Welt-Alzheimertag 21. September Erzählcafé bietet Demenzkranken Lebensfreude

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Die Schuhe im Kühlschrank, die Fernbedienung in der Wäschetruhe. Vergesslichkeit hat viele verschiedene Auswirkungen. Foto: Archiv/Jörn MartensDie Schuhe im Kühlschrank, die Fernbedienung in der Wäschetruhe. Vergesslichkeit hat viele verschiedene Auswirkungen. Foto: Archiv/Jörn Martens

Osnabrück. Es klingt erstaunlich, aber einige Teilnehmerinnen des Erzählcafés waren über die Diagnose „Demenz“ erleichtert: „Damit hatte ich eine Erklärung für meine Vergesslichkeit“. In Deutschland leben 1,5 Millionen Menschen mit einer Demenz. „Vergiss mich nicht“ ist das Motto des Welt-Alzheimertages am Montag, 21. September.

Wann haben Sie Ihre Diagnose erhalten? Einige in der Runde blicken bei dieser Frage Ingrid Schaal fragend an. Sie leitet das Erzählcafé für Menschen mit beginnender Demenz und weiß die Antwort, denn die meisten Teilnehmer sind nach der Diagnose in die Alzheimer-Gesellschaft Osnabrück gekommen. Oft erst zur Beratung und dann ins Erzählcafé.

An diesem Nachmittag gibt es frisch gebackene Waffeln mit roter Grütze, Sahne und Eis. Der Ton ist locker, man nimmt sich gerne gegenseitig auf die Schippe. Es gibt aber auch Momente, an denen geweint wird, sagt Ingrid Schaal. Auch dafür ist das Café da: Jeder kann offen erzählen, was ihn bedrückt. „Wir sind wie eine Familie“, fasst es eine Teilnehmerin zusammen: „Irgendwie wie Geschwister.“

Das liegt auch daran, dass sich in der Runde niemand verstellen muss. Jeder kennt die Diagnose der anderen, ihr Leben damit und das Umfeld. Da ist die Frau, die sich lange schämte, weil sie immer so viel vergaß. Deshalb war die Diagnose ihrer Neurologin eine Erleichterung für sie. Ihre Familie dagegen kommt damit nicht klar: „Meine Kinder haben mich verlassen, und die Enkel sehe ich auch nicht mehr.“

„Mit geht’s gut. Mein Mann ist nett zu mir, meine Kinder auch“, erzählt eine andere Besucherin. Sie hat von dem Angebot erfahren, als vor drei Jahren in St. Johann eine Messe zum Thema Demenz gehalten wurde. Damals fand anschließend im Treffpunkt der Alzheimer-Gesellschaft Osnabrück an der Johannisfreiheit 11a ein Tag der offenen Tür statt.

Hier bieten Ingrid Schaal und andere rein ehrenamtliche Mitarbeiterinnen Beratung, Betreuung und Informationsmaterial an. Die Vorsitzende der Osnabrücker Alzheimer-Gesellschaft weiß, wie nötig Unterstützung für Betroffene und Angehörige ist: Sie war früher in der Pflege tätig und hat Demenzerkrankte in ihrer Familie.

Angehörige tragen den größten Teil der Versorgungslast. Deshalb gibt es speziell einen Gesprächsabend für Angehörige, die sich untereinander austauschen. Zum Erzählcafé im Paulusheim kommen Demenzerkrankte mit ihren Angehörigen, verbringen die Stunden aber in getrennten Räumen. In Ingrid Schaals Gruppe an der Johannisfreiheit kommen die Erkrankten allein. Lediglich zwei Männer werden zu den Treffen von ihren Frauen begleitet.

Diagnose mit 47 Jahren

Fast alle in der Gruppe haben die Diagnose erhalten, als sie um die 60 waren. Die jüngste Demenzerkrankte, die sich bei Ingrid Schaal bisher gemeldet hat, war 47 Jahre. Ihr sei es besonders schwergefallen, die Krankheit anzunehmen.

Aufgrund der Erfahrungen in der eigenen Familie war es Ingrid Schaal ein besonderes Anliegen, Menschen mit der Diagnose Demenz zu zeigen, dass das Leben nicht vorbei ist und immer noch Schönes zu bieten hat. Dass dies gelingt, zeigt der Besuch im Erzählcafé mit dem liebevoll gedeckten Tisch: „In der Gemeinschaft sind wir stark!“

Das Büro der Selbsthilfe Demenz an der Johannisfreiheit 11a ist dienstags von 15 bis 17 Uhr und mittwochs von 10 bis 12 Uhr geöffnet, Telefon 0541/58049274, Internet www.alzheimer-os.de . Nicht allein Betroffene und Angehörige sind eingeladen, sich zu melden. Ingrid Schaal sucht immer neue ehrenamtliche Mitarbeiterinnen .


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