Schweiger: Respekt, Respekt, Respekt Til Schweiger trifft Flüchtlinge in Osnabrück

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Osnabrück. „Manta, Manta“ antwortete das syrische Mädchen im Osnabrücker Flüchtlingshaus auf die Frage, ob es Til Schweiger kenne. Ein weiterer Austausch scheiterte an Sprachproblemen. Der Schauspieler zog am Mittwochmittag einen Pulk von Medienvertretern an und lieferte den Gästen im Flüchtlingshaus damit eine spannende Abwechslung.

Die vor 14 Tagen gegründete Til Schweiger Foundation will sich in der Osnabrücker Erstaufnahmeeinrichtung des Landes engagieren. Deshalb besuchten der Filmemacher und sein Mitstreiter Thomas D von den „Fantastischen Vier“ in Begleitung des niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius das ehemalige Bundeswehrkrankenhaus.

Vor Ort wollten die beiden Promis mit Vertretern der Diakonie, die das Haus betreibt, über Möglichkeiten der Unterstützung beraten. Drei Ergebnisse wurden nach einem Rundgang präsentiert: Auf dem Gelände könnte in Schnellbauweise eine Kita gebaut werden. Zudem sollen mehr Räume für Sprachunterricht eingerichtet werden. Bein Anblick einer leere Halle neben der Fahrradwerkstatt meinte Schweiger spontan, dort könne ein Fitnessraum entstehen.

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Dort könnten sich die Männer und Frauen abreagieren, sagte Schweiger. In den Erstaufnahmeeinrichtungen könnten die Menschen nichts anderes tun als warten. „Wenn es dann in Flüchtlingsunterkünften knallt“, sei das nur zu verständlich. Wenn man 1000 Deutsche, „nur Christen“ auf engstem Raum zusammenpferche, „würden die sich auch die Rübe einhauen“, sagte der Schauspieler in seiner flapsigen Art.

Til Schweiger zeigt Gefühle

Er zeigte aber auch Gefühle nach Gesprächen mit Flüchtlingen aus Syrien und dem Sudan: „Das war so berührend, da muss ich mich zusammenreißen, um nicht loszuflennen.“ Er möge sich nicht ausdenken, wie es ihm erginge, wenn er mit seinen vier Kinder über Tausende Kilometer fliehen müsste, von anderen ausgenutzt und zusammengeschlagen.

Schweiger zeigte sich auch beeindruckt von den vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern: „Respekt, Respekt, Respekt“, sagte er und wurde von Thomas D mit einem kräftigen „Ja, Mann!“ unterstützt.

Welche Summe seine Stiftung in Osnabrück stecken werde, sei noch nicht klar. Schließlich wolle seine Stiftung auch andere davon überzeugen, Geld in die Flüchtlingsarbeit zu stecken: „Den Prominenten, die mir auf die Schulter klopfen, sage ich ,Tu selber was‘.“ Deshalb würden für die einzelnen Projekte immer Partner gesucht. Bezahlt werde in jedem Fall „so viel, wie’s koschtet, sagt der Schwabe“, ergänzte Thomas D.

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Til Schweigers Unterstützung habe dem Flüchtlingshaus noch einmal einen „tollen Schub gegeben“, freute sich Gerhard Töller, Geschäftsführer des Flüchtlingshauses. Noch am Nachmittag wollten Vertreter der Diakonie mit dem Schauspieler konkrete Pläne besprechen. Für die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter, die im Haus Deutschkurse anbieten, sei am Mittwoch die Stelle einer Bildungskoordinatorin ausgeschrieben worden.

Zum Thema Anfeindungen im Internet meinte Thomas D, Angst sei der größte Motor bei Vorurteilen und Beschimpfungen. Ängste müsse man ernst nehmen und die Menschen weiter aufklären. Er selber lese das nicht mehr.

„Habe meine eigene Fahndungstruppe“

„Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich Menschen einstellen kann, die diese widerwärtigen, menschenverachtenden Drohungen und Kommentare, die unser Recht brechen, lesen und anzeigen“, sagte Schweiger und fügte mit kleinem Lächeln hinzu: „Ich habe da meine eigene Fahndungstruppe.“

„Ich hab ja versucht, mit denen zu reden, aber die sind so vernagelt wie extreme Linke – mit denen kann man auch nicht diskutieren“, meinte der Schauspieler. Unter den Internethetzern seien zwar viele „Dummbatzen, aber zugleich richtig böse Leute“. Er sei überzeugt davon, dass es mehr hilfsbereite Menschen gebe als solche, die sagten, „Flüchtlinge sollen alle im Meer ersaufen“. Das zeige das Beispiel Osnabrücks und seiner Bevölkerung.

Während des gesamten Rundgangs ließ sich Til Schweiger geduldig mit Flüchtlingen und Mitarbeitern fotografieren. Nur zwei Mitarbeiter aus der Küche zeigten sich enttäuscht, dass der Promi-Gast nicht bei ihnen reingeschaut hat, um das Essen zu probieren. Schweiger hat am Mittwoch Gulasch verpasst.


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