Klage gegen Züchter Kasselmann Lahmes 900.000-Euro-Pferd: Gütliche Einigung scheitert

Eine gütliche Einigung im Streit um ein rund 900.000 Euro teures Dressurpferd vom Hof Kasselmann ist am Montag vor dem Landgericht Osnabrück gescheitert. Symbolfoto: David EbenerEine gütliche Einigung im Streit um ein rund 900.000 Euro teures Dressurpferd vom Hof Kasselmann ist am Montag vor dem Landgericht Osnabrück gescheitert. Symbolfoto: David Ebener

Osnabrück. Eine gütliche Einigung im Streit um ein Dressurpferd vom Hof Kasselmann, das beim Kauf vor zwei Jahren rund 900.000 Euro kostete und inzwischen lahmt, ist am Montag vor dem Landgericht Osnabrück gescheitert.

Die Vorsitzende Richterin hatte sich um eine Güteverhandlung bemüht, doch der Rechtsanwalt der Klägerin aus der Schweiz lehnte es ab, das Pferd parallel zur gerichtlichen Beweisaufnahme zum Hof Kasselmann zu überstellen. Darum hatte der Rechtsanwalt von Francois Kasselmann, einem der drei Geschäftsführer des Hofs, gebeten, um mehr über den aktuellen Zustand des Wallachs zu erfahren. Auch ein Mediationsverfahren im Vorfeld war bereits gescheitert. So wird ein Sachverständigengutachten im nächsten Verhandlungstermin maßgeblich für die Entscheidung in dem Verfahren sein.

Mit Steuern 892.500 Euro für „Londontown S“

Die Klägerin fordert in ihrer Zivilklage die Rückabwicklung des Kaufvertrages. Sie hatte im September 2013 750.000 Euro netto und inclusive Steuern sogar bei 892.500 Euro für ein Dressurpferd namens „Londontown S“ bezahlt. Die Klägerin verlangt daher die Rückabwicklung des Kaufvertrages und die Erstattung von Kosten, die für Pflege, Transport, Unterhaltung und Heilbehandlung des Tieres angefallen seien. Somit fordert sie neben dem Netto-Kaufbetrag von 750.000 Euro weitere 50.000 Euro für die angefallenen weiteren Kosten. Die Reiterin hatte geplant, mit dem Pferd auf Grand-Prix-Ebene zu reiten. Laut Klägerin sollen Mängel schon bei Vertragsabschluss bestanden haben, ihr aber verschwiegen worden sein.

Francois Kasselmann: „Das lief ziemlich ruhig für uns“

Francois Kasselmann reagierte nach der vierstündigen Auftaktverhandlung vor dem Landgericht gelassen: „Das lief ziemlich ruhig für uns“, sagte er unserer Redaktion. Sein Rechtsanwalt Ulrich Funk fügte hinzu: „Die Klägerin behauptet, dass bei der Ankaufuntersuchung wesentliche Gesichtspunkte übersehen wurden. Wir sind der Meinung, dass diese Mängel bei der Übernahme noch nicht vorhanden waren.“

Sachverständigengutachten soll klären, ob es Mangel bereits beim Kauf gab

Fest stehe, dass das Pferd bei der Übernahme noch nicht gelahmt habe. Schließlich habe sie das Pferd zuvor schon selbst geritten „und sie hätte es dann ja gar nicht gekauft“, betonte Funk. Alle Prozessbeteiligten seien sich jedoch einig darin, dass der Rechtsstreit noch nicht beendet sei. Es sei schon vor der Verhandlung zu erwarten gewesen, dass im ersten Termin noch kein Urteil gefällt werden könne und ein Sachverständigengutachten nun klären soll, ob der Mangel bereits beim Kauf vorhanden war.

Kein Kommentar von der Klägerin

Die Klägerin und ihr Rechtsanwalt wollten nach der Verhandlung keinen Kommentar geben.

Klägerin: Sechsmonatige Garantie für Verkalkung am Nackenband

Die passionierte Dressurreiterin fordert auch von dem Tierarzt Schadenersatz, der die Ankaufuntersuchung durchgeführt hatte. Sie wirft ihm vor, dass er außer einer Verkalkung am Nackenband keine weiteren Auffälligkeiten festgestellt habe. Den Hinweis auf eine Schwellung am vorderen rechten Bein, an dem das Pferd inzwischen lahmt, habe er vor zwei Jahren lediglich als Galle beschrieben, die allerdings kein gesundheitliches Problem darstelle. Für den Mangel am Nackenband habe der Arzt vorgeschlagen, sich eine sechsmonatige Garantie einräumen zu lassen. Wenn sich die Verkalkung in dieser Zeit nicht bemerkbar mache, dann sei sie auf der sicheren Seite.

Kaufpreis von 200.000 Euro eingetragen


Der Arzt habe ihr auch geraten, einen Kaufpreis von 200.000 Euro eintragen zu lassen, damit sie nicht den vollen Preis der Gebühren für den Ankauf bezahlen müsse.

Der Tierarzt bestritt das und sagte, die Klägerin habe den Kaufpreis nicht genau gewusst und habe gesagt, sie würde wahrscheinlich noch ein Pferd in Zahlung geben. Er habe gesagt, dass das Nackenband nicht nur verkalkt, sondern auch ein Stück davon abgebrochen sei. Zu einer Garantie habe er nicht geraten. Auf Provokationen habe das Pferd keine Reaktionen gezeigt, der klinische Befund sei sehr gut gewesen.

„Sie sind ins offene Messer gelaufen“

Die Klägerin und ihr Lebensgefährte erinnerten sich an eine Nachfolgeuntersuchung in der Tierklinik Telgte, in der ein anderer Tierarzt gesagt habe: „Sie sind ins offene Messer gelaufen.“ Er könne sich nicht vorstellen, dass das Pferd so durch die Ankaufuntersuchung gebracht worden sei.

Tierarzt: „Ich habe das nicht gesagt“

Bei der Zeugenvernehmung widersprach der Arzt: „Ich habe das nicht gesagt.“

Anderer Arzt hätte Protokoll anders ausgefüllt

Er fügt aber hinzu: „Ich hätte das Protokoll anders ausgefüllt. Ich hätte vermutet, dass am rechten Bein eine Umfangsvermehrung am Fesselgelenk vorlag.“ Zu dieser Vermutung führe eine kritische Betrachtung der Röntgenbilder.

Ein Gutachten muss im nächsten Verhandlungstermin nun klären, welcher Mangel wirklich schon beim Ankauf im Jahr 2013 vorlag.


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