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Ziel: Mehr Akzeptanz in der Gesellschaft Mehr Akzeptanz für die einstigen „Störenfriede“30 Jahre Autismus-Therapiezentrum Osnabrück

Von Thomas Wübker

Feierten im Autismus-Therapiezentrum (von links): Susanne Breiwe, Wolfgang Rickert-Bolg, Maria Kaminski, Margret Trentmann, Gerd Patjens und Heiner Böckmann. Foto: SeilerFeierten im Autismus-Therapiezentrum (von links): Susanne Breiwe, Wolfgang Rickert-Bolg, Maria Kaminski, Margret Trentmann, Gerd Patjens und Heiner Böckmann. Foto: Seiler

Osnabrück. Am 1. Dezember 1981 wurde das Autismus-Therapiezentrum Osnabrück gegründet. Maria Kaminski, Vorsitzende des Bundesverbandes Autismus Deutschland, gehörte zu den sieben Gründungseltern und schaute bei der Feierstunde zum 30. Geburtstag am Freitag im Kreishaus in viele strahlende Gesichter der etwa 100 Gäste.

Der Leiter des Therapiezentrums, Wolfgang Rickert-Bolg, blickte in seiner Ansprache auf drei Jahrzehnte zurück. 1981 bezog das Autismus-Therapiezentrum die ersten Räume an der Buerschen Straße im Osnabrücker Stadtteil Schinkel. Damals arbeiteten dort zwei Therapeutinnen, so Rickert-Bolg. „Zu dieser Zeit waren Kinder mit Autismus rätselhafte Kinder“, sagte er.

„Früher wurden diese Kinder oft als auffällig oder Störenfriede bezeichnet“, sagte die stellvertretende Landrätin Susanne Breiwe, die nach ihrer Ernennung am Montag beim Jubiläum des Autismus-Therapiezentrums ihre erste öffentliche Rede in neuer Funktion hielt. Heute sei bekannt, dass Autisten unter Störungen litten, die sie nicht beeinflussen könnten, so Breiwe. Sie äußerte den Wunsch, Menschen mit Behinderung besser in die Gesellschaft zu integrieren, und unterstützte das Vorhaben mit einer Geldspende an das Autismus-Therapiezentrum.

Seit 20 Jahren ist das Therapiezentrum am Goethering in Osnabrück ansässig. Heute arbeiten dort elf therapeutische Fachkräfte. Wolfgang Rickert-Bolg betonte, dass auch die Eltern in die pädagogische und therapeutische Arbeit eingebunden seien. Im Mittelpunkt stehe das Verstehen autistischer Verhaltensweisen. Den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Therapiezentrum werde auf der Grundlage eines humanistischen Menschenbilds, eines ganzheitlichen Ansatzes und mit verschiedenen therapeutischen Methoden aus der Tiefenpsychologie oder der Verhaltenstherapie begegnet.

Dass der Weg von den „Störenfrieden“ bis zu einer Akzeptanz des Symptoms Autismus in der Gesellschaft lang war, weiß Maria Kaminski aus eigener Erfahrung. Dieser Weg sei schwierig, er lohne sich aber: „Mein Sohn hat sich von einem nicht sprechenden und sich selbst verletzenden Kind zu einem selbstbewussten jungen Mann entwickelt.“ Wolfgang Rickert-Bolg sagte, heutzutage würden in den Einrichtungen zu 70 Prozent Menschen mit dem Asperger-Syndrom behandelt, das als leichte Form des Autismus gelte. Viele von ihnen hätten keinen Job, obwohl sie gut ausgebildet seien. Maria Kaminski fand mahnende Worte: „Ein gut therapiertes Kind erspart dem Staat Folgekosten.“

Dr. Gerd Patjens vom Kinderhospital Osnabrück und Heiner Böckmann von der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück lobten die gute Zusammenarbeit zwischen den Institutionen. Dr. Eckhard Schiffer, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, hielt zudem einen Fachvortrag über die „salutogenetische Betrachtungsweise des Autismus“. Den meisten Applaus erhielt jedoch der Chor der Osnabrücker Montessori-Schule, der die Gäste mit zwei Liedern unterhielt.