Vierter Raubzug in Osnabrück Juwelier Kolkmeyer: Habe den Überfall kommen sehen


Osnabrück. Nach drei Raubzügen durch Juwelierläden in Osnabrück binnen weniger Wochen schwante Hans Heinrich Kolkmeyer Böses. „Ich habe es kommen sehen“, sagt der Schmuckhändler am Mittwoch – zwei Tage nach dem Überfall auf sein Geschäft in der Großen Straße. Doch wie hätte er sich schützen können? In Sachen Vorbeugung und Abschreckung seien der Branche die Hände gebunden.

Der Schreck steht Hans Heinrich Kolkmeyer noch ins Gesicht geschrieben. „Wir sind dabei, uns zu erholen, aber so etwas hängt natürlich lange nach“, erklärt der Juwelier. Am Montag ist sein Geschäft überfallen worden – zum ersten Mal überhaupt in den gut 60 Jahren, die es das Haus an dieser Stelle der Fußgängerzone bereits gibt.

Auf ganz Osnabrück bezogen, war es schon der vierte Überfall dieser Art seit Juli. Zuerst hatte es zweimal die erweiterte Verwandtschaft erwischt, genauer gesagt die von Juwelier Dirk Kolkmeyer geführten Geschäfte „123gold“ am Domhof und „Kolkmeyer – Haus der Weltzeituhren“ an der Georgstraße. Anfang September war dann der Juwelier Thünemann am Markt das Ziel von Räubern.

„Ich habe fürchterliche Schreie gehört“

Eine unheimliche Serie. Die nun aber möglicherweise zu Ende ist, sofern nicht verschiedene Täter am Werk waren. Die beiden Verdächtigen vom Montag befinden sich jedenfalls schon hinter Schloss und Riegel.

Er selbst, berichtet Hans Heinrich Kolkmeyer, habe sich in der Werkstatt im ersten Stock befunden, als die zwei Männer, laut Polizei 21 und 28 Jahre alt, gegen 15 Uhr in sein Geschäft eindrangen. „Plötzlich habe ich fürchterliche Schreie gehört, Frauenschreie.“ Die Wendeltreppe in den Verkaufsraum hinab eilend, habe er einen Kunden am Boden liegen sehen, der sich die Hände vors Gesicht schlug. Die Täter hatten ihn mit Reizgas ausgeschaltet, danach auch die Frau des Mannes, die ihn begleitete, schließlich die beiden Verkäuferinnen.

Mutige Zeugin, schnelle Polizei

Dann seien die beiden Räuber auf Fahrrädern getürmt – im Unterschied zu den vorherigen Überfällen ohne Beute, wie Kolkmeyer feststellt. „Wir haben keinen Sachschaden, es wurde nichts zerschlagen und nichts geraubt.“ Eine Zeugin verfolgte die Verbrecher in Richtung Haarmannsbrunnen. Nahe dem Iduna-Hochhaus am Erich-Maria-Remarque-Ring wurden sie von der Polizei endlich geschnappt. „Das ging schnell – beispielhaft!“, lobt der Juwelier. „Auch bei der Frau, die so aufmerksam war und mutig einschritt, können wir uns nur bedanken.“

Allmählich kehrt nun Alltag in das Schmuckgeschäft zurück. Große Sorgen macht sich Hans Heinrich Kolkmeyer aber um die vier Verletzten. Seine beiden Angestellten etwa hätten schlaflose Nächte und seien krankgeschrieben. „Was passiert ist, werden die Opfer niemals vergessen“, ist der Chef überzeugt. „Psychische Schäden sind da.“ (Weiterlesen: Wie Juwelier Dirk Kolkmeyer die Raubüberfälle verkraftet)

Mehr Videoüberwachung

Doch was tun, um Überfälle wie diese zu verhindern? Ein siebter Sinn allein nützt wenig, hat Kolkmeyer leidvoll festgestellt. Tür abschließen, Wachtposten aufstellen, Schleuse einrichten oder sogar eine Waffe besorgen – für den Juwelier alles keine Option. Nur zu gerne würde er allerdings die Videoüberwachung in seinem Geschäft ausdehnen und im Verkaufsraum sowie in den Schaufenstern beliebig lange filmen, um bei Bedarf Beweisbilder zu haben. Doch der Datenschutz setzt solchen Aufzeichnungen enge Grenzen – sehr zum Bedauern der Schmuckbranche, die sich als Hochrisikogruppe benachteiligt fühlt. „Da mache ich der Politik erhebliche Vorwürfe“, klagt der Osnabrücker, der auch Vizepräsident des Bundesverbandes der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ) ist. „Änderungen sind hier dringend notwendig.“

In seinem Fall, da ist Hans Heinrich Kolkmeyer überzeugt, hätte sich ein Mitschnitt spätestens bei Gericht ausgezahlt. Denn die Täter seien bereits am Samstag in seinem Laden gewesen, um ihn auszukundschaften. „Eine Verkäuferin hat sie wiedererkannt.“ (Weiterlesen: Nach Überfall auf Osnabrücker Juwelier – Hinweisschild „verwundert“ Polizei)


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