Osnabrücker Theaterfestival Unterwegs auf den Routen der „Spieltriebe“

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Sicher geleitet die Routenführer ihr Publikum zur Tischlerei Schütze, einem Spielort der Spieltriebe. Foto: Elvira PartonSicher geleitet die Routenführer ihr Publikum zur Tischlerei Schütze, einem Spielort der Spieltriebe. Foto: Elvira Parton

Osnabrück.  Spieltriebe - dazu gehört nicht nur, ein Stück nach dem anderen zu gucken. Das heißt auch, unter Zeitdruck zu stehen. Die Stadt neu zu entdecken. Und ganz entspannte Busfahrer kennenzulernen.

Trödeln gilt nicht. Kaum ist das Publikum an Bord, schon macht Lena Konermann Dampf. „Unsere Route hat es ein bisschen eilig“, kündigt sie nach wenigen Metern Busfahrt zur ersten Spielstätte an.

Die „Grünen“ haben viel vor. Es geht zunächst für zwei Stücke zu Planen Neumann in der Martinistraße, von dort quer durch die Stadt zur Melanchthonkirche am Kalkhügel und danach zurück zum Theater am Domhof. „Zack, zack“, übersetzt eine Zuschauerin die Anweisung der Routenleiterin. Ganz ohne Boshaftigkeit. Denn Zeitdruck hin oder her, eigentlich sind alle entspannt.

Unverkennbar in Grün

Weil Lena Konermann ihren Job nicht allein schaffen kann - schon deswegen, weil immer zwei Busse auf einer Strecke fahren - wird ihr wie allen Routenleitern ein Team aus Helfern zur Seite gestellt.

Silvan Bartel gehört zu den ehrenamtlichen Routenführern. „Ich überlege, ein Praktikum am Theater zu machen“, erklärt er, warum er dabei ist. Er und seine Kollegen Herbert Brate und Peter Strate, beide Statisten am Theater, sind durch ihre grünen T-Shirts unverkennbar. 

Entspannte Busfahrer, entspannte Zuschauer

Auch die Busfahrer sind unverzichtbar. Gerald Sommer und Christian Soujon warten nach der Vorstellung in der Melanchthonkirche auf dem Bürgersteig darauf, dass das Publikum einsteigt. Für sie sei es ein angenehmer Job, sagen sie. Sie müssen keine Haltestellen anfahren, die Zuschauer sind freundlich und - natürlich - entspannt.

Ein ehemaliger Intendant ist dabei

Es kommt ein sehr buntes Publikum zusammen. Junge Frauen, die die Chance nutzen, sich in den Semesterferien in ihrer alten Heimat zu treffen. Schauspieler, die mal in Osnabrück engagiert waren und nun zu Besuch sind. Und ein ehemaliger Intendant. Holger Schultze hat das Spieltriebe -Festival 2005 in Osnabrück eingeführt. Nun will er sehen, was aus seinem „Baby“ geworden ist. Aber noch ein „Baby“ trifft er auf Route Grün, nämlich das Kinder- und Jugendtheater Oskar .

Stärkung im Keller der Kunsthalle

Bei so viel Theater ist zwischendrin eine Stärkung nötig. Im Keller der Kunsthalle Dominikanerkirche stehen Marie-Christine Benen und Lisa Schau hinter dem Tresen. Nein, anstrengend sei es nicht, wenn plötzlich das ganze Publikum ansteht. Die jungen Frauen arbeiten in der Theatergastronomie und kennen das aus den Vorstellungspausen.

Besuch aus Belgien

Die Route Orange, die hier zu Speis und Trank einkehrt, ist zu Fuß unterwegs. Und auch hier sind die Routenführer hilfreich. Die Wege, die vom Keller der Doki zur Berufsschule am Westerberg und von dort zur Tischlerei Schütze gewählt werden, sind selbst eingefleischten Osnabrückern nicht unbedingt bekannt. Und erst recht nicht Gästen von außerhalb. Die reisen sogar aus Belgien an. Jorien Huysentruyt, die Schwester von Tänzer Lennart Huysentruyt, ist mit ihrer Mutter auf der orangen Route unterwegs. Deutsch sprechen die Frauen nicht. Trotzdem haben sie Bilder und Emotionen von den zwei Stücken mitgenommen, wie sie zurück im Theater am Domhof sagen. 

Hier kommen sie alle zusammen, die rote, die blaue, die pinke und die orangene Route. Und auch die grüne Route schafft es trotz des längeren Wegs fast noch pünktlich zum letzten Teil von „Paradies fluten“. Zack, zack lohnt sich manchmal eben.


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