Bilanz nach fünf Jahren Was brachte Schließung der Osnabrücker Stadtteilbibliotheken?

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Osnabrück. Vor fünf Jahren wurden die vier Stadtteilbibliotheken in Osnabrück geschlossen. Der Grund: Die Stadt musste sparen, die Kultur ihren Beitrag leisten. Doch was hat die Schließung gebracht?

Die Schließung der Nebenstellen der Bibliothek am Markt war der kulturelle Beitrag zur Haushaltskonsolidierung. Fast einstimmig hatte der Stadtrat im Juni 2010 für die Aufgabe der Bibliotheksfilialen votiert. Nur die Vertreter von UWG und und den Linken waren dagegen.

Betroffen vom Wegfall der Bibliotheken ist der Verein „Lesewelt“, der in den vier Stadtteilen regelmäßig Vorlesestunden für Kinder veranstaltet hatte. Eine „ganz große Katastrophe“, nennt Vorsitzende Karola Burger den Verlust der Stadtteilbibliotheken. 40 bis 50 Kinder seien wöchentlich zu den Vorlesestunden gekommen. Dabei kamen Eltern und Kinder unterschiedlicher Nationen und Religionen zusammen. Das ist nun anders. Die Lesewelt ist auf Kirchengemeinden ausgewichen, wohin rund zehn Kinder in der Woche kommen. Muslimische Familien etwa sind nicht mehr dabei.

Auch für viele Grundschulen sind die Bibliotheken ein Verlust. So gingen die Lehrer der Kreuz- und Stüveschule regelmäßig mit den Schülern in die Stadtteilbibliothek. „Das war ein klarer Treffpunkt“, sagt Claudia Reichel, Leiterin der Kreuzschule. Die Grundschule hat sich über Elternspenden inzwischen eine eigene Bibliothek aufgebaut. Ein gleichwertiger Ersatz sei das nicht, so Reichel.

„Wir hatten damals die Wahl, den Bücherbus oder die Stadtteilbibliotheken zu behalten“, erklärt Kulturdezernentin Rita Maria Rzyski. Die Entscheidung fiel für den Bus, der alle Stadtteile und damit auch die Randbereiche wie Pye oder Lüstringen anfährt. Außerdem gehörte zur Neukonzeptionierung der Bibliothek die Anschaffung einer Rücksortieranlage, die es den Nutzern ermöglicht, ihre Medien außerhalb der Öffnungszeiten zurückzugeben.

Darüber hinaus wurden die Öffnungszeiten der Stadtbibliothek erweitert. Überhaupt ist die Stadtbibliothek moderner geworden. Vor allem die Generation 50+ nutze sie, um sich in die digitalen Medien wie Tablets einführen zu lassen, so Rzyski. Und auch der Bücherbus hat seinen Kreis ausgeweitet. Statt 23 fährt er 35 Haltestellen an, jede davon mindestens alle drei Wochen.

235 000 Euro sollen durch die Schließung der Stadtteilbibliotheken jährlich eingespart werden. Bisher ist die Summe aber deutlich niedriger. 30 000 Euro seien es 2011 gewesen, in diesem Jahr 135 000 Euro, so Alfred Wübbena, stellvertretender Leiter der Stadtbibliothek. Die Zielsumme von 235 000 Euro Einsparung im Jahr werde wegen noch laufender Personal- und Mietkosten erst 2026 eingespart, sagt Rita Maria Rzyski. „Das war aber nie anders geplant“, versichert sie.

Kosten entstanden auch durch den neuen Bücherbus, der 2011 angeschafft wurde. Die 270 000 Euro wurden zu 75 Prozent aus dem Konjunkturpaket II finanziert. In Haste und Eversburg kam die Stadt außerdem nicht ohne Weiteres aus den Mietverträgen heraus. In Haste ist die Bibliothek inzwischen zwar weitervermietet. Doch in Eversburg läuft der Vertrag bis 2020.

Der Versuch vor ein paar Jahren, die städtische Kunstschule dort unterzubringen, scheiterte. Die Stadt nutzt den Raum inzwischen als Aktenlager. Die Länge des Mietvertrags hatte in den vergangenen Jahren für Unmut im Stadtrat gesorgt, da nach Ansicht einige Politiker die Sparvorgaben damit nicht eingehalten wurden.

„Bildungspolitisch“ sei der Wegfall ein Desaster, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Frank Henning. Seine Partei und die Grünen hatten nur unter Bauchschmerzen zugestimmt. Es war ihr Entgegenkommen zum Gesamtpaket der damaligen Einsparungen. Auch Jens Meier von den Grünen findet die Entscheidung nicht gut, würde aber in derselben Situation wieder dafür stimmen. Die Zustimmung sei der damaligen Notlage geschuldet gewesen, erklärt er.

Gut findet die Entscheidung niemand. „Das war eine schwierige Sache“, sagt auch Brigitte Neumann (CDU). Dennoch hält sie die Entscheidung für richtig und „zeitgemäß“. Der Bücherbus fahre immerhin alle Stadtteile an, verweist sie auf den Vorteil des neuen Konzepts. Auch Maria-Theresia Sliwka (FDP) lobt die Arbeit des Bücherbusses. Die Einsparungen seien aber wohl nicht in vollem Umfang eingetreten, sagt sie mit Blick auf die langen Mietverträge.

Christopher Cheeseman von den Linken würde auch heute wieder gegen die Schließung der Bibliotheken stimmen. „Es ist wichtig, dass Kinder ein Buch in die Hand nehmen können“, sagt er. Auch Wulf-Siegmar Mierke (UWG) steht nach wie vor zu seiner Gegenstimme und verweist darauf, wie wichtig das „Angebot vor Ort“ gerade für Kinder sei.


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