Deal im „Dialer-Prozess“ Dreijährige Freiheitsstrafe für Internetbetrüger

Mit der Verurteilung des Angeklagten zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe ging die Neuauflage des „Dialer-Prozesses“ am Landgericht Osnabrück zu Ende. Symbolfoto: dpaMit der Verurteilung des Angeklagten zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe ging die Neuauflage des „Dialer-Prozesses“ am Landgericht Osnabrück zu Ende. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Mit der Verurteilung des Angeklagten zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe ging die Neuauflage des so genannten „Dialer-Prozesses“ am Landgericht bereits am zweiten Verhandlungstag zu Ende. Der 45-jährige US-Amerikaner war Teil einer Gruppe, die im Jahr 2003/2003 mittels Internetbetrugs mehr als 12,6 Millionen Euro ergaunert haben soll.

  • Das Landgericht Osnabrück hat einen 45-jährigen US-Amerikaner zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt.
  • Der Mann soll als Mitglied einer Bande geholfen haben im Jahr 2002/2003 Internetnutzer abzuzocken.
  • Die Bande hatte Pornoseiten so präpariert, dass die Verbindung zum Internet unbemerkt über eine kostenpflichtige 0190-Nummer hergestellt wurde.
  • Über 100.000 Surfer sollen so um mehr als 12,6 Millionen Euro erleichtert worden sein.
  • Mit Umstellung auf DSL funktioniert die Dialermasche in dieser Form nicht mehr.

Die Bande hatte pornografische Internetseiten so präpariert, dass die Internetverbindung von Besuchern der betreffenden Seiten unterbrochen wurde und sich dann unbemerkt über eine teure 0190-Nummer einwählte. Möglich machten dies eigens zu diesem Zweck entwickelte Autodialer, die unbemerkt vom User im Hintergrund arbeiten. Diese Autodialer installierten sich automatisch auf den Rechnern derjenigen, die sich auf den entsprechenden Erotikseiten bewegten. Manche dieser Dialer waren so konzipiert, dass sie sich selber löschen, um keine Spuren zu hinterlassen. Insgesamt sollen auf diese Weise mehr als 100000 Internetnutzer betrogen worden sein.

Auch anderer Mitglieder wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt

Das Landgericht Osnabrück hatte die Bandenmitglieder in einem früheren Prozess zu zum Teil mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Gegen die Verurteilung des 45-Jährigen zu zwei Jahren auf Bewährung wegen gewerbs- und bandenmäßigen Computerbetrugs in Tateinheit mit Datenveränderung im Juni 2011 hatte die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt: Sie war nicht nur der Meinung, dass der damalige Vorsitzende Richter im Falle des 45-Jährigen befangen war, auch das Strafmaß erschien der Anklagebehörde als zu niedrig. Der BGH hob daraufhin das Urteil gegen den 45-Jährigen auf, und verwies die Sache zur erneuten Verhandlung ans Landgericht zurück.

Dass der Prozess gegen den 45-jährigen Amerikaner bereits am zweiten Verhandlungstag zu Ende gehen konnte, machte ein Deal, wie die Verständigung im Strafverfahren umgangssprachlich genannt wird, möglich. Im Gegenzug zu einem glaubhaften Geständnis hatte das Gericht dem 45-Jährigen angeboten, eine Freiheitsstrafe von maximal drei Jahren und vier Monaten festzusetzen. Sowohl der Angeklagte als auch der Staatsanwalt hatten diesen Vorschlag akzeptiert und damit dem Gericht eine umfassende und zeitaufwendige Beweisaufnahme erspart.

Banden- und gewerbsmäßiger Computerbetrug

Mit der Verurteilung des Mannes zu drei Jahren wegen banden- und gewerbsmäßigen Computerbetruges in Tateinheit mit Datenveränderung blieb das Gericht am unteren Ende des in der Verständigung in Aussicht gestellten Strafrahmens. Da die lange Dauer des Verfahrens eine rechtsstaatwidrige Verfahrensverzögerung darstellt, gelten ein Jahr und sechs Monate der Strafe als bereits vollstreckt. Damit bewegt sich der für den 45-Jährigen verbleibende Strafrest in einer Höhe, die bewährungsfähig ist. Ob er tatsächlich zur Bewährung ausgesetzt wird, entscheidet die Staatsanwaltschaft.

Der 45-Jährige hat auch einen Betrag von 380000 Euro auf das Konto seines Anwalts überwiesen. Die Summe möchte der Mann als Bewährungsauflage zahlen.


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