Menschen wie du und ich Ausstellung zum Down Syndrom in Osnabrück

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und Eske applaudieren, hinten im Bild die Schwestern Lea und Judith Klein-Reesink. Foto: David EbenerOberbürgermeister Wolfgang Griesert und Eske applaudieren, hinten im Bild die Schwestern Lea und Judith Klein-Reesink. Foto: David Ebener

Osnabrück. Etwa eines von 700 Kindern kommt mit dem Down Syndrom zur Welt. Im Christlichen Kinderhospital Osnabrück läuft jetzt die Ausstellung „Kann die Welt auf uns verzichten?“, die auf diese Frage eine deutliche Antwort gibt.

Chefarzt Burkhard Rodeck begrüßte eine Schülergruppe der Berufsbildenden Schulen Haste, die als erste die Ausstellung besuchte. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert hielt die Rede zur Eröffnung: „Eltern sprechen vom Erschrecken, wenn Trisomie 21 diagnostiziert wird, und von der Begeisterung, wenn sie feststellen, dass dieses einzigartige Kind eine große Bereicherung für ihr Leben ist.“ Immer noch gebe es Vorurteile, auch wenn durch die Bemühungen zur Inklusion viel passiert sei. „Die Gesellschaft begreift jetzt, welchen Fehler sie mit der Ausgrenzung von Menschen mit Down Syndrom gemacht hat.“ Dass ein Umdenken im Gange sei, sehe man nicht nur am Beispiel des australischen Models Madeline Stuart, das kürzlich auf der Fashion Week lief. (Down Syndrom im Comic: Alles zu Fabien Toulmés schonungslosem Buch „Dich hatte ich mir anders vorgestellt“)

„Ich bin ich 21“

Die Ausstellung wurde auf die Beine gestellt von der Elterninitiative  „Ich bin ich 21“ aus der Grafschaft Bentheim. Auf 21 Stelen sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu sehen, die sich mit Bild und Text und vorstellen. Dita Büter von der Initiative war mit ihrer Tochter Eske vor Ort: „Wir möchten die Individualität unserer Kinder einer großen Öffentlichkeit näherbringen. Kann die Welt auf uns verzichten? Das ist natürlich provokant, aber das soll es auch sein“ – schließlich werde das Lebensrecht der Betroffenen durch die Möglichkeiten der pränatalen Diagnostik heute infrage gestellt, obwohl ein erfülltes Leben für alle Beteiligten absolut möglich sei. Eva Klein-Reesink aus Schüttorf erklärte Wissenswertes rund um das Syndrom: Die Bezeichnung Trisomie 21 leitet sich daraus ab, dass das 21. Chromosom ganz oder teilweise dreifach vorhanden ist. Merkmale wie verminderte Muskelspannung, die charakteristische Gesichtsform oder eine verkleinerte Mundhöhle träten besonders häufig auf. Die Entwicklung verlaufe zwar wie bei gesunden Menschen, aber in der Regel langsamer und oft in Schüben. Ein schlechteres auditives Gedächtnis sei unter anderem verantwortlich für verzögerte Sprachentwicklung. (Mehr zum Thema: Darf man noch „behindert“ sagen? Zum Umgang mit Trisomie 21)

Geschwisterliebe

Ihre Töchter Lea und Judith waren auch dabei, und Judith drehte die titelgebende Frage einfach mal um: „Ich möchte nicht auf die Welt, meine Familie und meine Freunde verzichten.“ Schwester Lea schilderte das gemeinsame Aufwachsen. Dabei wurde deutlich, dass ihre Geschwisterbeziehung nichts von dem vermissen lässt, was eine Schwester-Schwester-Konstellation ausmacht: Zoff, gemeinsame Geheimnisse vor den Eltern und Mädelsabende inklusive. „Natürlich rutscht man mit zunehmendem Entwicklungsunterschied auch ein Stück weit in eine Erzieherrolle hinein, aber das ist eine Verantwortung, die ich auf keinen Fall als Belastung empfinde.“  

Die Ausstellung wurde zum ersten Mal gezeigt im März 2014 in Nordhorn und wanderte dann weiter. Das Christliche Kinderhospital ist die 14. Station. Ursprünglich sollte sie nur ein halbes Jahr laufen, aber dank der großen Nachfrage sind es jetzt schon anderthalb.


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