Geballte Emotion in Osnabrück Wirtz-Konzert in ausverkauftem Hyde Park: Das Wir zählt

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Osnabrück. Wirtz war in der Stadt und alle wollten ihn sehen: Im ausverkauften Hyde Park unterhielt der vom Fernsehen verwöhnte Rocker die Fans mit einer perfektionistischen Show.

Das „Wir“ wird groß geschrieben. Daher prangt auf dem T-Shirt, das der Sänger trägt, ganz groß „Wir“, mit einem hochgestellten, kleinen „tz“ angehängt. Soll wohl vermitteln: Für Daniel Wirtz bedeutet es viel, ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen. Es funktioniert. Er singt den dazugehörigen Song „Wir“, das elektronische Echo wiederholt den gebrüllten Titel, das Publikum ist begeistert.

Dann bezeichnet der Musiker, der im nächsten Monat seinen 40. Geburtstag feiert, Deutschland als „Insel der Demokratie“ und lobt aus aktuellem Anlass den Umgang mit den Flüchtlingsströmen: „Lasst die Leute rein!“, ruft er und erntet Applaus.

Offenbar hatte es keine politische Bedeutung, dass Daniel Wirtz damals, mit seiner Band Sub7even, regelmäßig als Support von den Böhsen Onkelz aufgetreten ist und später auch von Onkelz-Bassist Stephan Weidner produziert wurde. Schwamm drüber.

Dagegen dürfte seine Teilnahme an der zweiten Staffel des VOX-Formats „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ für gesteigerte Popularität gesorgt haben. Sonst hätte sein aktuelles Osnabrück-Konzert nicht vom Rosenhof in den Hyde Park hochverlegt werden müssen. Dort lauschen 1600 Zuschauer zunächst der viel versprechenden Deutschrockband Milliarden – bis Wirtz ohne obligatorisches Käppi die Bühne betritt.

Er gibt sich philosophisch. Er zitiert Oscar Wilde und singt den Song „Mantra“, in dem es um das schicksalgesteuerte Leben  geht. Und er interpretiert in einem Akustik-Intermezzo den PUR-Song „Wenn sie diesen Tango hört“, mit dem er PUR-Sänger Hartmut Engler in der erwähnten TV-Show angeblich zu Tränen gerührt hat. Aber er kann auch anders. „Die Mucke dumpf, der Sound na ja, textlich unzumutbar, gedanklich flach, stereotypisches Schallala…“ skandiert Wirtz im Song „L. M. A. A.“. Welche Kollegen er mit dem Zitat aus einem Mozart-Kanon meint, bleibt allerdings im Dunklen.

Liebeslieder, Trennungslieder, treibender Rock und romantische Balladen, das Konzert ist abwechslungsreich, aber aufgrund der Dominanz der Gitarren klanglich eher einförmig. Sehr schön geraten Songs wie „Siehst Du mich“, in denen er seinen Bassisten die zweite Stimme singen lässt. Bei dem Zugabensong „Keine Angst vor Tränen“ überlässt er dem Publikum den Chorpart, bevor er sich mit „Mon Amour“ vom Publikum verabschiedet: „Hier und jetzt endet die Geschichte…“


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