„Ich bin viel zu heiß“ singt Steiffen auf dem neuen Album mit Pathos in der Stimme, derweil Dr. Martin Haseland, der Musiker an seiner Seite, als das „Original Haseland Orchester“ die Keyboards zirpen und die Rhythmusmaschine nostalgisch zischeln lässt. Bei Steiffens Texten drehen Frauen durch ob dieser exzessiven Selbstverliebtheit in Verbindung mit einer Überdosis Charme. Wenn er im Song „Die dicksten Eier der Welt“  seine Geschlechtsgenossen in die Schranken weist oder in „Die faule Sau“ dem Schöpfer an den Karren pinkelt, dann fragt sich allerdings manch ein Zeitgenosse, der das Kunstobjekt Christian Steiffen nicht versteht, ob es sich bei den Songs nicht doch um Persiflagen oder schlicht um Trash handelt.

Den 800 Fans, die ein Ticket für das ausverkaufte Release-Konzert im Rosenhof ergattern konnten, ist die Charakterisierung der Steiffen-Musik schlichtweg egal. Sie wollen Spaß haben, Party feiern und mit dem Sänger zusammen Lieder singen, die man sonst in keinem Konzert zu hören bekommt.

Weil sich Steiffen seinem Wohnort Osnabrück verbunden fühlt, feiert er die Welturaufführung seines zweiten Werks hier mit besonderen Gästen, die auch an der Entstehung des Albums beteiligt waren. Zusammen mit Mezzosopranistin Eva Schneidereit singt er das ziemlich spezielle Duett „Du und ich“, Jimmy Reiter wird mit seiner Gitarre für rockende Töne sorgen, Tommy Schneller verleiht einigen Songs Saxofonschmelz. Und wenn das Publikum Glück hat, schafft es der Performer sogar, das berüchtigte Steiffen-Ballett auf die Bühne zu holen…


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